Langenfeld: Bürgermeister will starke Firmen locken

Langenfeld: Bürgermeister will starke Firmen locken

Im RP-Redaktionsgespräch kündigte Frank Schneider eine neue Strategie der Langenfelder Wirtschaftsförderer an. Die vergleichsweise niedrigen Gewerbesteuersätze in Monheim prägen den Wettbewerb.

Wenn nach der Sommerpause der Stadtrat seine Arbeit wieder aufnimmt, dann sieht Bürgermeister Frank Schneider (CDU) die Stabilisierung der Stadtfinanzen auf der Prioritätenliste ganz oben. Der Blick nach Monheim spiele dabei durchaus eine gewichtige Rolle, räumte Schneider beim Besuch in der RP-Lokalredaktion ein. Dass in der Nachbarstadt die Gewerbesteuereinnahmen seit der Absenkung der Hebesätze und damit einhergegangenen Neuansiedlungen üppig sprudeln, wirke sich auf die Langenfelder Wirtschaftsförderung aus. "Wir müssen uns dem Wettbewerb mit Monheim stellen." Auch wenn sein Amtskollege Daniel Zimmermann abwiegele, sei klar, dass einige der guten Gewerbesteuerzahler eben wegen der NRW-weit niedrigsten Hebesätze Monheim zu ihrem Standort gemacht hätten.

Zwar ist Langenfeld nach Schneiders Worten bei den im Haushalt für 2014 angesetzten 50 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen aufgrund der bislang eingegangenen Zahlungen "im grünen Bereich". Doch in Gesprächen mit den Vorständen jener Handvoll Unternehmen, die unter den etwa 400 bis 500 Gewerbesteuer zahlenden Firmen die mit Abstand höchsten Beträge überweisen, falle immer wieder der Name Monheim. "Oft haben diese zahlungskräftigen Unternehmen in Langenfeld Räume nur gemietet und lassen durchklingen, dass sie auf die deutlich niedrigeren Steuersätze in der Nachbarstadt angesprochen würden." Dass solche Firmenchefs dann die in Langenfeld (360 Punkte) gegenüber Monheim (285 Punkte) höhere Gewerbesteuer thematisieren, betrachtet Schneider "nicht als Erpressung, sondern als Marktwirtschaft".

Der in Monheim erfolgte Aufschwung und die veränderten Rahmenbedingungen bereiten Schneider zufolge wegen der direkten Nachbarschaft dem eigenen Wirtschaftsstandort Schwierigkeiten. "Wären wir 70 Kilometer weit entfernt, sähe das anders aus." Obwohl Langenfeld mit seinem Angebot an Schulen, Kindergärten, Läden und Freizeitmöglichkeiten im Gesamtpaket bei Firmenchefs punkte, müsse eine Senkung der Gewerbesteuer im Stadtrat thematisiert werden.

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Würde der Hebesatz von 360 auf 300 verringert, entspräche dies nach einer Berechnung der Kämmerei einem Einnahmeausfall von rund acht Millionen Euro. Andererseits müssten im Falle eines Fortzugs von Top-Zahlern ebenfalls Millionenbeträge abgeschrieben werden. Im Werben um attraktive Unternehmen bekommt Langenfeld nach Schneiders Worten durch die beiden neuen Gewerbegebiete Am Solpert (drei Hektar) und Reusrath Nord-West (acht Hektar) Aufwind. "Das erste ist jetzt erschlossen, das zweite wird noch in diesem Jahr fertig. Wir könnten beide Gewerbegebiete schnell füllen, da es genügend Anfragen gibt. Aber wir werden bei der Belegung darauf achten, dass Firmen nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Steuereinnahmen bringen." Dabei warten die städtischen Wirtschaftsförderer nicht nur auf Anfragen. Vielmehr sollen sie laut Schneider künftig offensiv auf attraktive Unternehmen zugehen, um sie zu einem Umzug nach Langenfeld zu animieren.

Im Widerstand gegen den Kommunalsoli zugunsten überschuldeter NRW-Städte ist Langenfeld nach Schneiders Worten weiter Seite an Seite mit den anderen zu Zahlungen verpflichteten Städten. "Im Oktober soll die Klage eingereicht werden." "Mit Interesse" nahm Schneider zur Kenntnis, dass der neue Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) unter anderem wegen dieses Themas in der vergangenen Woche im Monheimer Rathaus weilte und dabei Besuche auch in anderen Städten der Region ankündigte. "Noch hatte ich keinen Kontakt zu ihm, finde solche persönlichen Gespräche aber gut. Damit hebt sich Geisel wohltuend von seinem Vorgänger Dirk Elbers ab. Es gibt manche Themen, über die ich mit dem Düsseldorfer OB gerne reden möchte. Neben Wirtschaftsfragen vor allem über den ÖPNV, etwa den Rhein-Ruhr-Express."

(RP)
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