Monheim: Botanikerin kennt jedes Kraut im Rheinbogen

Monheim : Botanikerin kennt jedes Kraut im Rheinbogen

Regina Thebud-Lassak führt morgen in Monheim vorbei an Schillergras und Klappertopf.

Sehenswert und schön gestaltet - das ist der Monheimer Rheinbogen nach Fertigstellung der Deichverlegung im Jahre 2002. Morgen führt die Botanikerin Dr. Regina Thebud-Lassak bei einer etwa dreistündigen Exkursion in dieses Gebiet ein. Seit 37 Jahren ist sie für Volkshochschulen unterwegs und hat schon ganze Generationen von Naturliebhabern in die Geheimnisse der Pflanzenwelt eingeweiht. Die RP machte sich jetzt schon einmal auf den Weg mit ihr. Treffpunkt - wie auch morgen - war der Schützenplatz Am Werth.

Während auf dem ersten Wegstück durch die Lindenallee noch der Deich den Blick begrenzt, öffnet er sich immer mehr beim gemächlichen Anstieg bis zur Deichkrone. Von erhöhter Warte kann der Blick jetzt in alle Richtungen schweifen und bleibt zuerst am Fluss hängen, der das Blau des fast wolkenlosen Himmels intensiv widerspiegelt und wunderbar mit dem vielfältigen Grün von Wiesen, Büschen und Bäumen kontrastiert. Eine Info-Tafel gibt Auskunft über die Schutzwürdigkeit des Gebiets. "Hier sind Deichrückverlegung und historische Rheinläufe gut dokumentiert", sagt die Exkursionsleiterin und zeigt auf den etwa 3,5 Kilometer langen Rundweg.

"Zuerst nehmen wir hier links den Weg auf dem neuen Deich und kehren dann teilweise am alten Deich entlang wieder zurück", erklärt Thebud-Lassak. Große Freude bereitet ihr die Farbenvielfalt an den Seiten des neuen Deiches. "Hier zeigt sich, dass bei Veränderungen nicht immer alles verloren ist." Die Deichbepflanzung sei nach drei verschiedenen Methoden vorgenommen worden. Dort, wo der alte Deich abgebaut werden musste, wurde Sodenmaterial entnommen und auf die Flanken des neuen aufgetragen. Außerdem sei das "Heudruschverfahren" angewandt worden: Mahdgut von anderen Naturschutzgebieten am Rhein wurde auf die Seiten des neuen Deiches gelegt. Wohingegen sich die konventionelle Saatgutmischung nicht zufriedenstellend bewährt habe. "Eine Untersuchung nach fünf Jahren hat gezeigt, dass die beiden ersten Methoden erfolgreicher waren", resümiert die Fachfrau.

Man muss schon genau hinschauen, um zwischen den schlanken Gräsern eventuelle Raritäten zu entdecken. Was wie normaler Hahnenfuß aussieht, entpuppt sich zur großen Freude der Botanikerin als "Knolliger Hahnenfuß", zu erkennen an den nach unten gebogenen Hüllblättern. Plötzlich ein Aufschrei: "Da ist ja Klappertopf!" Die Expertin erkennt zwischen den vielen grünen Stängeln die schon verblühte Pflanze, deren Samen zur Reifezeit innen klappert. Auffallender sind da schon Witwenblume, Margerite, Wiesen-Kerbel und weißes Labkraut, Schmalblättrige Wicke, Weicher Storchschnabel, Straußblütiger Ampfer, Skabiosen- und Wiesen-Flockenblume. Den Blick auf den Boden gerichtet, singen über uns die Lerchen in nimmermüder Ausdauer, ein paar Zitronenfalter kreuzen auf der Suche nach einer Wirtspflanze unseren Blick, und Hummeln machen mit lautem Brummen auf sich aufmerksam.

Nahe Gut Blee, wo Rauchschwalben in den Pferdeställen nisten und munter durch die Lüfte sausen, stoßen wir auf den alten Deich, der als Leitdeich in Funktion bleiben musste. Hier ist Thebud-Lassak auf der Suche nach dem Pyramiden-Schillergras. "Es springt nur ins Auge, wenn es blüht", erklärt sie, um wenig später begeistert auszurufen: "Da ist es ja." Sie führt in die schwierige Gruppe der Gräser ein und macht bei dem Wiesen-Salbei ein interessantes Experiment (siehe Foto): Sie tippt mit dem Kugelschreiber auf die Unterlippe des Lippenblütlers, gerade so als würde dort ein Insekt landen, und löst damit einen Hebelmechanismus aus, der bewirkt, dass die Staubblätter den Rücken des Insekts mit Pollenstaub bepudern. Auffallend auch zum Rhein hin große Flächen mit Kamille und die gelben Stauden der Orientalischen Zackenschote.

Nach Rückkehr auf den Parkplatz geht es nach Hause mit vielen guten Erinnerungen an schöne Stunden im Monheimer Rheinbogen.

(kneb)
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