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Bombe am Monheimer Jahnstadion ist entschärft

Evakuierung nach Bombenfund in Monheim : Bomben im Jahnstadion entschärft

In einem Radius von 400 Metern um die Fundstelle mussten bis zu 2200 Menschen evakuiert werden. 93 Menschen wurden vom DRK in der Mensa der Peter-Ustinov-Gesamtschule betreut. Nach der Entschärfung gegen 15 Uhr konnten die Anwohner in ihre Wohnungen zurückkehren.

Um 14.45 Uhr gab der Kampfmittelräumdiest Entwarnung. Zwei britische 250-Kilogramm-Fliegerbomben mit Heckaufschlagzünder, die am Mittwochmorgen bei Untersuchungen unter dem Rasen des Jahnstadions in einer Tiefe von 1,6 und 2,2 Metern gefunden worden waren, sind erfolgreich entschärft worden. 45 Minuten hatte der heikle Vorgang gedauert. Anschließend wurden die Bomben zur Entsorgung abtransportiert, teilt Pia Mahr von der städtischen Pressestelle mit.

Um 10 Uhr morgens waren die Evakuierungsmaßnahmen der Stadt Monheim angelaufen. 2200 Menschen, die in einem Umkreis von 400 Metern rund um das Jahnstadion wohnen, mussten bis 13.30 Uhr ihre Wohnungen verlassen. Im Radius von 400 bis 600 Metern durften sich Anwohner nur im Innern ihrer Häuser aufhalten – bei geschlossenen Türen und Fenstern.

 Reinhard  Dohmen und Marcel Biwald (v. li) entschärften die Bomben.
Reinhard  Dohmen und Marcel Biwald (v. li) entschärften die Bomben. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

„Achtung, Achtung….Blindgänger…Evakuierungen..... im betroffenen Gebiet...schalten Sie Heiz- und Elektrogeräte aus, löschen Sie offene Flammen und verlassen Sie das Gebäude…denken Sie an Ihre Nachbarn.“ Aus verschiedenen Himmelsrichtungen werden immer wieder Fetzen dieser Durchsage durch die Straßen rund um das Jahnstadion getragen. Nur noch die roten Fahrzeuge der Feuerwehren aus dem ganzen Kreisgebiet sind dort um 11.30 Uhr unterwegs.

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Die Straßen sind nahezu menschenleer. An der Heinrich-Späth-Straße hat Jörg P. (84) einen Feuerwehrwagen angehalten. Er weiß nicht, wo die Sammelstelle ist, die aufzusuchen in der Durchsage empfohlen wird. Und wie er da hinkommen soll. Und er will wissen, wie lange er dort wird ausharren müssen. Das Deutsche Rote Kreuz wird verständigt, um ihn abzuholen. Ute Klimach (82), die schon seit 47 Jahren am Jahnstadion wohnt, hat besondere Beziehungen zu dem Sportplatz, wo einst ihr Mann die Jugend trainierte und ihr Sohn seine Fußballkarriere antrat. Jetzt will sie von den Feuerwehrleuten wissen, ob sie ihr Fenster offenstehen lassen soll. Die empfehlen: schließen. Sie will sich mit dem Fahrrad zu ihrem Sohn nach Blee aufmachen.

Keine Option für viele der älteren Leute ist die Sammelstelle in der Mensa der Peter-Ustinov-Gesamtschule – sofern sie über Freunde und Verwandte in Monheim verfügen. Zwei ältere Damen zuckeln mit ihren Rollatoren über die Krischerstraße. Margit Wöhling (86) hatte auf dem Markt von dem Bombenfund erfahren. „Ich wurde gefragt: Was läufst Du hier noch herum?“ Sie sei dann nach Hause zurückgekehrt, um ihren Personalausweis und das Familienstammbuch zu holen. Das Wichtigste eben. In der Hoffnung, dass das Haus in der Niederstraße nach ihrer Rückkehr noch steht, nutzt sie jetzt das Obdach, dass ihr eine Bekannte in der Kirchstraße gewährt. Maria Spielmann (82) hat einer der Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes verständigt, die bei ihren Rundgängen durch die betroffenen Straßen von Haus zu Haus gehen. Da die Bekannten, bei denen sie vorübergehend Asyl finden wollte, nicht da sind, steuert sie mit ihrem Rollator jetzt das Monheimer Tor an: „Meinen Sitz habe ich ja dabei.“

Zwar hat die Stadt ihre Informationen über die Evakuierungs- und Entschärfungsarbeiten über alle digitalen Kanäle ausgespielt, die ältere Generation ist aber nach wie vor nur durch direkte Ansprache erreichbar. Deshalb sind am Vormittag insgesamt rund 150 Helfer von Polizei, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz sowie Stadt im Einsatz. Auch Thomas Wolk, der über die Warn-App Nina von dem Bombenfund erfuhr, hat seine Familie in der Jahnstraße per WhatsApp informiert. „Weil Mutter und Oma im Rollstuhl sitzen, musste ich einen Transport organisieren“, berichtet der 36-jährige Baumberger, der selber im Katastrophenschutz arbeitet. „Jetzt sehe ich das mal aus der anderen Perspektive.“

In der Sammelstelle in der Gesamtschule-Mensa betreute das DRK 93 Personen, darunter zehn Bewohner aus den Übergangswohnheimen an der Niederstraße. „Dort sitzen sie alle warm und trocken und erhalten warme und kalte Getränke“, berichtet Einsatzabschnittsleiter Roland Albien. Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes hatten gegen 10 Uhr gemeinsam mit Polizei, Security-Dienst und SKFM die Übergangsheime geräumt und die Bewohner mit Bussen abtransportiert.

Die Bomben galten im Zweiten Weltkrieg den im heutige Gewerbegebiet Rheinpark liegenden Rhenania-Ossag-Mineralölwerke. Sie waren wegen der Herstellung kriegswichtiger Schmierstoffe mehrfach das Ziel schwerer Luftangriffe. Inzwischen haben Briten und Amerikaner den Deutschen ihre Überflugbilder zur Verfügung gestellt, mit denen sie nach den Kampfeinsätzen durch Fotos die Einschläge und Wirkung ihrer Angriffe kontrollierten.