Monheim: Die Leber leidet still

Monheim : Die Leber leidet still

Das Monheimer St.-Josef-Krankenhaus ist jetzt assoziierte Klinik der Deutschen Leberstiftung. Von der Anbindung sollen nicht nur Patienten profitieren, sondern durch verstärkte Aufklärungsarbeit viele weitere Bürger.

Vielleicht ist gerade eine Karnevalshochburg wie Monheim der passende Ort für gesteigerte Leber-Kompetenz, ist gerade der Februar der ideale Monat, eine Aufklärungsoffensive zugunsten des größten menschlichen Organs zu starten. Doch Chefarzt Dr. Ralph Schumacher hat nicht die Absicht, den Jecken die Session zu vergällen: "Die Stärke der Leber ist ihre Regenarationsfähigkeit. Ein einmaliger Alkohol-Exzess macht ihr, zumindest wenn sie gesund ist, nichts aus", sagt der Leiter der Inneren Medizin am St.-Josef-Krankenhaus, betont aber auch: "Was der Leber zu schaffen macht, ist das kontinuierliche Alkoholtrinken, sind die zwei Flaschen Bier, die halbe Flasche Rotwein am Tag". Um den Schaden solcher Lebensführung, wozu auch zu viel ungesundes Essen und zu wenig Bewegung gehört, zu begrenzen, will das St. Josef künftig auch vorbeugend in die Bevölkerung hineinwirken. So nach dem Motto "Kompetenz verpflichtet", denn das Krankenhaus an der Alten Schulstraße ist jetzt — als zweites Haus im Rheinland — "assoziierte Klinik der Deutschen Leberstiftung".

Patienten sollen profitieren

Neben Krankenhäusern haben unter anderen Wissenschaftler, niedergelassene Ärzte und Selbsthilfegruppen dieses Netzwerk seit 2006 geknüpft. Laut Schumacher dient es vor allem dem schnellen Transfer neuester Forschungsergebnisse in die klinische Praxis, zum Beispiel durch den Zugriff auf entsprechende Datenbanken oder medizinische Fachkongresse. Patienten des St. Josef sollen so frühzeitig von Fortschritten in der Arzneimittelforschung oder der Diagnostik profitieren.

Moderne Untersuchungsverfahren etwa per Ultraschall, die den Patienten vor invasiven Eingriffen bewahren, sind gerade bei der Leber von Vorteil. Denn die leidet still, schmerzt in der Regel — wenn überhaupt — erst dann, wenn es zu spät ist, wenn sie nach Absterben eines Großteils ihrer gesunden Zellen ihre lebenswichtigen Funktionen (siehe Info) immer weniger und schließlich gar nicht mehr erfüllt (Leberzirrhose; -versagen). Je sanfter die Methoden, desto eher dürften sich demnach Patienten der Untersuchung eines Organs unterziehen, dessen Erkrankung sich unterhalb ihrer Wahrnehmungsschwelle vollzieht.

Zirka 100 Menschen mit einer viralen Leberentzündung (Hepatitis), einer Zirrhose oder dem oft besonders tückisch verlaufenden Leberkrebs hat das zehnköpfige Ärzteteam der Inneren Medizin im vorigen Jahr behandelt. Bei rund 3500 Patienten in der Abteilung insgesamt mutet diese Zahl nicht sonderlich hoch an, doch tatsächlich handelt es sich bei den 100 Fällen ja nur um schwerere Lebererkrankungen.

"Lifestyle-Krankheit" Fettleber

Deutlich verbreiteter ist die Fettleber, neben Hepatitis eine mögliche Vorstufe zur irreversiblen Zirrhose. "Mehr als ein Drittel der Über-40-Jährigen hierzulande hat eine unterschiedlich stark ausgeprägte Fettleber", weiß Schumacher und ist sich sicher: Dieser Anteil wird in den kommenden 10 bis 20 Jahren noch beträchtlich steigen.

Schuld sind neben zuviel Alkohol überhandnehmender Fastfood-Konsum sowie Couchkartoffel-Dasein. Bei dieser Kombination wird die Leber mit dem "Überangebot" an Kalorien und Giftstoffen schlicht nicht mehr fertig. "Wir haben es mit einer Lifestyle-Erkrankung zu tun, die auch immer mehr jüngere Menschen treffen wird", warnt der Chefarzt. Deshalb will er — zusammen mit externen Fachleuten wie zum Beispiel Ernährungsberatern — künftig verstärkt über die Leber und ihre Feinde, Erkrankungen und Vorsorgemöglichkeiten aufklären, in Vorträgen, Aktionen und Broschüren.

Info Mehr zur Leber unter

www.rp-online.de/langenfeld

(RP)