Der Langenfelder Dr. Norbert Hanel ist Provinzialrömischer Archäologe

Langenfeld : „Das können wir von den Römern lernen“

Der gebürtige Langenfelder Dr. Norbert Hanel (61) hat sich als Provinzialrömischer Archäologe in der Wissenschaft einen Namen gemacht.

Derzeit ist er am Institut für Archäologische  Wissenschaften an der Bochumer Ruhr-Universität tätig. Über sein interessantes Themengebiet und seinen Werdegang hat er im Interview mit unserer Redaktion viel zu erzählen.

1977 öffnete der Archäologische Park in Xanten seine Pforten. Im selben Jahr nahmen Sie Ihr Studium der Provinzialrömischen Archäologie auf – und promovierten später mit dem Thema „Vetera I. Die Funde aus den römischen Lagern auf dem Fürstenberg bei Xanten“. Gibt es da einen Zusammenhang?

Hanel Indirekt ja. Als junger Student fuhr ich tatsächlich im Rahmen eines Grabungspraktikums nach Xanten und bin seitdem mit der Region vertraut. Auf die Archäologie gestoßen war ich allerdings schon viele Jahre zuvor. Bereits in meiner Schulzeit hatte ich mich sehr für Archäologie im Rheinland interessiert und sogar an Ausgrabungen im Hambacher Forst teilgenommen. Dort gab es im Zusammenhang mit den Abbagerungen Notgrabungen, um die archäologischen Funde zu retten.

Was brachte Sie auf die Archäologie?

Hanel Ich hatte auch eine Phase in der Kindheit, in der ich zunächst Feuerwehrmann oder Lokführer werden wollte. Der Geschichts- und Lateinunterricht am Konrad-Adenauer-Gymnasium in Langenfeld führten mich in Richtung Archäologie. Hinzu kommt, dass ich jemand bin, der zusätzlich zum Studium der literarischen Quellen der Antike auf der Suche nach Relikten der Vergangenheit gerne ins Feld geht.

In welchem Verhältnis stehen denn bei Ihnen Lehrtätigkeit und Forschung vor Ort?

Hanel Wir bekommen als Archäologen immer  kurzzeitige Verträge und sind dementsprechend oft nicht an einen fixen Arbeitsplatz gebunden. Daraus ergibt sich eine gewisse Vielfalt an Möglichkeiten im Inland wie im Ausland.

Seit 2018 befassen Sie sich mit dem Projekt „Der Iglesiente – eine Montanlandschaft im Zentrum der antiken Mittelmeerwelt“. Was hat es damit auf sich?

Hanel Darauf kam ich durch ein Projekt zu römischen Bleibarren – ebenfalls gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Anhand von Kartuscheninschriften und durch die Isotopenzusammensetzung lassen sich deren Herkunftsgebiete ermitteln. Nun ist Sardinien, wo das Gebiet Iglesiente liegt, eine überaus interessante Montanregion, in der schon in der vorrömischen Zeit unter den Puniern Bergbau betrieben wurde. In der zum Teil schwer zugänglichen Landschaft fand die Suche nach Erzen wie Blei, aber auch Silber und Galmei statt. Mit verschiedenen Methoden, darunter auch der Luftbildarchäologie sowie des luftunterstützten Laserscannings, untersuchen wir dort die Entwicklung des Bergbaus.

Gibt es etwas, was wir in diesem konkreten Fall von den Römern lernen können?

Hanel Wir sehen ja derzeit, dass der Bergbau bei uns komplett darniederliegt. Und die Bergleute werden ihr Wissen irgendwann auch nicht mehr weitergeben können. Da schlägt dann die Stunde der Archäologie. Ausstellungen wie im Deutschen Bergbau-Museum Bochum halten diese Erfahrungen für die Nachwelt präsent. Es deutet zwar aktuell nichts auf eine Renaissance hin. Zugleich hat sich aber gezeigt, dass es in der Geschichte Wellenlinien gibt mit wiederkehrenden Phasen, in denen der Bergbau profitabel war. So könnten zukünftige Generationen eines Tages auf das Wissen, das die Archäologie bewahrt, zurückgreifen.

Publikationen über die Römer gibt es gefühlt unendlich viele. Welche neuen Erkenntnisse lassen sich überhaupt noch gewinnen?

Hanel Wir verfolgen das Prinzip der kleinen Schritte. Die Zahl der antiken Schriftquellen ist begrenzt. Durch tägliche Neufunde archäologischer Untersuchungen und durch intensive Forschungen ergeben sich aber wieder neue Erkenntnisse. Es ist ein unendliches Spiel, in dem man auch in 100 Jahren wieder weiter sein wird. Vergessen sollte man zudem nicht, dass Forschung nie frei von gesellschaftlichen und politischen Einflüssen ist.

Apropos Politik. Wie schwierig ist es, Fördergelder für Forschungsprojekte zu ergattern?

Hanel Es ist immer ein Vabanquespiel, weil man viel Zeit und Energie in die Vorbereitung eines Projekts steckt. Aber es werden sehr viele Anträge gestellt, und da muss man damit rechnen, dass nicht alles bewilligt wird.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Hanel Ich möchte beim Bergbauthema weiterforschen. In einem Museum in Cagliari bin ich auf Bronzeeimer gestoßen, die in einem Schacht gefunden worden waren. Mit Hilfe eines solchen Eimerhebewerks konnten die Römer Wasser aus engen Schächten herausfördern. Vielleicht gelingt es mir, ein 3D-Modell zu erstellen, mit dem man die Funktionsweise dieses Systems nachvollziehen kann.

Und wie steht es mit Aktivitäten in Ihrer Heimatstadt Langenfeld? Schließlich haben wir ja auch ein germanisches Gräberfeld...

Hanel Dort bin ich als Schüler oft mit dem Fahrrad hingefahren. Die wichtigsten archäologischen Fundstellen in Langenfeld sind schon lange bekannt, trotzdem kann man nie wissen, ob sich nicht zum Beispiel bei der nächsten Ausschachtung für ein Bauvorhaben etwas Neues findet. Aktiv bin ich in Langenfeld übrigens seit fast 45 Jahren im Löschzug I der Freiwilligen Feuerwehr. Insofern ist doch etwas von meinen Berufsvorstellungen aus Kindertagen hängengeblieben.

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