Monheim: Das Sojus soll in Profi-Hände

Monheim : Das Sojus soll in Profi-Hände

Ab 2015 soll die Monheimer Kulturfabrik an den Rathaus-Bereich Kulturelle Bildung andocken.

Eine Kulturstätte vor der Haustür mit Kulturangeboten, die alle Generationen ansprechen und Gelegenheit bieten, die eigene Kreativität auszuprobieren, die niedrigschwellig sind, deren Inhalte die Nutzer mitbestimmen - ein solches soziokulturelles Zentrum gilt nach einem Bericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags "Kultur in Deutschland" als besonders schützenswert. In einer Vorlage zur morgigen Sitzung des Hauptausschusses fährt die Monheimer Stadtverwaltung schwere argumentative Geschütze auf, um die geplanten Investitionen ins Sojus 7 zu rechtfertigen. Die seit 26 Jahren existierende Kulturfabrik soll mehr auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer und Besucher ausgerichtet werden.

Den Komponenten Selbstorganisation und ehrenamtliches Engagement soll eine weitere hinzugefügt werden: den professionellen Captain, der die Kunstszene kennt, Veranstaltungen organisieren kann und Ansprechpartner vor Ort ist. Am 17. Dezember wird der Rat über die Einrichtung einer solchen Vollzeitstelle fürs Sojus 7 entscheiden.

"Die Nutzer wollten eine Ansprechperson, deren Zeitkontingent über das der VHS-Mitarbeiter hinausgeht", erklärt Sonja Baumhauer, Bereichsleiterin Kulturelle Bildung, warum die Trägerschaft durch die Volkshochschule als unpassend empfunden wird. Deshalb soll Baumhauer übernehmen. "Es ist sinnvoller, das Sojus an eine Abteilung anzugliedern, die regelmäßig mit Künstlern zu tun hat. Wir kennen uns auch gut mit Ehrenamtsstrukturen aus." So soll es eine Aufgabe des hauptamtlichen "Kulturkosmonauten" sein, Jugendliche zu gewinnen. "Viele der Aktiven im Ehrenamtsteam sind mit dem Sojus gealtert, da wünschen wir uns eine Verjüngung", sagt Baumhauer. Auch ein Platz für ein Freiwilliges Soziales Jahr "Kultur" soll eingerichtet werden.

Insgesamt soll das Sojus, zu dessen Hauptnutzern etwa Rhein-Rock gehört, einem breiteren Kreis der Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Während des Workshopverfahrens sei der Wunsch von Vereinen laut geworden, das Sojus auch während der Vormittagsstunden zu öffnen, berichtet Baumhauer. Sie kann sich vorstellen, Veranstaltung des Ulla-Hahn-Hauses und der Kunstschule in die alte Krautfabrik zu verlagern, um ein "lebendiges Zentrum für alle zu schaffen". Räume und Technik sollen auch für private Zwecke gemietet werden können. "Für Abi-Parties gibt es schon Vormerkungen", sagt sie. Kritikpunkte wie die mangelnde Sauberkeit oder der Zustand des Mobiliars wurden inzwischen behoben. "Zwischenzeitlich wurde das Sojus offenbar als Tauschbörse für Gebrauchtmöbel genutzt", erklärt Baumhauer die bemängelte "Vermüllung". Ein "gewisser Investitionsstau lasse sich nicht leugnen, sagt sie und führt als Beispiele den Boden und den rustikalen Charme des Cafés an. Eine neue Bestuhlung sei bereits im Haushaltsentwurf für 2015 enthalten. Für das Café soll ein Kaffeevollautomat angeschafft werden. Da man daran interessiert sei, etwaige bauliche Veränderungen auch längerfristig abzusichern, befinde sich die Stadt derzeit in Verhandlungen mit dem Eigentümer, berichtet Bürgermeister Daniel Zimmermann. Denn der geltende Pachtvertrag läuft bereits in elf Jahren aus. Verhandlungsergebnis könne entweder der Erwerb der Immobilie sein oder eine Verlängerung des Pachtvertrags. Die Verhandlungen erstreckten sich auch auf das benachbarte Fachwerkhaus.

(RP)
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