Langenfeld/Monheim: Depressionen im Alter vermeiden

Langenfeld/Monheim : Depressionen im Alter vermeiden

Chefarzt Hartmut Belitz gibt Tipps, wie Depressionen vermieden oder gelindert werden können.

Immer wieder hört oder liest man, dass ältere(n) Menschen ihre Lebensumstände als belastend empfinden und als depressiv gelten. Müssen wir uns ernsthaft sorgen, im Alter die Freude am Leben zu verlieren? "Es gibt keine Daten, wonach ältere Menschen eher zu Depressionen neigen als jüngere", widerspricht Hartmut Belitz, Chefarzt der Abteilung Gerontopsychiatrie an der LVR-Klinik in Langenfeld, der Vermutung, dass es eine generelle Alters-Depression geben könnte.

Bei Älteren gibt es allerdings besondere Anzeichen für die Krankheit: Niedergeschlagenheit, nachlassendes Interesse, Antriebsschwäche oder eine pessimistische(re) Sichtweise auf die aktuellen Geschehnisse. Schwierig wird es, wenn die Patienten zunächst über Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme klagen oder sonstige unklare körperliche Beschwerden wie Schwindel oder Kopfschmerz auftreten, die durchaus als Begleiterscheinungen des unvermeidlichen Alterungsprozesses gedeutet werden können.

"Auch ein Arzt kann sich dann zunächst täuschen", räumt Belitz ein. In der Untersuchung muss auch geklärt werden, ob und welche Medikamente der Betroffene aufgrund anderer körperlicher Erkrankungen erhält. Es gibt Arzneien, die als Nebenwirkungen Depressionen auslösen oder verstärken können. Depression und die im Alter so häufige Demenz zeigen sich bei der Diagnose in einem Punkt besonders unterschiedlich; der Demenzkranke neigt dazu, seine Beschwerden zu bagatellisieren, der Depressive klagt eher ausgeprägt über seine Einschränkungen. Auf jeden Fall sind Depressionen Älterer ernst zu nehmen; denn im Alter steigt das Suizid-Risiko deutlich: 40 Prozent der Selbsttötungen betreffen über 60-Jährige.

Auch Formen depressiven Wahns sind zu beobachten: Nutzlosigkeit, Verarmungsängste oder Schuldvorwürfe aus alten Konflikten werden als Bedrohung wahrgenommen. "Sie nehmen den Rhein immer als fließenden Strom wahr, plötzlich sinkt der Wasserspiegel, und sie sehen die Steine am Grund des Flusses", zeichnet Hartmut Belitz ein treffendes Bild für eine solch rückwärtsgerichtete Betrachtung des eigenen Lebens. "Alte Konflikte, Schuldvorwürfe tauchen oft nach Jahrzehnten wieder auf." Männer und Frauen können der Depression im Alter vorbeugen. "Es beginnt damit, dass wir das Älterwerden und die unvermeidlichen Änderungen akzeptieren", nennt Belitz eine wesentliche Grundlage. Es gilt frühzeitig der Vereinsamung entgegenzuwirken, die nach dem Verlust der Arbeit und durch den Tod der Partner, Verwandten und Freunde droht. Hobbys sollten gefunden und mit Gleichgesinnten gepflegt werden, ob Wandern, Chorgesang, Kochen oder Kultur. Auch ehrenamtliche Arbeit in Vereinen, Schulen, sozialen Diensten sind gute Alternativen. "Wer nicht vorsorgt, und mit 65 die Arbeit oder plötzlich durch Tod den Partner verliert, kann in ein Loch fallen, das in eine Depression mündet", ermuntert Belitz zu breitgefächerten, regelmäßigen sozialen Kontakten. "Wer sich auf die Wanderung am nächsten Dienstag oder die Skatrunde freut, ist besser dran, als derjenige, der gelangweilt zu Hause sitzt." Depressionen können erfolgreich behandelt werden, die Medikamente — gut eingestellt — sind in der Lage, die Beschwerden zu beheben. Wenn konkrete Ursachen bekannt sind, wie beispielsweise Depression als Folge eines Partnerverlustes oder des Ruhestandes, versprechen psychotherapeutische Behandlungen und soziale Unterstützung Erfolg.

(mmo)