Langenfeld: Chempark investiert in Entsorgung

Langenfeld: Chempark investiert in Entsorgung

Der Bayer-Standort Leverkusen. Sparte Chemie, lieferte im vergangenen Jahr Rekordzahlen. Es wurde so viel wie noch nie von dort ansässigen Firmen investiert.

Der Liedtext muss umgeschrieben werden. "... Dort an diesem End' der Welt ist man ewig kaltgestellt" sangen Bayer-Mitarbeiter Ende des 19. Jahrhunderts. Heute ist klar: Am "End' der Welt", das seit zehn Jahren Chempark Leverkusen heißt, geht es wirtschaftlich eher heiß her: Im vergangenen Jahr sind die Investitionen auf ein Rekordniveau von fast einer Dreiviertelmilliarde Euro, konkret 720 Millionen Euro, gestiegen. Lars Friedrich, der am 1. April sein Einjähriges auf dem Chempark-Chefsessel feierte, splittet die Zahl auf: • 387 Mio. Euro, und damit fast 100 Mio. mehr als im Vorjahr, steckten die im Chempark ansässigen Unternehmen in neue Anlagen, • 333 Mio. gingen in die Instandhaltung. "Das sind die höchsten Werte seit einer Dekade Chempark", merkt Friedrich beim Jahresmediengespräch strahlend an. Nehme man die weiteren Chempark-Standorte in Krefeld und Dormagen hinzu, komme man auf gut 1,5 Milliarden Euro. Und Friedrich nennt Beispiele für jüngste, laufende, künftige Investitionen - etwa die 60 Millionen, die Lanxess in die Tochterfirma Saltigo steckte.

Oder den gerade nur durch eine Musterfassade und Baggertätigkeit an der B 8 erahnbaren 80-Millionen-Euro-Bürogebäude-Neubau von Kunststoffhersteller Covestro. Oder die fünfte eigene Kita von Bayer; für 900.000 Euro lässt der Konzern dort alles aufhübschen. Im Herbst soll's fertig sein.

Und auch Chemparkbetreiber Currenta steckt Geld ins "End' der Welt" - 2017 wurde etwa die zwölf Mio. Euro teure "Martina" eingeweiht. Der Rheindüker, ein Rohrleitungstunnel, verbindet die Standorte Leverkusen und Dormagen. Jetzt widmet sich Currenta der weiteren Zukunftsfähigkeit des Entsorgungs- und Recyclingzentrums in Bürrig - für 18 Millionen wird ein zusätzlicher Katalysator an der Verbrennungsanlage gebaut, der a) dafür sorge, dass der Stickoxid-Ausstoß deutlich unter den ab kommendem Jahr geltenden gesetzlichen Grenzwerten liegen werde, und b) auch Stillstände der Anlage vermeiden soll, heißt es. Ab Herbst soll der zweite Katalysator, "das ist wie eine Euro-6-Anlage beim Diesel-Auto" (Friedrich), genutzt werden.

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Schon in Betrieb ist der zweite große Invest in Bürrig mit Zungenbrecherpotenzial: "eine Feststoffisolierung mit vollautomatischen Filterpressen als Erweiterung der Waschwasserbehandlungsanlage", für die Currenta rund acht Millionen Euro ausgibt.

Die schönsten Summen lassen Friedrichs Herz aber nicht richtig höher schlagen, wenn die politischen und vor allem die infrastrukturellen Rahmenbedingungen nicht passen. Lob gab es vom Chemparkchef für die NRW-Landesregierung, speziell für die Entfesselungsgesetz-Pakete (das zweite sehe vor, dass Industriehäfen wie der im Chempark "stärker vor heranrückender Nutzung geschützt werden sollen"). Ob er das Thema Wassertaxi auf dem Rhein meint, lässt Friedrich offen. "Wir warten die Machbarkeitsstudie dazu ab. Wenn die positiv ist, wollen wir das Thema gerne unterstützen." Selbes gilt im Prinzip auch fürs Thema Straßeninfrastruktur, etwa "Tunnel statt Stelze". Voraussetzung sei die "uneingeschränkte Nutzung für alle Güter rund um die Uhr, nicht nur zwischen 22 und 23 Uhr", betont Lars Friedrich. "Der Tunnel muss das können, sonst tackert der Chempark - die Chemie überhaupt - nicht mehr richtig. Der Chemiemotor in NRW käme ins Stottern."

Noch ein politisches Thema spricht der Leiter des Chemparks an: die Energiewende, die er sich in einer "gedämpften" Form wünscht. Sonst könnte Abwanderung ins Ausland drohen, warnt Lars Friedrich.

(RP)