Der SKF Langenfeld führt Abgelegtes einer neuen Nutzung zu.

Langenfeld : Aus alt mach neu: In der Werkstatt von Pro Donna

Der Sozialdienst katholischer Frauen Langenfeld hilft ganz praktisch bei der Müllvermeidung und schafft dabei auch noch Arbeitsplätze.

Wow, was ist das denn für ein Laden? – Die Schaufensterdekoration an der Solinger Straße 63 würde jeder Edelboutique gut stehen. Wenige schicke Kleidungsstücke, effektvoll dekoriert. „Pro Donna“ ist kein gewöhnlicher Secondhand-Laden, obwohl es draußen an einem Ständer Kleidungsstücke für einen Euro gibt. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Langenfeld hat ein wirkliches Schmuckstück geschaffen, wo es auf 200 Quadratmetern gut sortierte, gebügelte Kleidung und jede Menge Hausrat, Bücher und Spiele gibt. Hier kaufen alle Schichten und das ist so gewollt: „Wir freuen uns, wenn Reiche hier T-Shirts für einen Euro kaufen. Die bringen nämlich im Gegenzug hochwertige, zum Teil ungetragene Designerstücke und neuwertige teure Schuhe als Spenden vorbei“, sagt Dorothea Domasik, Bereichsleiterin Beschäftigungsförderung und Chefin im Haus. Das Spendenaufkommen ist gewaltig: 1000 Tonnen Kleidung und Hausrat pro Jahr. „Wir nehmen alles außer Möbel und Müll“, sagt Domasik.

Das Schaufenster Von La Donna in Langenfeld. Foto: Ilka Platzek

Was die 250 bis 300 Kunden, die täglich kommen, nicht sehen, sind die Schneiderwerkstatt, das Bügelzimmer, der Vorsortierraum und all die anderen Räume, in denen ein ganzes Team von Mitarbeitern aus abgelegten Sachen neue Lieblingsstücke nicht nur für Bedürftige macht. Dorothea Domasik hat dem Müll den Kampf angesagt. „Unser Team – etwa 20 Festangestellte, rund 30 Arbeitsgelegenheiten, die maximal 15 Stunden pro Woche arbeiten sowie Ehrenamtliche – setzt alles daran, so wenig Spenden wegzuwerfen  wie möglich.

Zugegeben, aus minderwertiger Billigware können auch die fleißigen Mitarbeiter nichts mehr machen, aber: „Aus Bett- und Tischwäsche werden Stoffeinkaufstaschen für einen bis drei Euro genäht, aus alten Mesh-Planen große Shopper oder Rucksäcke und aus Gardinen Obst-, Brot- und Gemüsesäckchen.“ Domasik hasst Plastiktüten, seitdem sie gesehen hat, dass diese unter anderem Meeresbewohner umbringen.

Valentina Fezer begutachtet die vielen Spenden. Foto: Ilka Platzek

Upcycling heißt das Zauberwort. In der Schneiderwerkstatt lernen Langzeitarbeitslose nicht nur, wie man Reparaturen und Änderungen für Kunden vornimmt. Hier werden auch tolle neue Sachen kreiert: Aus gespendeten Lederresten von Ara und alten Kaschmir- oder sonstigen ehemals guten Wintermänteln werden heiß begehrte, aufwendig gearbeitete Handtaschen – noch dazu jede ein Einzelstück.

Bärbel Klein näht gerade einen großen Shopper. „Ich konnte in meinem Beruf als Gärtnerin nicht mehr arbeiten und bekam hier eine Arbeitsgelegenheit. Darüber habe ich mich total gefreut, denn ich habe schon immer gerne genäht.“

Im Lager stapelt sich die Ware, die für den Verkauf bestimmt ist. Foto: Ilka Platzek

Kirsten Schmid, die Leiterin der Schneiderwerkstatt, war gleich von der Geschicklichkeit der neuen Mitarbeiterin begeistert. Inzwischen ist Klein unbefristet fest angestellt. Schmidt wiederum zieht die Arbeit bei Pro Donna der in anderen Schneiderwerkstätten vor, denn „hier ist jeder Tag anders. Neulich haben wir für eine 90-Jährige einen Frisierumhang rekonstruiert, den sie von ihrem Mann zur Hochzeit bekommen hat.“

Im Keller des Hauses wird an diesem Nachmittag für die Modenschau geprobt, die für Ende September geplant ist. Überflüssig zu sagen, dass das, was die Models tragen, absolut attraktiv und nicht nur für Leute mit kleinem Einkommen interessant ist.

So schick sehen die Taschen aus der Nähwerkstatt aus. Foto: Ilka Platzek

Zurück in Laden zeigt Domasik die letzten noch vorhandenen Schultüten: „Das sind Unikate, die eine Dame selbst bastelt und uns für den Verkauf zur Verfügung stellt. Sie kosten 5 bis 8 Euro. Kundin Gladys hat eine ergattert und trägt sie zur Kasse. Eine andere Frau nimmt zwei Sommerkleider mit in die Umkleidekabine: „Ich fahre demnächst in den Urlaub und kaufe aus ökologischen Gründen lieber hier neuwertige gute Sachen aus zweiter Hand als schlechte neue Billigware“, sagt sie.

Kundin Gladys hat eine der letzten Schultüten gekauft. Foto: Ilka Platzek

Dorothea Domasik begrüßt währenddessen eine alte Bekannte, Anke Milz. Sie erzählt: „Pro Donna hat mir wieder zu Arbeit verholfen. Ich war übers Jobcenter hier, habe viele Fortbildungen mitgemacht und jetzt arbeite ich wieder – als Pflegerin auf einer Demenzstation.“ Kein Einzelfall.

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