Monheim: Das Gerede schadet dem Versöhnungsgedanken

Monheim : Das Gerede schadet dem Versöhnungsgedanken

Die verbale Auseinandersetzung um die ökumenische Andacht im Ratssaal hat nach Ansicht der beiden Initiatoren das Niveau einer gepflegten Streitkultur verlassen. "Leider kam es immer wieder vor, dass dem anders Denkenden eins ausgewischt wurde", schreiben Pfarrer Falk Breuer und Pfarrer Burkhard Hoffmann in einer Presseerklärung. Da einige Politiker ihren Vorschlag offenbar als "Fehdehandschuh" missverstanden haben, werden sie die Andacht nun doch in die Evangelische Altstadtkirche verlegen. Indes an alle Kontrahenten in diesem Streit richtet sich ihre Empfehlung, sich die Gänseliesel auf dem Stadtwappen zum Beispiel zu nehmen: "Nocet esse locutum – Gerede schadet, wenn andere herabgewürdigt werden."

Außerdem erklären sie, dass es die von Dr. Norbert Stapper geforderte strikte Trennung zwischen Staat und Kirche in Deutschland nicht gebe. Ein Gottesdienst im Ratssaal sei "rechtlich zulässig". Das gemeinsame Gebet sollte sich ja bewusst auf den Ort beziehen, an dem Politik gemacht werde. Auch in Schulen und Krankenhäusern fänden überdies Gottesdienste statt.

Gebet in der Sprache des Korans

Die Einbeziehung der muslimische Mitbürger hatten die beiden Geistlichen von Anfang an geplant, nur sei ein gemeinsamer Gottesdienst nicht mit Angehörigen anderer Religionen möglich, weil der angebetete Gott ein anderer sei. Deshalb soll ein Vertreter dieser Gemeinde eingeladen werden, ein Gebet in der Sprache des Korans zu sprechen, das dann übersetzt wird. Die Pfarrer hoffen, dass das christliche Gotteshaus nunmehr die Mitglieder der muslimischen Gemeinde nicht davon abhalten wird, sich an der Andacht zu beteiligen.

Religion als Sinnstifterin

"Der Glaube hat eine öffentliche und eine private Seite", schreiben sie. Ob der Gottesdienst in einem Ratssaal oder einer Kirche stattfinde, mache für einen Gläubiger keinen Unterschied. Die meisten Gottesdienstbesucher wollten damit "die Werte und Ziele ihres Lebens neu mit Gott in Verbindung bringen." Um daher dem gottesdienstlichen Grundgedanken, der Versöhnung, zu dienen, treten die Pfarrer den Rückzug in die Kirche an.

Bernd Wehner, Vorsitzender des KKV, bedauert diesen Schritt. In einer Stellungnahme verweist er auf die Religion als Sinnstifterin unserer freiheitlichen Verfassung, um die Behauptung einer angeblichen Pflicht des Staates zu "religiöser Neutralität" zu widerlegen. Es könne zwar niemand zur Teilnahme an einer solchen Andacht gezwungen werden, aber Wehner ist dennoch der Ansicht, dass sich die Kommunalpolitiker gemäß der Präambel des Grundgesetzes "ihrer Verantwortung vor Gott" bewusst sein sollten.

"Wer Gott in der Öffentlichkeit ausklammert, entzieht jedem ethischen Fundament die Basis", schreibt er.

(RP)