Die Johanneskirche in Langenfeld wurde dem Erdboden gleich gemacht

Evangelische Kirchengemeinde : Das war eine Kirche

Die evangelische Johanneskirche gibt es nicht mehr. Wir blicken auf die Geschichte der Gebäude an der Stettiner Straße zurück.

Der Abrissbagger hat ganze Arbeit geleistet. Das Gelände an der Stettiner Straße ist so gut wie geräumt. Nach 65 Jahren ist die evangelische Johanneskirche damit endgültig Geschichte. Und die ging so:

1953/54 Die evangelische Gemeinde errichtet die Johanneskirche als Zentrum für Langenfeld-Mitte, Berghausen, Teile von Immigrath und damals auch noch (bis zum Bau der Lukaskirche an der Kaiserstraße in den späten 1960er-Jahren) Teile Richraths. Als erster Seelsorger nimmt Pfarrer Herbert Meyer seine Arbeit auf. Zudem gründet sich 1954 der Chor der Johanneskirche. Die Architektur wirkt schlicht. Eine rechteckige Form, glatte weiße Wände, eine Holzdecke. Die Fenster zur Stettiner Straße haben nur sehr schwache, blasse Farben, sind mehr Alibi denn Kirchenkunst. Im Chor ist ein farbkräftigeres und aufwändiger gestaltetes Fenster eingelassen.

1967 Als erste bauliche Veränderung kommt auf Wunsch von Gemeindemitgliedern und dank Geldspenden ein sandfarbener Glockenturm hinzu. Er erhebt sich 21 Meter hoch, ist als unverkennbares sakrales Merkmal im weiten Umkreis der Innenstadt zu sehen.

1973 Um den Kirchenraum flexibler nutzen zu können, werden die Bänke gegen Stühle ausgetauscht.

1984 In Richtung Dietrich-Bonhoeffer-Straße wird auf dem großen Kirchengelände ein Gemeindezentrum angebaut. Seitdem kann nicht nur die Seitenwand der Johanneskirche geöffnet und somit der Gebetsraum erweitert werden, sondern es gibt auch viel mehr Platz und Möglichkeiten für haupt- und ehrenamtliche Gemeindearbeit: Kinder- und Jugendgruppen, Kirchenmusik, Eltern-Kind-Gruppen, Seniorenarbeit oder Lebensbegleitung. Kurz nach dem Bau des Zentrums wird auch der Altarraum umgestaltet. Die Kanzel, die bis dato über die Gemeinde erhöht gewesen war, wird vom Sockel geholt und die vormals schmale Altarnische befreit man aus dem Schatten zweier eigentlich überflüssiger Mauervorsprünge.

1999 Die letzte nennenswerte Veränderung in der Johanneskirche ist die Renovierung der alten Weiland-Orgel.

2014 Die Evangelische Kirchengemeinde, der rund 14.500 Langenfelder angehören, kündigt im Zuge eines Sparkurses an, ihren Gebäudebestand zu verkleinern und zugleich zu erneuern. Die Johanneskirche steht auf der Streichliste. Hiergegen begehren viele Protestanten auf.

2016 Gegen die geplante Schließung der Johanneskirche und des benachbarten Gemeindezentrums sammelt eine Bürgerinitiative seit Juli stadtweit Unterschriften. Nach Angaben von Walter Kirch, der zu den Initiatoren des Protests gehört, haben rund 1700 Mitchristen unterschrieben. Doch das Presbyterium hält an seinen Plänen fest, dort Wohnhäuser teils selber zu errichten, teils an einen Investor zu vergeben. Als Zugeständnis an die Protestierenden soll in einem der Neubauten ein unterteilbarer Gemeindesaal mit Küche entstehen.

2017 Im Januar wird die Johanneskirche entwidmet. Die Orgel wird an eine ungarische Kirche in Tornyospalca verkauft.

2018 Die beiden Glocken aus dem Turm werden ausgebaut und an eine ukrainische Kirche in Belaya Zerkov verkauft.

Diesen Anblick der Johanneskirche an der Stettiner Straße gibt es nur noch auf Bildern und in der Erinnerung. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)
In der Johhaneskirche zeigte vor zehn Jahren die damalige Pfarrerin Margarete Overhoff die Altarbibel mit einer Widmung von Theodor Heuss. RP-Archivfoto: RALPH MATZERATH. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)
Langenfeld Abriss Johanneskirche Stettiner Straße 2.4.2019 Foto: Stephan Meisel. Foto: RP/Stephan Meisel

2019 Kirche und Gemeindezentrum werden im Frühjahr abgerissen. Es entstehen dort bald Wohnhäuser.

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