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Langenfeld: Brustkrebs: Oberarzt klärt Frauen auf

Langenfeld : Brustkrebs: Oberarzt klärt Frauen auf

Bei einer Info-Veranstaltung in der Kita Götscher Weg versuchten die Teilnehmerinnen, am Modell Knoten zu ertasten.

Alexandar Dukic öffnet zwei Koffer. Heraus nimmt er sechs künstliche, weiche Plastikbrustmodelle und legt sie auf den Tisch. Der Oberarzt von der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und vom Brustzentrum des Klinikums in Leverkusen ist zu Gast im Familienzentrum der Kita Götscher Weg. "Schauen Sie mal bitte, wie viele Knoten Sie in der Tiefe ertasten können!", sagt Dukic. Die vierzehn Frauen, die sich im Familienzentrum um einen Tisch herum versammelt haben, fangen an, mit großem Fingerspitzengefühl mögliche Knoten zu ertasten, die sich in den weichen Modellen befinden.

Nach 20 Minuten haben alle Frauen an der Übung teilgenommen, aber nicht jeden Knoten ertastet. "Das hätte ich nie gedacht, dass das so schwierig ist, Knoten zu finden. Ich bin froh, dass man mir das mal hier erklärt und ich das mal ausprobieren konnte", sagt eine 50-jährige Kursteilnehmerin. "Es ist überhaupt nicht einfach, deshalb sollen die Frauen ein Gefühl dafür bekommen, wie sich ein möglicher Tumor anfühlen könnte", sagt Alexandar Dukic. Der Oberarzt setzt sich im Namen des Leverkusener Klinikums sowie der Krebsgesellschaft NRW e.V. für Aufklärung über Brustkrebsvorsorge ein. "Das ist ein wichtiges Thema, deshalb haben wir es einfach mal für unsere Kindergartenmütter und andere Interessentinnen bei uns im Familienzentrum aufgegriffen und mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Langenfeld und der Agentur Familienzeit organisiert", sagt die Leiterin der Kita, Colette Schweitzer.

Am Tisch sitzen an diesem Abend nicht nur Langenfelder Frauen, die von Brustkrebs selbst betroffen sind, sondern auch drei junge Frauen, die mehr über das Thema wissen möchten. Jedes Jahr gibt es 72 000 Neuerkrankungen von Frauen. Brustkrebs ist die am meisten diagnostizierte Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. 70 Prozent der Tumore werden von Frauen selbst entdeckt. Und auch wenn das durchschnittliche Erkrankungsalter bei 64 bis 65 Jahren liegt, ist die Vorsorge und insbesondere die Selbstuntersuchung bei allen Frauen wichtig. "Es gibt leider keine rote Lampe, die sagt, da ist etwas. Ein Tumor kann still und heimlich wachsen und tut oftmals noch nicht einmal anfangs weh", sagt Dukic. Der Oberarzt empfiehlt deshalb, sich mindestens einmal im Monat in der ersten Zyklushälfte selbst zu untersuchen und zeigt den Teilnehmerinnen, welche Bereiche sie wie untersuchen sollten.

"Es sind immer mehrere Faktoren, die zu Brustkrebs führen können. Es gibt nicht nur eine einzige Ursache", sagt Dukic. Nur fünf bis zehn Prozent seien erblich bedingt. In Köln, Düsseldorf, Bonn und Münster gibt es sogenannte Zentren für "Familiären Brustkrebs". "Hier können Frauen, die in der Familie Brustkrebs haben, mit einem Humangenetiker sprechen und die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, abklären lassen", sagt Dukic. "Ein Tumor ist auch nicht gleich Krebs, es gibt gutartige sowie bösartige Knoten. Deshalb sind die Therapien auch sehr individuell. Werden Knoten in einem frühen Stadium entdeckt, dann gibt es mittlerweile heute sehr gute Heilungschancen", sagt Alexandar Dukic.

Um sich darüber Gewissheit zu verschaffen, sollten Frauen eine Auffälligkeit auf jeden Fall immer abklären lassen. Und auch Männer sind bei dieser Erkrankung nicht außen vor. "Es gibt tatsächlich auch Männer, die Brustkrebs haben können, auch wenn der Prozentsatz erheblich geringer ist", sagt der Oberarzt. "Ich habe immer gedacht, dass Brustkrebs nur die anderen kriegen, ich doch nicht, aber dann ertastete ich durch Zufall auch bei mir beim Duschen einen Knoten. Ich hatte Glück, weil ich nicht locker gelassen habe und das sofort abklären ließ", sagt eine 47-jährige Teilnehmerin.

(vg)