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Langenfeld/Monheim: Bürger liefern ihre Waffen ab

Langenfeld/Monheim : Bürger liefern ihre Waffen ab

Vor allem Besitzer legaler Waffen nutzen die Amnestieregelung. Sie scheuen die Anschaffungskosten für einen sicheren Waffenschrank, denn ab 1. Januar wird auch unangemeldet die sorgfältige Aufbewahrung kontrolliert.

Immer mehr Bürger fühlen sich nach dem blutigen Attentat von Winnenden mit einer Waffe im Haus unwohl und wollen selbst ihre nicht mehr funktionstüchtigen Schießprügel loswerden. Sie nutzen die Amnestieregelung, die in Zusammenhang mit der Verschärfung des Waffenrechts erlassen wurde. Danach können Besitzer illegaler Waffen bis zum 31. Dezember ihre Waffen straf- und kostenfrei bei jeder Polizeidienststelle abgeben.

"Seit Anfang Juli sind 45 Pistolen und 30 Langwaffen bei uns abgeliefert worden", berichtet Hubert Ibisch, Leiter der Polizeiwache Langenfeld. Kreisweit waren es bisher 1000, erklärt Frank Sobotta, Sprecher der Kreispolizeibehörde, bei der die abgegebenen Waffen zentral gesammelt werden. "90 Prozent der Waffen waren allerdings in legalem Besitz", erklärt Sobotta. Sie waren im Erbgang vom Vater auf den Sohn, vom Ehemann auf die Frau übertragen worden. Oder es handelte sich um den Altbesitz ehemaliger Jäger und Sportschützen, die dem Hobby aus Altersgründen nicht mehr nachgehen.

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Höhere Auflagen

Nach Einschätzung von Sobotta sind es vor allem die strengeren Auflagen für die Aufbewahrung, die die Bürger veranlassen, ihre privaten Waffenkammern zu räumen. Die Waffen müssen getrennt von der Munition in einem genormten Sicherheitsbehältnis gelagert werden, ein abgeschlossener Kleiderschrank reicht nicht. Neu ist auch, dass die zuständigen Behörden unangemeldet kontrollieren dürfen, ob sich der Waffenbesitzer an seine Pflichten hält. "Die meisten aber scheuen die Investition in einen Tresor", meint Peter Kupitz, Leiter der Polizeiwache Monheim.

Mehr Kontrolleure

Auch wenn bei ihm viel Schrott abgegeben werde, sei er bass erstaunt, welche Waffenarsenale in Baumberger Schränken und Truhen lagerten, sagt er. Und bei wem nicht die vielen Zeitungsberichte Gewissensbisse auslösten, dem half ein Anschreiben der Mettmanner Polizeibehörde auf die Sprünge, dass sie ab 1. Januar 2010 verstärkt kontrollieren werden. Um jedoch allen 10500 registrierten Waffenbesitzer im Kreis Mettmann auf die Finger gucken zu können, müsste die Kreisverwaltung mehr Personal einstellen, meint Sobotta. "Sachkundiges", wie er betont. Nur gelegentlich prüften auch Bezirksbeamte der Polizei die Angaben von Waffenbesitzern nach.

Für Thomas Klammer, erster Vorsitzender der Schießsportfreunde Langenfeld, hat die Verschärfung des Waffenrechts nicht viel geändert. Unangemeldete Besuche habe es schon früher gegeben, aber die Novelle erhöhe natürlich den Verwaltungsaufwand für die Behörde. Die Anhebung der Altersgrenze jedoch für den Umgang mit großkalibrigen Waffen wirke sich – zusammen mit anderen Faktoren – negativ auf die Rekrutierung von Nachwuchs aus. "Für mich ändert das Gesetz nicht viel", sagt Mario Nießen, stellvertretender Leiter des Hegerings Monheim. "Wenn ich eine Waffe erwerbe, musste ich der Behörde schon früher mit einem Foto das Vorhandensein eines Waffenschrankes nachweisen." Mit unangemeldeten Besuchen dürften Jäger kein Problem haben, sagt er.

Kupitz: "Leider kriegen wir mit dem neuen Waffenrecht nicht diejenigen, die wir gerne hätten."

(RP)