1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Langenfeld: Bio – eine Frage des Bewusstseins

Langenfeld : Bio – eine Frage des Bewusstseins

Längst hat der Bio-Boom die Mittelschicht erreicht. Neben Filialisten sind aber vor allem inhabergeführte Geschäfte sichere Häfen gerade für Neulinge in Sachen gesunder und nachhaltiger Ernährung. Die RP hat sich umgesehen.

Bio sei mehr als ein Etikett, sagt Gerhard Fink. "Eine Frage des Bewusstseins." Und zwar eine, die sich längst nicht mehr nur Korksandalen tragenden Körner-Ökos stelle, sondern längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Der Betreiber des Biomarkts "Gute Erde" in Langenfeld ist ein Quereinsteiger. Früher, erzählt er, habe er in der Industrie gearbeitet. Den Wechsel ins Geschäft mit Bio-Produkten habe er aus Überzeugung vollzogen. "Bio macht mittlerweile auch Aldi." Ihm gehe es vor allem darum, ganzheitlich Gesundheit zu vermitteln. Im umfangreichen Sortiment, das von frischem Obst, Gemüse und Brot über Molkereiprodukte, Bio-Bier und ökologisch angebauten Weinen bis hin zu Kosmetika reicht, ist Ausdruck dieses Ansatzes.

Hervortun müssten sich Händler wie er durch fachlich fundierte Beratung und Kundennähe, so Fink, der im Vorübergehen einen Kunden mit Namen begrüßt. Besonders stolz ist er auf sein "Bio Einkauf System" (B.E.S.): Ab 19 Euro im Monat können Kunden beitreten und profitieren, indem ihnen 20 Prozent Nachlass auf einen Großteil der Produktpalette gewährt wird. "Eine Art Einkaufsgemeinschaft", erklärt Gerhard. Bereits ab 25 Euro wöchentlicher Einkaufskosten rentiere sich das System. Demnächst wird zudem ein monatliches Kundenmagazin erscheinen, das sich ausführlich Gesundheitsthemen widmen wird. In der hauseigenen Bücherei können sich Interessierte gegen ein Pfand in Höhe des jeweiligen Kaufpreises Bücher unbefristet ausleihen – oder gleich behalten. Es gelte viel nachzuholen, so Fink, "Gesundheit hat leider immer noch keine Lobby." Als Beispiel führt er getrocknete Stevia-Blätter an: "Ein natürlicher Süßstoff, ideal für Diabetiker. Der Zucker- und Süßstofflobby aber ein Dorn im Auge."

  • Der französische Fußball-Verband führt einen Gesundheitspass
    Wegen Corona : Französischer Fußballverband führt Gesundheitspass ein
  • Tanja und Oliver Neumann betreiben die
    „Brennnessel ist die Königin der Wildpflanzen“ : Leidenschaft für Wildkräuter zum Beruf gemacht
  • Symbolbild.
    Geld und Leben : Aktienanlage funktioniert am besten ohne Emotionen - auch beim Klimaschutz

Im Haaner Biobahnhof erwartet gesundheitsbewusste Einkäufer ein prächtiger frisch renovierter Verkaufsraum mit hohen Stuckdecken – und mit Inhaberin Patricia Buchmann eine sympathische Qualitätsfetischistin. In erster Linie werde tagesfrische Verbandsware von Demeter, Bioland oder Naturland verkauft: "Denen vertraue ich." Das um die Jahrhundertwende erbaute Haus ist für "Foodies" indes auch des reichen Käseangebots wegen eine Reise wert. Buchmann beschreibt ihre Klientel als Mittel- und gehobenen Mittelschicht angehörig. "Die kommen mit einer bestimmten Überzeugung und sind bereit, für gute Qualität auch mehr zu bezahlen." Insgesamt erlebe sie ihre Kunden als "sehr reflektiert, was Themen wie Umwelt und Nachhaltigkeit angeht." Ins Sortiment kommen bei ihr nur Produkte, mit denen sie sich hundertprozentig identifiziere, "anders geht es nicht." Bei Kosmetik setzt sie auf Dr. Hauschka, jener deutschen Marke, die mittlerweile auch in Hollywood angekommen ist.

Sowohl Fink als auch Buchmann leben, was sie predigen. Ausnahmslos? Fink lacht. Manchmal überkomme es ihn und er brauche Pommes, bekennt er. "Alles eine Frage der Balance." Für Buchmann sind Lakritzbonbons eine lässliche Sünde. Pizza, deutet sie schmunzelnd auf den Tiefkühlschrank im Hinterraum, gebe es ja auch Bio.

Der Biomarkt der Kette "denn's" erfährt in Hilden einen großen Zuspruch von Familien und jungen Menschen. "Unsere Kunden achten auf eine vollwertige, ausgewogene und gesunde Ernährung", sagt Sprecherin Antje Müller. Das Unternehmen betreibt über 90 Filialen in ganz Deutschland, seit März auch in Hilden. Gründe für den Einkauf seien Überzeugung, Trendbewusstsein oder gesundheitliche Gründe, teilt Müller mit. Der Unterschied zu Nicht-Bio-Produkten sind strengere Qualitätskriterien. Die Folge sind leicht erhöhte Preise. Kostet ein Kilogramm Möhren etwa im Supermarkt nur 66 Cent, zahlt man bei denn's 1,29 Euro.

(RP/rl)