Langenfeld: Bücher und CDs elektronisch ausleihen

Langenfeld : Bücher und CDs elektronisch ausleihen

Ein neues Buchungssystem soll in der Stadtbücherei Zeit sparen, damit sich das Personal verstärkt der Leseförderung widmen kann.

Bis zu 400 Mal pro Stunde führt Anke Niestrath die gleichen Handgriffe aus. Sie nimmt ihren Scanner für Barcodes und liest damit die jeweiligen Daten ein. Dann führt sie Bücher, DVDs oder Videospiele über die Magnetentsicherungsanlage, die als Schutz vor Langfingern gedacht ist. Die Langenfelderin arbeitet allerdings nicht in einem Kaufhaus, sondern in der Stadtbibliothek. Das Ausleih- und Rückgabeverfahren nimmt vergleichsweise viel Zeit in Anspruch und bindet das Personal. Jedes Medium muss für sich erfasst werden. Das soll sich in Zukunft ändern.

Spätestens im Herbst ist die Einführung einer auf Radiowellen basierenden Technologie geplant, die alle Vorgänge rund um Ausleihe und Rückgabe vereinfacht. Das "RFID-System" (Radio Frequency Identification) ist in anderen Städten wie Hilden oder Erkrath bereits Standard — und Langenfeld will entsprechend nachrüsten. Dafür sind allerdings Zuschüsse durch das Land NRW notwendig. Die Entscheidung über eine Förderung trifft die Bezirksregierung. "Der Arbeitsalltag hat bei uns manchmal etwas von Fließbandarbeit", sagt Bibliotheksleiterin Martina Seuser. "Wir haben mehr als 350 000 Ausleihen pro Jahr und die Tendenz ist steigend." Eine effizientere Gestaltung des Arbeitsalltags sei daher notwendig, um die Angestellten zu entlasten.

Das neue System ist für die Kunden der Bibliothek denkbar einfach. Es bündelt die einzelnen Arbeitsschritte zu einem Vorgang. Bis zu fünf Bücher können dann auf einmal bearbeitet werden. Die Kunden identifizieren sich mit ihrer Chipkarte, legen die gewünschten Bücher auf das RFID-Feld im Thekenbereich und der Rest geht vollautomatisch. Im Erdgeschoss sind zwei dieser Selbstausleihgeräte geplant, ein weiteres soll im Obergeschoss installiert werden.

Rund 120 000 Euro wird die Einführung der neuen Technik kosten. Das beinhaltet die Geräte, die Umbaumaßnahmen in der Bibliothek und etwa 60 000 Etiketten, die mit einer feinen Kupferspule nebst Transponder ausgestattet sind und alle Informationen über das jeweilige Medium enthalten. 60 Prozent der Gesamtsumme könnten als Zuschuss von der Bezirksregierung kommen. Der Rest wird von der Stadt getragen. Die entsprechenden Mittel sind bereits in den Haushalt eingeflossen. Auf Bezirks- und Landesebene läuft das Verfahren indes noch. Die Umsetzung steht also noch unter dem Vorbehalt der Finanzierung aber Martina Seuser ist optimistisch, dass ihr Antrag bis Mai bewilligt wird.

"Es ist sicherlich möglich, dass die Technik kurz nach der Einführung noch an einigen Stellen hakt", sagt die Bibliotheksleiterin, "aber wenn es einmal läuft, wäre das eine deutliche Verbesserung." Ein weiterer wichtiger Aspekt sei, dass durch das RFID-System Arbeitskraft frei werde, die vorher durch Ausleihe und Rückgabe gebunden waren. "Wir wollen unsere Angebote der Leseförderung in Schulen und Kindertagesstätten ausbauen, können aber kein zusätzliches Personal einstellen. Die logische Konsequenz ist, dass wir die Arbeit effizienter gestalten." Auch für andere Projekte wird demnach wertvolle Arbeitskraft frei.

Vor einer Bibliothek ohne menschliches Personal und persönlicher Beratung müsse sich aber niemand fürchten: "Einer der Plätze wird immer durch eine Mitarbeiterin besetzt sein", betont Seuser. Die Bibliotheksleiterin hat derweil schon das nächste Projekt im Auge, dass sie mit Hilfe der Fördermittel realisieren will. "Mein Traum ist eine automatische Außenrückgabe, mit der Bücher rund um die Uhr zurückgegeben werden können. Den Antrag stellen wir dann im nächsten Jahr."

(dora)
Mehr von RP ONLINE