1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Der BRW macht in seinen 22 Kläranlagen aus Schmutzbrühe klares Wasser

Was passiert mit dem Abwasser? : Schmutzige Brühe wird zu klarem Wasser

Der Bergisch-Rheinische Wasserverband betreibt 22 Klärwerke in der Region. Der Weg von der Kloschüssel bis zum Fluss ist genau vorgezeichnet.

Die Abkürzung BRW kann einen ganz schön in die Irre führen: Steht sie doch unter anderem für Bodenrichtwert, ein Hilfsmittel zur Wertermittlung von Immobilien: Vom Flughafen Barrow bis zur Beetzsee-Riewendsee-Wasserstraße reichen die Erklärungen hinter der Abkürzung mit den drei Buchstaben.

Was die Menschen im Kreisgebiet mit BRW verbinden, hat allerdings eher mit  „vier Buchstaben“ zu tun. Geht es doch um die Reinigung der Abwässer von der Kloschüssel bis zur Wiedereinleitung in den Fluss. Kurz: Es geht um den Bergisch-Rheinischen Wasserverband. Er gehört zu den zehn großen Wasserverbänden in Nordrhein-Westfalen. In seinem 550 Quadratkilometer großen Verbandsgebiet gibt es mehr als 950 Kilometer Gewässer,  und mit rund 1200 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört es mit zu den am dichtesten besiedelten Gebieten in NRW.

Das Klärwerk Monheim  säubert auch Langenfelds Abwasser. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)

Pro Jahr fallen in Nordrhein-Westfalen mehr als 1,3 Milliarden Kubikmeter Schmutzwasser an. Klospülung, Waschmaschine, Geschirrspüler, da kommt einiges zusammen. Ab durch die Spülung heißt es meist für die Verbraucher. Doch damit fängt der Job für die 22 Kläranlagen im Gebiet des BRW erst an. Sie reichen von einer Kleinanlage für 300 Bewohner im Düsseldorfer Stadtteil Hubbelrath bis zu einem Großklärbecken für 130.000 Bewohner in Monheim.

In einer ersten Stufe holt ein Rechen grobe Stoffe aus dem Abwasser. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)

Das Wasser – beispielsweise nach dem Zähneputzen – läuft zunächst durch die hauseigenen Abwasserrohre und gelangt dann die städtische Kanalisation, die es zur Kläranlage transportiert.

Hans Bernd Schumacher ist seit 1978 beim Bergisch-Rheinischen Wasserverband tätig. Seit 1. Februar 2005  ist der Bauingenieur Geschäftsführer des BRW. Das Foto entstand im Klärwerk Hilden. Foto: Fries, Stefan (frs)

„Hier kommen wir ins Spiel“, sagt Hans Bernd Schumacher. Er ist seit  1. Februar 2005  Geschäftsführer des BRW. Das Schmutzwasser aus Langenfeld und Monheim wird im Klärwerk auf dem BRW-Gelände an der Niederstraße in Monheim gereinigt; ebenso das Regenwasser aus der Gänselieselstadt (in Langenfeld wird das getrennt gesammelte Regenwasser in Bäche geleitet). Die Abläufe im Klärwerk erklären Schumacher und BRW-Fachbereichsleiter Markus Koch so: „Zunächst schöpfen wir die größeren Teile, die sich im verschmutzten Wasser befinden, mit einer Technik ab, die wie ein Rechen funktioniert“, sagt Schumacher. In der ebenfalls mechanischen Stufe zwei komme dann der Sandfang zum Einsatz: In den Körnern bleiben kleinere Teilchen hängen, die dann ebenfalls abtransportiert werden. Laut Koch werden dort immer wieder Kondome, Binden und Wattestäbchen aus der Brühe geholt, die jemand ins Klo geworfen und runtergespült hatte, obwohl sie in den Müll gehören.

Stufe drei ist zunächst mechanisch, dann – mit zugesetzten Bakterien – biologisch. In einem Vorklärbecken setzt sich Schlamm am Boden ab und werden weiter schwimmende Wattestäbchen entfernt. Dann wird  das Wasser weiter ins so genannte Belebungsbecken gepumpt. Mit Sauerstoff aus Druckluftrohren versorgte  Bakterien bauen die organischen Inhaltsstoffe (Essensreste, Schmutzstoffe aus der Wäsche, Ausscheidungen aus dem Körper) ab. Die Bakterien ernähren und vermehren sich von den Inhaltsstoffen des Abwassers.

Sind Nitrate und Phosphate verschwunden, wird im Nachklärbecken die Biomasse (Belebtschlamm etc.) gesammelt. Der vorentwässerte Schlamm kommt auf dem BRW-Gelände an der Niederstraße in Silos mit Faulturm. Das bei 35 Grad im Turm gesammelte Faulgas wird in einen Gasbehälter geleitet. Ein Blockheizkraftwerk im Turm erzeugt daraus Strom und Wärme für den Betrieb. Der durch Hochleistungszentrifugen (3000 Umdrehungen pro Minute) entwässerte und nach dem Faulprozess in Silos und Turm fast geruchlose Schlamm wird nach nochmaliger Entwässerung in Zentrifugen auf Lkw verladen und zur Müllverbrennungsanlage gebracht.

Zusätzlich zum Abwasser aus der Monheimer und Langenfelder Kanalisation wird auch Schlamm vom Klärwerk Hilden über eine Druckleitung zur weiteren Bearbeitung ins Monheimer Klärwerk befördert. Bei der Entwässerung in Zentrifugalanlagen anfallendes Zentratwasser enthält laut Koch sehr viel Stickstoff. Dieses wird in einer separaten Bioreaktor-Anlage durch spezielle Bakterien abgebaut.

Zum Schluss wird im Monheimer Klärwerk aus dem Wasser biologisch (Bakterien) und auf physikalisch-chemische Weise Stickstoff und Phosphor (in einer speziellen Filteranlage) geholt. Glasklar wird es dann an der Baumberger Deichstraße in den Rhein geleitet.

Ein faszinierender Kreislauf. „Aber Wasser ist eh faszinierend“, betont BRW-Chef Schumacher: „Schauen Sie sich doch mal die Kinder an. Die sehen Wasser – und rennen sofort darauf zu, egal ob Pfütze oder Teich.“ Wenn das kein Beweis ist …