Kommentar: Dekanatsrat im Wandel

Kommentar : Dekanatsrat im Wandel

Verquer

Der Dekanatsrat als Organ der katholischen Laien in Langenfeld und Monheim bleibt erhalten. Das sagte Dekanatsrats-Vorsitzender Wilfried Kehr gestern. "Trotz großer Strukturreformen ist nicht geplant, die katholischen Gemeinden beispielsweise des Kreises in einem Groß-Dekanat zusammenzufassen." Freilich wird das Gremium künftig anders besetzt. Grund ist die Verschmelzung der acht Langenfelder sowie der beiden Monheimer Pfarreien. Kehr: "Langenfeld wird acht, Monheim zwei Vertreter entsenden. Hinzu kommen zehn Delegierte der katholischen Verbände." Der Dekanatsrat engagiert sich vor allem bei Themen, die jenseits einzelner Pfarreien für beide Städte bedeutsam sind. "Der massive Einsatz für den Sonntagsschutz ist ein Beispiel", so Vorstandsmitglied Hans-Georg Ibold. Außerdem unterstützt das Gremium bestimmte soziale Projekte auch finanziell. "Und wir vertreten die Interessen der Langenfelder und Monheimer Katholiken auf der Kölner Bistumsebene."

Würde man es nicht besser wissen, man könnte glatt glauben, Monheim läge nicht am abendländisch geprägten Rhein, sondern irgendwo im dunkelroten Speckgürtel rund um Berlin. In diese von unduldsam atheistischen SED-Kadern gebeutelte Gegend, in der viele Menschen nicht wissen, dass es an Ostern um mehr als nur um bunte Eier geht, würde die nun unglücklich endende Debatte um eine Andacht unter dem Rathaus-Dach eher passen als an einen Ort, der nur einen Steinwurf vom "hillije Kölle"entfernt liegt. Für die Absage der beiden Pfarrer gibt es auf den ersten Blick gute Argumente ("Versöhnung statt Fehde"). Falsch ist sie trotzdem. Genauso wie der wenig konsequente Schlingerkurs von Bürgermeister Daniel Zimmermann. "Gottesdienste am Arbeitsplatz" – und nichts anderes wäre die Andacht am Arbeitsplatz Verwaltung gewesen – sind mit Buchstaben und Geist des Grundgesetzes vereinbar. Sie sind ein Angebot an alle Gläubigen, Suchenden oder bloß Neugierigen. Ein Fernbleiben sagt nichts über Bekenntnisse aus. Unlust, ein beruflicher Termin oder eine Erkältung können ebenso gut der Grund fürs Wegbleiben sein. Ratsherr Norbert Stapper hat sich mit seiner an Frankreich orientierten – und eben deshalb verqueren – Argumentation durchgesetzt. Das ist bedauerlich. JJ

(RP)
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