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Langenfeld: Die Deutsch-Lehrerin

Langenfeld : Die Deutsch-Lehrerin

Ehrenamtlerin Ursula Stolzenburg organisiert für die Flüchtlingshilfe zwei Selbstlernzentren in Langenfeld.

Gut anderthalb Jahre ist es her, seit Ursula Stolzenburg den noch etwas vagen Wunsch verspürte, bei Ankunft der vielen Flüchtlinge in Langenfeld zu helfen. Heute steckt die 63-Jährige schon mitten drin, in der ehrenamtlichen Arbeit, und zwar als Organisatorin der beiden Selbstlernzentren an der Stettiner- und der Albert-Einstein-Straße. Ersteres wird in diesem Jahr in die Räume der Volkshochschule im Stadtzentrum umziehen. Die so genannten Selbstlernzentren bieten den Flüchtlingen zusätzlich zu den vorgeschriebenen VHS-Kursen die Möglichkeit, mit Ehrenamtlern Deutsch zu lernen.

Ursula Stolzenburg ließ sich nicht lange bitten, als Frank und Sabine Schöler von der Langenfelder Flüchtlingshilfe sie um Unterstützung bei der Organisation baten. Längst ist es für sie allerdings nicht mehr mit wenigen Wochen-Stunden als ehrenamtliche Kraft getan. Ursula Stolzenburg wacht über die Einsatzpläne der Betreuer, sucht nach Vertretungen, führt Neue ein und sorgt sich nicht zuletzt liebevoll um den Zusammenhalt des Teams. Das besteht zurzeit aus 16 Leuten, sechs Männern und zehn Frauen. Sie erledigt die Korrespondenz und hat obendrein zwei afghanische junge Männer zur Betreuung, die oftmals mehr Probleme als "nur" die mit der deutschen Sprache haben. "Eigentlich bin ich jeden Tag mit meinem Ehrenamt beschäftigt", sagt sie.

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Die "Ruheständlerin" ist in eine Aufgabe hineingewachsen, die ständig neues Engagement und neue Ideen fordert. Zumindest, wenn man seine Aufgabe so ernst nimmt, wie Stolzenburg, die 1976 nach Langenfeld kam. "Mir fällt immer etwas ein, was man verbessern kann", sagt sie. Vielleicht kommt bald noch ein drittes Selbstlernzentrum dazu. Darüber hinaus hat sie 2015 eine Facebook-Gruppe "Hilfe für Flüchtlinge in Langenfeld" gegründet. Die hat mittlerweile mehr als 650 Mitglieder.

Für Ursula Stolzenburg ist die Arbeit in und um die Selbstlernzentren der Flüchtlingshilfe eine Herzensangelegenheit. Aber es ist auch ihr Talent, das durch die ehrenamtliche Arbeit zum Vorschein kommt, das Talent zu organisieren, nach Lösungen zu suchen, wenn es hakt, Menschen zusammenzubringen und bei der Stange zu halten. Über 20 Jahre lang hat sie beruflich Arbeitsabläufe untersucht und neu strukturiert. "Organisation geht mir leicht von der Hand", sagt sie, "das liegt mir einfach und fordert meinen Kopf." Zu Hause springt nicht selten ihr Mann ein, wenn seine Frau wieder mal sehr intensiv mit ihrem Ehrenamt beschäftigt ist oder Vertretung übernimmt. Immerhin sind die Selbstlernzentren fast täglich geöffnet. Er übernimmt dann zusätzliche Aufgaben im Haushalt und kümmert sich um den Hund. "Sonst könnte ich das gar nicht so leisten", sagt sie. Er freut sich indes, seine Frau so zufrieden zu sehen und ist auch ein bisschen stolz auf ihren Erfolg. "Ich mach das gerne", sagt er.

Ihr Hobby "Fotografieren von Menschen" kommt inzwischen ein bisschen zu kurz. Aber die Arbeit mit den Flüchtlingen macht vieles wett: "Es ist so schön, wenn die Menschen uns zufrieden verlassen und sagen, dass die Deutschen so viel für sie tun", sagt sie. "Da geht mir einfach das Herz auf."

(RP)