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Analyse: Der Rhein soll tiefer gelegt werden

Analyse : Der Rhein soll tiefer gelegt werden

analyse Damit mehr Güter auf dem Fluss statt auf Straßen transportiert werden können, benötigen die Binnenschiffe tieferes Wasser. Der Plan ist, punktuell auszubaggern, etwa vor Dormagen. Die Biologische Station sieht das kritisch.

Wer in diesen Tagen über eine Rheinbrücke fährt, dem fällt sofort der niedrige Wasserstand auf. Was die meisten aber nicht wissen: Schon seit zwei bis drei Monaten leiden die Binnenschifffahrt und die damit verbundenen Unternehmen unter dem Niedrigwasser des Rheins. Keine Seltenheit. So sorgte der regenarme Herbst 2015 für ein Rekord-Niedrigwasser. Für Firmen wie RheinCargo, dem Betreiber der Häfen in Neuss und Düsseldorf, ist das immer eine schwierige Zeit. Weil die Schiffe mit geringerer Fracht fahren können, wird der Transport teurer. "Die Binnenschifffahrt ist dann weniger wettbewerbsfähig, und es werden mehr Container mit Lkw transportiert", sagt Jan Eckel, Geschäftsführer bei RheinCargo, Betreiber der Häfen in Neuss und Düsseldorf.

Weil die Straßen von den Gütertransporten entlastet werden sollen, hat die Bundesregierung einen Tag vor Weihnachten den Ausbau der Wasserstraßen in einem Gesetz beschlossen. Für die RheinCargo und andere Unternehmen, die von der Binnenschifffahrt leben, ist das eine gute Nachricht. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Duisburg-Rhein ist nun damit beauftragt, zu ermitteln, wie der Rhein zwischen Duisburg und Stürzelberg (ein Ortsteil von Dormagen) für den Gütertransport verbessert werden kann. Dabei geht es um eine Vertiefung der Fahrrinne zwischen Duisburg und Neuss von 2,50 auf 2,80 Meter und zwischen Neuss und Stürzelberg von 2,50 auf 2,70 Meter. Laut WSA Duisburg-Rhein seien die Maßnahmen "nur in lokalen Teilbereichen" erforderlich. Was das genau für Düsseldorf heißt, ist noch unklar.

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Als im vorigen Jahr die Linken-Fraktion im Umweltausschuss nach den Auswirkungen für die Landeshauptstadt fragte, erklärte Umweltdezernentin Helga Stulgies, welche allgemeinen Auswirkungen die Vertiefung der Fahrrinne auf Pflanzen und Tiere haben könne. Beispielsweise könnte ein Verlanden der Auen beschleunigt werden, was die dort lebenden Pflanzen und Tiere gefährde. "Eine belastbare Einschätzung, welche Auswirkungen das Vorhaben konkret haben würde, kann erst anhand eines Gutachtens erfolgen", stellte Stulgies aber auch klar. Bei einem späteren Planfeststellungsverfahren würde auch die Umweltverträglichkeit geprüft, die Stadt könne dann Einwände und Anregungen vortragen.

"Eine Absenkung um 30 Zentimeter hört sich wenig an, ist aber schon ein Wort", findet Elke Löpke, Leiterin der Biologischen Station in den Urdenbacher Kämpen. In der dortigen Auenlandschaft, die nicht eingedeicht und deshalb ab und zu überflutet wird, gedeihen selten gewordene Lebensräume wie der Auwald, aber auch Feuchtwiesen. "Biologen reisen von weit her an, um dort sehr seltene Pflanzen wie die Wiesensilge zu sehen", berichtet Löpke. Durch eine tiefere Fahrrinne des Rheins könnte das Grundwasser in den Auen absinken und die besondere Landschaft dort verändern. "Es ist eine gesellschaftliche Frage, ob es uns das wert ist", kommentiert Löpke.

Beim WSV Duisburg-Rhein glaubt man nicht, dass die Veränderungen im Rhein die Auen gefährden: "Eine Beeinflussung der landseitigen Naturschutzgebiete wird voraussichtlich nicht stattfinden", heißt es auf Anfrage der Rheinischen Post. Anders als bei der Vertiefung der Elbe und der Weser, gegen die Umweltschützer klagen, würden im Rhein keine großflächigen Baggerungen veranlasst. "Ein konkreter Zeitrahmen für das Projekt kann zur Zeit noch nicht benannt werden", heißt es beim WSV.

(RP)