Kommentar: Die Erholung kommt nur in Trippelschritten

Kommentar: Die Erholung kommt nur in Trippelschritten

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Dem deutschen Modell "Kurzarbeit" ist es zu verdanken, dass trotz Krise die Zahl der Arbeitslosen relativ gering gestiegen ist. Mit Wolfgang Rasten (56), dem zweiten Bevollmächtigten der für Langenfeld und Monheim zuständigen Geschäftsstelle der IG Metall, sprach RP-Mitarbeiter Martin Mönikes.

Wie schätzen Sie die Lage ein?

Rasten Es hat trotz Kurzarbeit einen doch erheblichen Personalabbau in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie gegeben. Wenn man bedenkt, dass tausende Leiharbeitnehmer sofort entlassen wurden und darüber hinaus befristet Beschäftigte nach der Befristung nicht weiter beschäftigt wurden. Richtig ist, dass die Kurzarbeit die Stammbelegschaft gesichert hat. Für den Bereich Metall/Elektro gibt es noch keine Entwarnung. Die größte Wirtschaftskrise seit 60 Jahren hinterlässt lange Spuren. Die Konjunkturerholung ist ein quälend langer Prozess, wir kommen nur in Trippelschritten zu den alten Zahlen. Es erinnert manchmal an die Echternacher Springprozession.

Gibt es keine Frühjahrsbelebung?

Rasten Es gibt zwar erste Firmen, die auch auf längere Sicht auf Kurzarbeit verzichten können, aber andere müssen jetzt zusätzliche Bereiche in die Kurzarbeitsregelungen einbeziehen. Richtig ist, dass bei Firmen, die durch den langen Winter betroffen waren, wie zum Beispiel die Hersteller von bauabhängigen Produkten, jetzt die Nachfrage langsam wächst.

Reichen 24 Monate Kurzarbeitergeld aus?

Rasten Zunächst mal sind wir froh, dass die große Koalition die Bezugsdauer auf 24 Monate verlängert hatte. Die ersten Firmen, die betroffen waren, begannen im Dezember 2008 mit der Kurzarbeit, das Gros der Arbeitnehmer ist seit Frühjahr 2009 betroffen, spannend wird es also ab Herbst diesen Jahres, wenn die Regelungen auslaufen. Dann wird sich zeigen, ob der neue Tarifvertrag (ZIA) wirkt.

Was steckt hinter diesem Kürzel?

Rasten ZIA steht für "Zukunft in Arbeit". Der vor wenigen Wochen vereinbarte Vertrag bietet die Möglichkeit einer betrieblich-tariflichen Fortsetzung der Kurzarbeit nach Ablauf der gesetzlichen Kurzarbeit. Wenn es sein muss, kann die Wochenarbeitszeit in den Betrieben auf bis zu 26 Stunden gesenkt werden, bei einem Teillohnausgleich. Der Vertrag soll helfen, die Facharbeiter in den Betrieben zu halten, aber auch die Chancen für die Auszubildenden erhöhen, weiter beschäftigt zu werden.

Erfolg hat viele Väter. Kein Wunder, dass beim deutschen Modell Kurzarbeit sich viele Akteure der Mitwirkung an ihrer breiten Umsetzung rühmen. Für jeden einzelnen Arbeitnehmer, dem die oft mit dem psychischen Empfinden der Nutzlosigkeit gekoppelte Arbeitslosigkeit erspart bleibt, ist sie ein echter Gewinn.

Ein Hoffnungssignal, dass es selbst bei dramatischen Krisen praktikable Alternativen zu reflexartigen Kündigungswellen gibt – zumindest gilt das für die Stammbelegschaften. mmo

(RP)