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Christen und Muslime feiern Erntedank in Monheim

Unter freiem Himmel : Christen und Muslime feiern Erntedank

Hunderte Monheimer nahmen gestern auf der gesperrten Krischerstraße gemeinsam Platz.

Protestanten, Katholiken und Muslime feierten gestern in der Innenstadt ein großes Erntedankfest. Dafür verwandelte sich die Krischerstraße in eine lange Tafel, an der die Besucher, Schulter an Schulter, Speisen und Getränke brüderlich teilten und ins Gespräch kamen. Nach dem gemeinsamen Fastenbrechen im vorigen Jahr wieder ein starkes Zeichen für ein friedliches Miteinander der Kulturen in der Stadt. Mehr davon, das wünschen sich etliche Monheimer nun im alltäglichen Miteinander.

Die Bühne steht bereit, die Musiker stimmen sich noch ein. Langsam trudeln die Teilnehmer des Erntedankfestes in der Krischerstraße ein. Sie begrüßen sich, nehmen Platz, an der langen Tafel die abwechselnd mit gelb und lilafarbigen Tischdecken geschmückt ist. Sonnenstrahlen treffen auf den abgesperrten Straßenzug, vielleicht die letzten richtig warmen in diesem Jahr. Die Festgäste sitzen mit Sonnenbrillen auf den Bänken und schauen zur Bühne, wo sich der evangelische Pfarrer Till-Karsten Hesse und sein katholischer Kollege Burkhard Hoffmann bereitmachen für den gemeinsamen Gottesdienst.

Aufmerksam sitzt auch Steffen Liebscher mit seiner Familie auf einer Bank. Nicht nur das gute Wetter hat ihn auf die Straße gelockt: „Ich selbst bin evangelisch und wollte gucken, wie das mit der Ökumene funktioniert.“ Grundsätzlich sei er anderen Gläubigen sehr offen gegenüber und unterstütze die Bemühungen der drei Religionsgemeinschaften, näher zusammenzurücken in Monheim und sich auszutauschen.

„Solange das friedlich funktioniert, kann das nur positiv für unsere Stadt sein“, sagt auch eine Dame, die mit ihrer Freundin am Gottesdienst teilnimmt. „Erntedank ist in der katholischen Kirche einer der bedeutenderen Feiertage, daran nehmen wir gerne teil.“ Beim ersten Blick über den Platz äußern sich die Frauen, die namentlich nicht erwähnt werden wollen, aber etwas enttäuscht: „Ich bin einerseits überrascht, dass bei dem guten Wetter tatsächlich so viele Menschen gekommen sind. Aber ich sehe kaum Muslime.“ Vielleicht liegt es daran, dass nicht allzu viele Frauen vor Ort Kopftuch tragen und diejenigen, die es tun, mehrheitlich neben den Tischen und Bänken stehen.

Yasemin Özer (27) und Rümeysa Aydemir (20) sind beispielsweise noch auf der Suche nach einem guten Platz und freuen sich auf die gemeinsame Veranstaltung. „Wir waren bei der Planung dabei und haben den heutigen Tag mitgestaltet“, berichtet Özer. Sie selbst gehört dem IGMG Bildungszentrum „Milli Görüs“ an (siehe Infobox) und wirkte schon im vorigen Jahr beim gemeinsamen Fastenbrechen zwischen den muslimischen und christlichen Gemeinden mit. „Ich finde es wichtig, solche Feste gemeinsam zu begehen, schließlich sind wir Nachbarn, leben miteinander und Religion gehört für uns alle dazu“, sagt die 27-Jährige.

Mit 800 bis 900 Teilnehmern hatten die Gemeinden geplant. „Bei dem Wetter könnten es aber durchaus mehr werden“, sagt Aydemir und lächelt. Kaffee und Kuchen sind aufgetischt, türkische Suppe wird serviert. Platz an der üppig gedeckten Tafel ist an diesem Tag für alle Kinder Gottes, egal welchen Glaubens.