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Reusrath: Denkmalschutz für das alte Pfarrhaus

Reusrath : Denkmalschutz für das alte Pfarrhaus

Das genau 100 Jahre alte ehemalige Pfarrhaus neben der katholischen Kirche St. Barbara soll in die Denkmalliste eingetragen werden.

Das genau 100 Jahre alte ehemalige Pfarrhaus neben der katholischen Kirche St. Barbara soll in die Denkmalliste eingetragen werden.

Seit der Pensionierung von Pfarrer Joseph Limbach im Mai 2009 war das Pfarrhaus neben der Kirche St. Barbara nicht mehr bewohnt gewesen. Dann bot die katholische Kirche die renovierungsbedürftige 14-Zimmer-Villa auf dem Immobilienmarkt an, weil laut Dechant Dr. Jürgen Rentrop die Kölner Erzdiözese die notwendigen Sanierungskosten nicht zu zahlen bereit war. Mit Erbbaurechtpacht des Grundstücks fand das von außen schmucke Gebäude einen Käufer. Ein Arzt wird nach aufwändiger Sanierung darin seine Praxis eröffnen.

1912 war das zweigeschossige Pastorat nach Plänen des Architekten Thoedor Roß (1864-1930) fertiggestellt worden. 100 Jahre später soll es nun unter Denkmalschutz gestellt werden. Der Beschluss hierüber steht für die Stadtpolitiker am Donnerstag nächster Woche im Planungsausschuss (18 Uhr, Ratssaal 187) an. Sofern sie zustimmen, wäre das ehemalige Pastorat nach Angaben des städtischen Denkmalpflegers Rudolf Morkis das 72. Bauwerk auf der Langenfelder Denkmalliste. "Ein Bürger hatte bei uns nachgefragt und wir haben den Antrag dann an das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland weitergeleitet."

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Die Behörde erkannte in ihrem Gutachten den Denkmalwert des weitgehend im Originalzustand erhaltenen Pfarrhauses an, dessen Erscheinungsbild nach Morkis' Worten sehr vielfältig ist. "Es lebt von verschiedenen hochwertigen Baumaterialien wie Schiefer und rotem Sandstein sowie einer verspielten Gestaltung." Dazu zählen unter anderem ein dominanter Eckerker, eine Kombination aus Sattel- und Mansarddach, ein verschiefertes Giebeldreieck sowie bleiverglaste Fenster.

Indes wollte das LVR-Amt in seinem Gutachten nicht nur das Pastorat unter Denkmalschutz stellen, sondern auch die unbebaute Fläche daneben. Doch dagegen legte die katholische Kirchengemeinde als Grundstückseigentümerin nach Angaben von Guido Boes Rechtsmittel ein. Wie der Vorsitzende des kirchengemeindlichen Liegenschaftsausschusses im RP-Gespräch sagte, sei der vor einem Jahr ins Auge gefasste Bau von fünf Reihenhäusern auf diesem Gelände zwar nicht mehr aktuell. "Aber es soll als Reservegrundstück etwa für mögliche gemeindliche Erweiterungszwecke in zehn oder 20 Jahren zur Verfügung stehen." Dies sei mit dem Kölner Erzbistum so vereinbart worden, das für inhaltliche Fragen auch in der katholischen Kirchengemeinde Langenfeld verantwortlich ist.

Nach dem Schreiben des Rechtsanwalts ruderte das LVR-Amt zurück. Laut Morkis soll sich der Denkmalschutz für das ehemalige Pastorat nun nicht mehr auf die Freifläche erstrecken. Allerdings habe die Behörde darauf hingewiesen, dass eine geplante Bebauung im Einzelfall jeweils geprüft werden müsse. "Die Kernfrage ist dabei, ob solch ein Neubau in der Nähe zu dem denkmalgeschützten Gebäude passt oder nicht."

Dass das alte Pfarrhaus nunmehr auf die Langenfelder Denkmalliste gesetzt werden soll, ist laut Boes aus Sicht der Kirchengemeinde "vollkommen in Ordnung". Ihr sei mit dem Verkauf daran gelegen gewesen, dass das renovierungsbedürftige Gebäude wieder in Schuss gebracht wurde. "Und das hat der neue Eigentümer sehr liebevoll gemacht", bescheinigte Boes dem Käufer, der für die Renovierung viel Geld in die Hand nahm. "Das ist gut für alle Beteiligten."

(RP/rl)