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Corona: Besuchsverbot im Seniorenheim und seine Wirkung

Corona-Pandemie : Senioren bleiben jetzt fast unter sich

In den Wohnanlagen für ältere Menschen gibt es zu deren Schutz vor dem Coronavirus strenge Besuchsregeln.

„Am liebsten wären mir gar keine Besuche in geschlossenen Räumen. Sondern nur kurze Spaziergänge an der frischen Luft.“ Das sagt Margit Erkens, Leiterin des Langenfelder CBT-Wohnhauses St. Franziskus für Senioren an der Eichenfeldstraße. Das Coronavirus hat das Leben in allen Alteneinrichtungen verändert. Denn dort wohnen besonders gefährdete Menschen mit schwachem Immunsystem und oftmals Vorerkrankungen. Erlaubt sind derzeit kurze Besuche von jeweils einem Verwandten für eine Stunde in der Wohnung oder im Zimmer des jeweiligen Heimbewohners. Cafés und andere Gemeinschafträume sind für Besucher verboten. „Das Virus ist hoch ansteckend. Wenn das bei uns ausbricht, haben wir italienische Verhältnisse“, warnt Erkens.

Das St. Marien-Altenheim in der Monheimer Altstadt ist konsequent. Ein Verbotsschild am Eingang stellt klar: „Schützen Sie sich und andere vor Covid 19 – Besuche in Senioreneinrichtungen sind bis auf Weiteres untersagt.“ Eine klare Ansage. „Wir lassen Besuche nur in Notfällen zu, wenn jemand im Sterben liegt zum Beispiel“, sagt Cerstin Tschirner, Sprecherin der K-Plus-Gruppe.

Gemeinsames Essen findet in kleinen Gruppen und Schichten nach wie vor statt. „Die alten Menschen haben feste Gewohnheiten, mit denen wir nicht komplett brechen wollen“, sagt Tschirner. „Wir müssen unser Vorgehen abwägen, Maßnahmen überlegt dosieren, damit keine Unruhe und Panik entsteht.“

Spaziergänge an den Rhein und in die Monheimer Altstadt sind noch möglich. „Eine Ausgangssperre gibt es derzeit nicht“, sagt Tschirner. „Und ein bisschen frische Luft schnappen – die Straße mal rauf und runter, kann ja nicht verkehrt sein.“ Außerdem gibt es auf dem Altenzentrum eine einladende Dachterrasse.

Am zweiten Tag der strengen Auflagen herrschte in fast allen Wohnanlagen unter den Senioren noch großes Verständnis für die Einschränkungen zum Schutz der eigenen Gesundheit. Allein einzelne Angehörige sind besorgt und unglücklich über die Besuchsreglung. Zum Beispiel jene, die befürchten, dass ihre dementen Eltern sie nicht mehr erkennen, wenn sie ihre Lieben nun wochenlang nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Unter anderem aus diesem Grund hat auch das Karl-Schröder-Haus der Arbeiterwohlfahrt in Langenfeld-Langfort ein kurzes Zeitfenster von täglich 15 bis 17 Uhr für Angehörige geöffnet. Ein Besucher pro Tag pro Bewohner im eigenen Zimmer ist erlaubt. „So können wir im Fall einer Erkrankung die Infektionskette nachweisen“, sagt Manja Sunkel, Leiterin der Einrichtung. Zum Glück herrscht derzeit gutes Wetter. 95 Prozent der Wohnungen im Karl-Schröder-Haus sind mit Balkonen ausgestattet, auf denen man jetzt schon sitzen kann. Auch ein großer Garten sorgt für Entspannung an der frischen Luft.

Auch dass Musiker, Sänger, Back- und Kochgruppen-Leitung von draußen nicht erlaubt sind, kann offenbar gut von internen Kräften aufgefangen werden. Reha-Sport, Basteln, Malen, Singen und Tanzen findet überall weiter statt. „Wir bestreiten 99 Prozent unseres Unterhaltungsprogramms selbst“, sagt Sunkel. Nichtsdestotrotz bedeute die aktuelle Situation für das Personal eine erhebliche Belastung. Ein ganz großes Lob möchte Sunkel deshalb an ihr Personal loswerden: „Die Notbetreuungsplätze für die Kinder unserer Mitarbeiter reichen bei weitem nicht.“ Vielfach seien Väter und Partner im Einsatz. „Unsere Leute arbeiten in Schlüsselpositionen, die können nicht zu Hause bleiben. Die Bewohner müssen versorgt werden. Und hier tun alle ihr Mögliches, damit das funktioniert. Menschen in helfenden Berufen sind schon ganz besondere Menschen.“

Auch wenn vorübergehend der Verwandtenbesuch durch Telefonate ersetzt werden muss, sei die Situation für die Bewohner optimal. „Eigentlich viel besser als allein zu Hause“, meint Erkens. „Bei uns im CBT-Haus ist immer was los. Man trifft sich, hier sind immer Menschen unterwegs.“ Einsam ist es nicht. Betreuungsassistenten kümmern sich um einzelne Personen, gehen mit ihnen spazieren. Ältere Teilzeitkräfte ohne kleine Kinder hätten sich sogar kurzfristig bereiterklärt, voll zu arbeiten, um jüngere Angestellte zu entlasten. „Eigentlich haben wir das alles sehr gut im Griff. In der Krise ist man für einander da“, stellt Erkens fest.