Chefredaktuer der Rheinischen Post in der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule

Langenfeld : „Bettine trifft ...“ RP-Chef Michael Bröcker

Der Deutsch-Leistungskurs von Ralf Rockelsberg und Schüler der Stufe 13 bereiteten die Diskussionsrunde im Forum der Gesamtschule vor.

Michael Bröcker, Chefredakteur der Rheinischen Post, muss fast bis zum Veranstaltungsende warten, bis er seine Fragen an die Oberstufenschüler der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule loswerden kann, die ihn vor der Diskussionsrunde „Bettine trifft . . .“ am meisten umtreiben. Er will wissen, warum Jugendliche Zeitung lesen und warum nicht. Und was die Redakteure tun müssen, um sie für die Lektüre sowohl Online als auch Print zu interessieren. Auf seine Frage: „Wer hat in den letzten sieben Tagen eine gedruckte Zeitung in der Hand gehalten?“, melden sich immerhin 20 von 160 Mädchen und Jungen. Wenige lesen RP Online und nur zwei junge Besucher sind bereit, für Journalismus im Netz auch zu bezahlen. BBC News nennt einer im Plenum als Favoriten. Aber fast alle haben ein Abo für digitales Entertainment. „Wenn die junge Generation nicht glaubt, dass professioneller, unabhängiger  Journalismus ein Preisschild verdient, gibt es den Journalismus irgendwann nicht mehr“, lautet Bröckers Fazit.

Bis der Chefredaktuer über das Thema Journalismus Auskunft geben kann, muss er sich einem umfangreichen Fragenkatalog stellen, den Lehrer Ralf Rockelsberg gemeinsam mit seinem Deutsch-Leistungskurs vorbereitet hat. Kevin Jäger (19) und Viviane Pohlmann (18) wechseln sich beim Interview ab. Sie sind beide in der Stufe 13. Gleich zu Beginn geht es um die Beziehung zwischen Europa und den USA, die Kündigung des INF-Vertrages (Washingtoner Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme) durch die Amerikaner, das IranAbkommen und Syrien. Weitere Blöcke sind u. a. Europawahl, Urheberrecht und die Digitalisierung. Schwere Kost.

„Fangen wir nicht lieber mit etwas Leichtem an?“, meint der RP-Chef und versucht dennoch, bei allen Themen eine Einordnung. Letztlich ginge es um den Wettlauf der Macht in der Welt. „Schwer zu sagen, wer Recht hat“, räumte er ein. Zwar finde er Vorgänger Barack Obama auch „cooler“ als den jetzigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Amerika mache „knallharte Interessenpolitik“, und Europa müsse sich entscheiden, ob es das auch vermehrt tun wolle. Mit Blick auf die bevorstehende Europawahl am 26. Mai sagt Bröcker: „Wir haben als Europäer nur Relevanz, wenn wir einig sind.“ Immer wieder fragt er seine jungen Zuhörer, will beispielsweise wissen: „Wer geht wählen?“ Und er versucht zu motivieren: „Die Europawahl ist eine Schicksals-Wahl. Die könnte alles verändern.“ Die RP stelle in ihrer Serie „Unser Europa“ vor, wie die Gemeinschaft unser Leben besser mache. „Vielleicht gibt es keinen Brexit. Ich halte alles für möglich.“

Die Fridays-for-Future-Bewegung erlebt der Chefredaktuer als „wunderbare neue Politisierung der jungen Menschen“, die aber nicht dem Selbstzweck dienen dürfe, sondern in drei bis sechs Monaten „zu etwas führen“ müsse. Fast alle melden sich, als Bröcker fragt, wer schon demonstriert hat oder heute in Langenfeld an der Kundgebung teilnimmt. „Da könnt Ihr ja die Schule zumachen.“

Wer wird der neue Bundeskanzler oder die neue Kanzlerin? Der Journalist Bröcker ist ziemlich sicher: „Es läuft alles auf Annegret Kramp- Karrenbauer hinaus.“ Er vermutet, dass es im Herbst zu Neuwahlen kommt. Kanzlerin Angela Merkel sei inzwischen zu schwach, um entscheidende Weichenstellungen vorzunehmen. Digitalisierung und Bildung seien in Deutschland die wichtigen Themenfelder für die Zukunft, erklärt der Chefredakteur. Und genau jetzt hätte eine digital-affine Bewegung die große Chance, eine eigene Partei zu gründen.

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