Reusrath: Bürger gegen Landeplatz

Reusrath: Bürger gegen Landeplatz

Am Mittwochabend trafen sich die Anwohner in der Schützenhalle: Sie sind besorgt.

Die Schützenhalle ist brechend voll. "Ach du Schande!", entfährt es einem Besucher des Informationsabends der Bürgerinitiative, die sich gegen die Pläne des Unternehmers Gerhard Witte, neben seinem Wohnsitz an der Dückeburg einen Hubschrauberlandeplatz nebst Hangar zu errichten (die RP berichtete), formiert hat. Das Thema wühlt augenscheinlich auf. Der Abend soll dazu dienen, über das Genehmigungsverfahren und die Möglichkeiten der Gegner, darauf Einfluss zu nehmen, aufzuklären.

Um ein Haar, sagt Mitinitiator Günter Striewe, wäre das geplante Vorhaben im Langenfelder Amtsblatt unentdeckt geblieben, denn: "Wer liest das schon?" Mittlerweile aber habe man auch die bis zum 23. Juli im Rathaus (Raum 287) ausliegenden Planunterlagen der Bezirksregierung eingehend studiert und ausgewertet. Karl Wilhelm Bergfeld, ebenfalls Mitgründer der Initiative, berichtet davon und zitiert immer wieder aus dem Antrag Wittes, in dem von der Notwendigkeit der Erschließung des Reusrather Luftraumes die Rede ist: "Darauf hat Reusrath gewartet!" Gelächter ist im Saal zu hören. Ärger verursacht die Tatsache, dass auch gewerbliche Flüge beantragt worden seien. Zudem werde ein öffentliches Interesse suggeriert, wenn die Rede davon sei, dass künftig "selbstverständlich" auch Polizei- und Rettungshubschrauber an der Dückeburg landen dürften: "Das dürfen die schon jetzt." Zugegen sind mit dem stellvertretenden Bürgermeister Dieter Braschoss und Stadtplaner Stephan Anhalt auch Vertreter von Politik und Verwaltung, vornehmlich, um zuzuhören. Was sie hören, klingt bisweilen schrill. Längst sind nicht nur Reusrather hier. Viele haben sich aus Besorgnis um den Erhalt der Landschaft am Further Moor angeschlossen: "Flutlichtmasten und Landelichter mitten in einem Biotop? Es ist Unsinn", sagt einer. Ein Familienvater berichtet von der Vielfalt der dort lebenden und täglich zu beobachtenden Wildtiere. Die würden durch den Luftverkehr gestört. Das sieht Alfried Lages, Jagdpächter des Gebietes, anders: "Es interessiert doch die Rehe nicht, ob da Hubschrauber fliegen." Als eine Anwohnerin erzählt, ihr sei voriges Jahr eine Gaube nicht genehmigt worden, weil diese sich nicht ins Landschaftsbild einfüge, johlt der Saal. "Wie", fragt sie, "fügt sich denn bitte ein Hangar da ein?"

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Michael Hansen, Eigentümer eines Grundstückes in der Vogelsiedlung, wähnt seine Lebensqualität in Gefahr. Vor allem befürchtet der Mann "Zubringerverkehr" entlang der Reusrather Straße, die mangels regelmäßiger Kontrollen durch den Autoverkehr ja schon jetzt zuweilen für Jogger und Radfahrer lebensgefährlich sei. Was Hubschrauber an Lärmbelästigung bedeuteten, sei ihm durch die Polizeiflüge "wenn mal wieder jemand aus der LVR ausgebrochen ist" bekannt. Nach seiner dritten Wortmeldung bekommt der erregte Hansen von seiner Frau ein Wasser gebracht. Schließlich meldet sich Anhalt doch zu Wort, um auf einen sachlichen Fehler hinzuweisen. So sei es zwar toll, dass sich der Referent Bergfeld eingehend mit dem Baugesetzbuch beschäftigt habe – das im vorliegenden Fall aber gar nicht einschlägig sei (siehe Info).

(maxl)