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Langenfeld: Der Freiherr – "vielleicht ein Steinmetz?"

Langenfeld : Der Freiherr – "vielleicht ein Steinmetz?"

Das Freiherr-vom-Stein-Haus wird künftig nur noch so und nicht mehr auch "Kulturelles Forum" heißen. Das hat der städtische Kulturausschuss beschlossen. Wer jener Freiherr war, wissen allerdings nur wenige Langenfelder.

Das Freiherr-vom-Stein-Haus wird künftig nur noch so und nicht mehr auch "Kulturelles Forum" heißen. Das hat der städtische Kulturausschuss beschlossen. Wer jener Freiherr war, wissen allerdings nur wenige Langenfelder.

 Romana Salzmann: "Einer irgendwo aus dem Mittelalter".
Romana Salzmann: "Einer irgendwo aus dem Mittelalter". Foto: rm-

Für viele Langenfelder gehört das an der Hauptstraße gelegene Freiherr-vom-Stein-Haus zum Markenkern der Stadt. Seit 1958 ist das Bauwerk an der Hauptstraße nach dem 1757 in Nassau geborenen und 1831 verstorbenen Adeligen benannt. Sein voller Name war Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein — so weit, so gut. Was genau allerdings die herausragende Lebensleistung des gebürtigen Pfälzers gewesen sein könnte, weiß kaum jemand. Warum sollte also ein Gebäude nach ihm benannt werden? Die RP hörte sich vor dem Haus, in dem regelmäßig Ausstellungen laufen und unter anderem Stadtmuseum sowie Stadtarchiv untergebracht sind, um.

 "Ein Bildhauer könnte er gewesen sein", vermutet Annely Eisenblätter.
"Ein Bildhauer könnte er gewesen sein", vermutet Annely Eisenblätter. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

"Ich weiß nicht, wer das gewesen sein soll", meint Jenny Renselmann mit Blick auf den Freiherren. "Das müsste ich erst im Internet nachschauen, aber irgendwas Großes wird er schon geleistet haben. Ansonsten würde man ja nicht ein ganzes Haus nach ihm benennen." Die 25-Jährige würde am liebsten ihr Smartphone nutzen, um mehr über den unbekannten Namensgeber zu erfahren — doch der Akku spielt nicht mit. "Wenn ich zuhause bin, werde ich mich schlau machen", meint die Langenfelderin.

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Romana Salzmann verortet den Freiherren "irgendwo im Mittelalter" und kann sonst nicht viel Erhellendes zur Identitätsklärung beitragen. "Ich war noch nie in dem Haus, aber es ist offensichtlich, dass er ein Adeliger war." Darüber hinaus könne sie nichts mit dem Namen anfangen. "Vielleicht hat er irgendwann für die Stadt gearbeitet", meint die 16-Jährige, die das Otto-Hahn-Gymnasium in Monheim besucht. Den prominenten Namensgeber ihrer Schule kennt sie wesentlich besser: "Er hat für die Kernspaltung von Uran den Nobelpreis erhalten und viele Isotope entdeckt", weiß die Gymnasiastin.

Annely Eisenblätter hat ebenfalls eine Theorie, wie das Bauwerk an der Hauptstraße zu seinem Namen kam. Bildhauer, Steinmetz und Architekt könnte der Freiherr demnach gewesen sein — oder einbekannter Schriftsteller. "Das ist sehr schwer zu sagen", meint die 65-Jährige, "aber er wird schon irgendwas mit Kultur am Hut gehabt haben." Darauf deute auch die heutige Verwendung des Hauses hin. Dass der Beiname "Kulturelles Forum" von nun an wegfallen soll, macht ihr nichts aus. "Ich finde den alten und jetzt wieder neuen Namen besser", sagt die Langenfelderin. Kulturelles Forum klinge für sie "wie etwas, dass überall sein könnte".

Das gilt allerdings auch für den Freiherren, dessen Name in vielen deutschen Städten verewigt ist. In Leverkusen gibt es das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und in Hagen steht der Freiherr-vom-Stein-Turm auf dem Kaisberg. Außerdem ist der in Langenfeld weitgehend unbekannte Adelige Ehrenbürger der Städte Bremen und Frankfurt am Main. 1957 und 2007 wurden ihm gar Briefmarken gewidmet — eine Ehre, die nur ganz wichtigen Persönlichkeiten gebührt.

Steinmetz, Architekt, Schriftsteller und Gutsherr sind nur einige der Assoziationen, die der Name des Freiherrn bei den Befragten weckt. "Vielleicht hatte er große Ländereien in der Nähe", schätzt ein 15-jähriger Richrather. "Der hat bestimmt etwas Wichtiges für Langenfeld geleistet", vermutet Petra Plutzar, deren Sitznachbarin im Café Sticherling spontan ihren Ehemann anruft, um Licht ins Dunkel zu bringen. Doch auch der Gatte kann nicht helfen. "Dann ist das wohl ein Fall für Google", meint die 53-Jährige und beendet das Telefonat lachend.

Im Freiherr-vom-Stein-Haus gibt es übrigens keinerlei Hinweise auf den Namensgeber. Büsten, Gedenktafeln oder Statuen sucht man vergebens. Hinweise gibt es höchstens im Stadtarchiv vor Ort. Dr. Hella-Sabrina Lange, Leiterin des bisherigen "Kulturellen Forums", findet die Rückbesinnung gut — vor allem wegen der "häufigen Verwechslungen mit dem Kulturzentrum".

(dora)