Monheim: Die Antike hautnah erlebt

Monheim : Die Antike hautnah erlebt

Trotz kräftiger Regenschauer kamen viele Menschen auf das Gelände des ehemaligen Römerkastells Haus Bürgel. Überdachte Planwagenfahrten und Einblicke ins Auenleben rundeten dort den Tag des offenen Denkmals ab.

Mit interessiertem Blick nimmt Jan Müller einen großen Schutzschild in die Hand. Er ist aus Holz und Eisen gefertigt, rechteckig und mit gelb-roten Schlangenmotiven verziert. In der anderen Hand hält der Grundschüler einen Speer, der beinahe doppelt so groß ist wie er selbst.

Nun hat der Siebenjährige eine vage Vorstellung davon, mit welcher Bewaffnung römische Legionäre vor rund 2000 Jahren in ihre Schlachten zogen. Das kleine Lager der Gruppe "Classis Augusta Germanica" war eine der Attraktionen beim Tag des offenen Denkmals auf Haus Bürgel. Hier konnten junge und alte Besucher interessante Details aus dem Alltagsleben in der Antike erfahren — und bisweilen auch erleben.

Trotz kräftiger Regenschauer nehmen viele Menschen die verschiedenen Angebote auf dem Gelände des ehemaligen Kastells wahr. "Ich habe mich schon lange auf den Tag gefreut", sagt Jan Müller, nachdem er einen originalgetreuen Gladiatorenhelm bestaunt hat. "Die Zeit der alten Römer interessiert mich sehr."

Er und sein gleichaltriger Freund Vincent Röhe finden es offenkundig spannend, wie die Menschen damals gelebt, gegessen und gekämpft haben. Denn sie ziehen in Begleitung ihrer Eltern von Zelt zu Zelt, um mehr darüber zu erfahren. Medizin, Kochkunst und Geselligkeit in einem für die damalige Zeit typischen Lager stehen dabei im Mittelpunkt.

Im Zeltdorf ist es nass

Freilich: Der andauernde Regen hat die Wiese hinter Haus Bürgel aufgeweicht. Es ist matschig, ungemütlich und nass in dem kleinen Zeltdorf. Dennoch sind die Akteure guter Dinge und erklären den wissbegierigen Kindern den Legionärs-Alltag. Erst am Nachmittag hört der Regen auf.

"Leider ist heute das Wetter zum entscheidenden Faktor geworden", meint Manfred Klein, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe/Haus Bürgel. "Insgesamt läuft alles in einem deutlich geringerem Maß ab, als wir erwartet und vorbereitet haben." Die Witterung hat auch Auswirkungen auf das Programm: Führungen durch den Kräutergarten der Biologischen Station und den archäologischen Außenpfad entfallen.

Die von der ebenfalls auf dem Gelände beheimateten Kaltblutzucht Reuter angebotenen Fahrten mit einem Planwagen durch die Auenlandschaft erfreuen sich angesichts überdachter Plätze hingegen höchster Beliebtheit. Das gilt auch für die Vorträge und Führungen im Inneren des Museums. Hier können die Funde diverser Ausgrabungen rund um das im 4. Jahrhundert nach Christus erbaute Kastell betrachtet werden. Im Obergeschoss stellt die Biologische Station ihre Arbeit und aus ökologischer Sicht schützenswerte Areale im Stadtgebiet vor.

Eines davon ist der Monbag-See. "Dort ist ein wichtiger Lebensraum für Kormorane", erklärt Holger Pieren. "Insgesamt ist das Rheintal ein wichtiger Ort für Zugvögel aus Skandinavien und Russland. Einige Arten überwintern hier. Andere nutzen die Region als eine Art Raststätte, um sich für den Flug gen Süden zu stärken."

Neben der Pflege der Auenlandschaft wird auch das Projekt "Auenblicke" vorgestellt, mit dem das Bürgel-Gelände mit neu angelegten Teichen, Infotafeln und einer attraktiven Route für Radfahrer aufgewertet werden soll. Die entsprechenden EU-Fördergelder stehen bereit. "Wir sind derzeit mit der Ausarbeitung des Konzepts beschäftigt", sagt Elke Löpke, Leiterin der Biologischen Station. "Ich hoffe, dass wir Anfang 2012 durchstarten können."

(dora)