Pfarrer Gerhard Trimborn: "Der Herrgott versteht auch Platt"

Pfarrer Gerhard Trimborn: "Der Herrgott versteht auch Platt"

Am Sunndach is et widder so wigg: Mundartmess in St. Mätes. Beginn des Gottesdienstes in Richrath ist um 18 Uhr.

Der wievielte Gottesdienst "op platt" ist das, den Sie am Sonntag in St. Martin halten werden?

Trimborn Es wird die 13. Mundartmesse sein, die ich hier feiere. Man kennt die Veranstaltung also in der Umgebung. Und es kommen viele Interessierte auch von außerhalb der Gemeinde zu diesem Gottesdienst.

Welches wird Ihr Predigtthema sein?

Trimborn Als Aufhänger habe ich mir den alten Werbeslogan "Nicht nur sauber, sondern rein" vorgenommen. Ich weiß nicht, ob Sie diese Werbung mit Clementine noch kennen? Sinngemäß soll es in der Predigt darum gehen: Reinheit, wie Jesus sie meint, hat etwas mit dem Herzen, dem Inneren des Menschen zu tun und nicht so sehr mit Äußerlichkeiten.

Sprache ist ja irgendwie beides: Innerliches wie Äußerliches. Wo haben Sie selbst Platt gelernt ?

Trimborn Zu Hause in Zülpich, wo ich aufgewachsen bin. Dort wird Hochdeutsch und Mundart gleichermaßen gesprochen.

Sprechen Sie auch in Langenfeld Platt, von der Mundartmesse abgesehen?

Trimborn Ja, mit mehreren älteren Leuten aus unserer Gemeinde spreche ich Mundart, wenn ich sie besuche. Das macht ihnen Freude, hat etwas mit Tradition zu tun. Da wird es einem warm ums Herz!

Hören Sie auch Platt "aus der Konserve" oder live?

Trimborn Persönlich liebe ich total die köllschen Musikgruppen wie die Höhner, Brings, Bläck Fööss oder die Paveier. Die können mit ihrer Sprache so wunderschön das normale Alltagsleben der Leute beschreiben. Herrlich!! Vor einigen Wochen war ich noch bei den Höhnern im Konzert.

Kennen Sie Dr. Ludolf Wienbarg?

Trimborn Nein, wer ist das?

Ein Schriftsteller des Vormärz. Der hat 1834 dafür plädiert, das Plattdeutsche auszurotten: "O", schimpfte er in seinem Traktat: "Sie (die plattdeutsche Sprache) ist schrecklich treu, schrecklich dumm und gemüthlich; aber lasst euch sagen, sie hat wenig Religion, nur sehr wenig, und sie kennt, wenn sie wild wird, den Teufel besser als den lieben Gott." Wie finden Sie das?

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Trimborn Spricht mich nicht an. Unser christlicher Glaube hat nichts mit Platt oder Hochdeutsch zu tun, sondern vor allem mit dem Herzen. Der Herrgott wird uns am Ende nicht fragen: Hast Du Platt gesprochen oder nicht? Er wird fragen: Wie hast du deinen Glauben ganz konkret gelebt, mit Leben gefüllt? Und das kann man mit und ohne Mundart.

Dr. Wienbarg fuhr fort: Über das mit dem Teufel und dem Plattdeutschen brauche man sich nicht zu wundern, "denn als sie (die Religion) katholisch war, da war das Christenthum, die Messe nämlich, lateinisch, und als sie lutherisch wurde, wurde das Christenthum, Predigt und Katechismus hochdeutsch ..." Wo sind denn Ihrer Auffassung nach die Grenzen von Mundart in der Religion?

Trimborn In der Mundartmesse beim Hochgebet. Das wird nicht in Platt sein. Das wird in Hochdeutsch gesprochen. Ansonsten ist die Sprache der Texte und Lieder am kommenden Sonntagabend "Mundart". Es geht aber bei der Messe an jeder Stelle würdig und mit Respekt zu. Da wird nichts ins Lustige gezogen oder veräppelt. Das würde ich auch nicht mitmachen. Dafür ist mir die heilige Messe einfach zu kostbar! Die Gottesdienstbesucher sehen das genauso.

Der linkskatholische sauerländische Mundartforscher Peter Bürger (geb. 1961) macht Platt dafür verantwortlich, dass der Alltagsglaube "bis zum Tage" Missverständnissen aufsitzt, etwa dem, dass Gott und Jesus ein und derselbe sind. Grund: "Mundarten widersetzen sich solch artifizieller Theologie immer noch." Ist das Plattdeutsche für theologische Differenzierungen zu erdverhaftet?

Trimborn Mag sein, aber hier geht es ja um ein besonderes Gottesdienst-Angebot der Kirche. Ich sehe in der Mundartmesse eine Möglichkeit, anderen Menschen Glaube und Kirche wieder ein wenig näher zu bringen, ihnen Freude, Lust darauf, daran zu machen. Dafür haben wir einen besonderen Gottesdienst-Termin gewählt, da man eine solche Messe nicht einfach als "normale" Sonntagsmesse feiern kann. Daran muss man schon Freude haben

Was sagt denn der Kardinal, bekanntlich kein Rheinländer, zu Mundartmessen?

Trimborn Der Herr Kardinal ist in Köln selber bei Mundartgottesdiensten im Dom zugegen.

Wird in der Mundartmesse auch auf platt gesungen?

Trimborn Der Kirchenchor hat extra köllsche Gottesdienstlieder eingeprobt. Alle Texte der Messe sind auf einem besonderen Lied- und Textblatt aufgeführt. Das ist nach jeder Mundartmesse vergriffen, da sich die Leute die Zettel als Erinnerung, Souvenir mit nach Hause nehmen.

Für junge Ohren klingt Platt mitunter komisch. Wie schaffen es Ihre Messdiener, in Ihrer Mundartmesse die ganze Zeit über richtig ernst zu bleiben?

Trimborn Die jungen Messdiener müssen schon vorher ein wenig instruiert, vorbereitet werden. Es sind aber immer auch Messdiener dabei, die Mundart schon kennen und auch mögen.

DIE FRAGEN STELLTE THOMAS GUTMANN.

(RP)
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