Monheim: Buchdruck und Bogenschießen

Monheim : Buchdruck und Bogenschießen

Das mittelalterliche Markttreiben lockte am Wochenende zahlreiche Besucher in den Marienburg-Park. Rund 300 Akteure boten kurzweilige Unterhaltung, aber auch lehrreiche Einblicke in den Alltag.

Mittelalterliche Klänge, gespielt auf Flöten und Lauten, erklingen aus dem Marienburg-Park. Sie weisen den Weg zum sechsten Firlefei-Marktspektakel, das die Grünanlage für ein Wochenende um rund 700 Jahre zurückversetzt. Wer seinen Wegzoll am Parkeingang bezahlt hat, taucht ein in eine Welt voller Ritter, Gaukler und Krämer. Zahlreiche Händler und Handwerker, darunter Seifensieder, Töpfer und Besenbinder, bieten ihre Waren feil.

Buchdeckel aus Holz

Urkas, der Scriptor lässt sich bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. "Ich schreibe nach der aktuellen Schreibreform", sagt er, meint aber damit die Karolingische Minuskel, die Ende des achten Jahrhunderts galt. Auch die Buchbinderei zählt zu seinem Handwerk. "Im Mittelalter wurde das Pergament zu Lagen gefaltet und mit Fadenheftung gebunden," erklärt Urkas. "Ich bin heute deutschlandweit der einzige, der noch Buchdeckel aus Holz verwendet."

Nahe des Marienpavillons hat Holgar vom Egilodorfe, neudeutsch Elsdorf, sein Wolfsjäger-Lager "Lupi Venaris" aufgeschlagen und bietet den Besuchern an, sich im Bogenschießen zu üben. Derweil kocht Ehefrau Senara auf der offenen Feuerstelle und rüstet das Lager mit dicken Fellen für die Nacht. Das mittelalterliche Treiben ist für das Paar und Tochter Alana ein Hobby, dem sie seit rund zehn Jahren an vielen Wochenenden frönen. "Irgendwann wollte ich nicht mehr als Besucher staunend vor der Absperrung stehen, sondern lachend dahinter", sagt Holgar.

Schankwirt Zündor hat vor 17 Jahren sogar seinen sicheren Job im öffentlichen Dienst aufgegeben, um im "Viking Värdshus" Met, Metweine und Säfte auszuschenken. "Hier kann ich so sein, wie ich will, nämlich frech", sagt er grinsend. Viele seiner Marktkollegen lassen bei ihm anschreiben. Statt Kerbholz nutzt Zündor dafür Tafeln, die wie Schutzschilde geformt sind. Schon einige Kreidestriche hat Karussellbetreiber Ralf Röther gesammelt. In der Mittelalter-Szene gebe es überwiegend angenehme Leute, findet er. "Hier heißt es miteinander statt gegeneinander."

Falken im Sturzflug

Für Unterhaltung sorgt am Samstagnachmittag die dreiköpfige Berliner Schauspieltruppe Max Gaudio, die das Publikum in ihr improvisiertes Stück vom Hasen und Wolf einbezieht. Ein Highlight für die kleinen Besucher ist die Greifvogel-Show des Falkners Pierre Schmidt. Im Tiefflug saust ein Weißkopfseeadler über den elfjährigen Malte hinweg, der sich mit anderen mutigen Kindern auf die Wiese gelegt hat. "Ein bisschen Angst hatte ich schon", gibt er zu. Nick (5) traut sich, einen Falken auf die Hand zu nehmen und staunt: "Der ist aber schwer!"

(RP)
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