Langenfeld: Die Flüchtlinge sind angekommen

Langenfeld: Die Flüchtlinge sind angekommen

Helfer von Stadt, Kreis, Maltesern und DRK nahmen gestern die angekündigten rund 100 Asylbewerber in Empfang.

Sie kommen aus dem Irak und Aserbaidschan, Ghana und Syrien, Eritrea und vom Balkan. Viele haben mehrere tausend Kilometer hinter sich, haben eine wochenlange Odyssee auf sich genommen auf der Flucht vor Krieg und Terror oder der Suche nach einem besseren Leben. Ihre vorerst vorletzte Station an diesem brütend heißen August-Nachmittag ist ein mit Flatterband abgesperrter Parkplatz in Langenfeld. Die einzigen Autos darauf sind beigefarbene Katastrophenschutz-Fahrzeuge des Malteser Hilfsdienstes (MHD) und zwei Sanitätswagen. Dazu eine kleine Zeltstadt, in der die Flüchtlinge in Empfang genommen werden.

Etwas mehr als 100 Asylbewerber sind gestern auf dem Lehrerparkplatz des Konrad-Adenauer-Adenauer-Gymnasiums (KAG) angekommen, mit zwei Bussen aus Dortmund. Die dortige Erstaufnahme-Einrichtung ist, wie berichtet, überfüllt, weshalb das Land nun auch die Stadt Langenfeld im Zuge der Amtshilfe in die Pflicht genommen hat.

"Binnen anderthalb Tagen mussten wir dieses Erstaufnahme-Provisorium und Notquartiere für 108 Personen schaffen", berichtet Marion Prell, die städtische Beigeordnete, während ihr der Schweiß auf der Stirn steht und sich in und vor den Zelten mehrere dutzend Helfer von Stadt, Kreis und MHD um die Flüchtlinge kümmern.

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Noch im Bus ist jedem von ihnen ein lilafarbenes Papier-Armband mit einer Nummer angelegt worden. Draußen gibt es Wasser und - nach einer ersten kurzen Untersuchung durch Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamts (Fiebermessen etc.) - belegte Brote im Verpflegungszelt. Anschließend geht es in eines der beiden weißen Zelte, wo ein weiterer, gründlicher Medizincheck auf die zum Teil sehr erschöpft Wirkenden wartet, danach in das benachbarte Schulgebäude zur Registrierung. "Familien, besonders mit Kindern, haben bei all dem Vorrang", sagt Einsatzleiter Christian Benzrath, der Chef des städtischen Ordnungsamtes.

Die Familien werden in die Turnhalle der Grundschule Parkstraße nach Wiescheid gefahren, wo das Rote Kreuz eine Notunterkunft mit 44 (Feld-)Betten eingerichtet hat. Das DRK wird an den ersten Tagen auch die Verpflegung übernehmen. Von seiner Feldküche aus, aufgebaut am DRK-Haus an der Jahnstraße, beliefert es sowohl Wiescheid als auch die Flüchtlinge, die in der KAG-Turnhalle gleich neben der Aufnahme-Zeltstadt unterkommen (bis zu 64 Plätze). In dieser Halle händigen ihnen Helfer Handtücher und Tüten mit Zahnbürste, Duschgel und anderen Hygieneprodukten aus sowie nummerierte Aufkleber, mit denen sie ihre Habseligkeiten kennzeichnen können. Dolmetscher, auf deren Leuchtwesten die jeweiligen Sprachkenntnisse stehen, helfen beim Übersetzen.

Allein die Malteser sind an diesem Tag mit bis zu 30 Kräften im Erstaufnahme-Einsatz. Ihr Chef Christian Nitz ist der einzige "Hauptberufliche", die anderen wurden kurzfristig von ihren Arbeitgebern freigestellt. "Es wird ein paar Tage dauern, bis wir wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen", sagt der 37-Jährige, der zuletzt 2013 beim Elbe-Hochwasser einen Katastropheneinsatz hatte. Die "normale" Betreuung der Flüchtlinge ab etwa Montag hofft er mit einer Mannstärke von maximal vier sicherstellen zu können.

(RP)