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Langenfeld: Bibliothek erhöht Gebühr auf 15 Euro

Langenfeld : Bibliothek erhöht Gebühr auf 15 Euro

Der Erwachsenen-Ausweis soll künftig 15 statt 14 Euro pro Jahr kosten. Damit will die Bücherei gestiegene Kosten decken.

Ein viel entliehener Bestseller-Roman, etliche Seiten liegen lose oder halblose in dem Taschenbuch. Vorsicht trennt Daniela Eßer die Seiten heraus, um sie wieder zusammenzukleben. "Wenn das Buch wieder heile ist, dürfte es noch einige Ausleihen erleben", sagt die Mitarbeiterin der Langenfelder Stadtbibliothek. Die 24-Jährige trägt mit ihrer Arbeit in der Buchwerkstatt dazu bei, dass das Budget des Hauses nicht aus dem Leim geht.

600 000 Euro umfasst es insgesamt, 58 000 davon sind für den Medieneinkauf vorgesehen. Damit trotz leichter Preissteigerung weiter gut ein Zehntel des Bestandes jährlich erneuert werden kann, hat Bibliotheksleiterin Martina Seuser jetzt eine Erhöhung der Jahresgebühr für Erwachsene beantragt. Der Benutzerausweis soll künftig 15 statt 14 Euro kosten. Am nächsten Donnerstag wird der städtische Kulturausschuss darüber entscheiden (Sitzungsbeginn: 18 Uhr in Rathaus-Raum 187).

Minderjährige sind von der Gebührenerhöhung nicht betroffen. Kinder zahlen weiter nichts, Jugendliche (14 bis 17 Jahre) fünf Euro pro Jahr. "Einzig beim Tagesausweis schlagen wir eine Erhöhung von 2,50 auf drei Euro vor, um diese Gebühr der Jahresgebühr anzupassen", sagt Seuser.

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In einem Aufwasch miterledigen soll der Ausschuss eine Satzungsänderung, die den Einwurfkasten für die Medienrückgabe betrifft. Ihn können Bibliothekskunden außerhalb der Öffnungszeiten nutzen. Das Gerät vermerkt per Funketikett (RFID), welche Medien wann genau zurückgegeben wurden. Laut Seuser trifft die Neuregelung Vorsorge für Fälle, in denen die Technik versagt oder ein Bedienfehler vorliegt: "Dann bleiben wir nicht auf den möglicherweise fälligen Säumnisgebühren sitzen." Im Klartext: Nicht die Bibliothek, sondern der Kunde trägt das Risiko einer Nichtverbuchung kurz vor Ende der Ausleihfrist.

Das klingt kleinlich, hat aber einen konkreten Hintergrund: Werden Säumnisgebühren fällig, weil ein Kunde seine Medien nicht rechtzeitig zurückgegeben hat, bekommen die Bibliothekare laut Seuser regelmäßig zu hören: "Ich habe doch online verlängert". Ob Ausrede oder nicht, in der Satzung ist klar geregelt: Ist eine Verlängerung in der Bibliothek nicht "angekommen", gilt sie als nichtexistent. Der Kunde muss Säumnisgebühren zahlen. Diese Haftungsklärung wird nun auch auf den Nachtbriefkasten übertragen.

Pro Medium wird bei Überschreiten der Rückgabefrist ein Euro Gebühr fällig, die sich nach jeder weiteren Woche Verspätung um je zwei Euro erhöht. Am achten Tag nach Fristende schickt die Bibliothek ein Erinnerungsschreiben raus, nach vier Wochen ein weiteres. "Da manche bei der Ausleihe mengenmäßig ordentlich zulangen, kann es, wenn auch selten, vorkommen, dass jemand mehr als 100 Euro hinlegen muss", berichtet die Bücherei-Chefin.

Die Bereitschaft zur Kulanz hält sich hier bei Seuser in Grenzen: "Wir haben nun wirklich geringe Ausleihgebühren. Da kann man nicht erwarten, dass wir auf die Einhaltung von Regeln pfeifen, über die jeder Kunde klar in Kenntnis gesetzt wurde." Ausnahme: Jemand legt ein ärztliches Attest vor. Ähnliches gelte "selbstverständlich" für Schicksalsschläge: "Wenn jemand um seinen verstorbenen Ehepartner trauert, fragen wir natürlich nicht: Und was ist mit den Säumnisgebühren?!"

Etwa zwei bis vier Mal im Jahr kommt es laut Seuser vor, dass ein Kunde seine Medien gar nicht zurückbringt. "Dann wird die Angelegenheit an die Stadtkasse verwiesen und - falls nötig - an den Gerichtsvollzieher." Der versucht dann, die Medien plus Säumnisgelder einzutreiben.

Dass Kunden beschädigte Medien zurückbringen, gehört hingegen zum Tagesgeschäft. "Neulich ist einem Kunden ein Fantasy-Bestseller in die Badewanne gefallen. ,Tosender Sturm' heißt der. Die Badewanne hat den Titel wohl zu wörtlich genommen", erzählt die Chefbibliothekarin schmunzelnd. Doch ob tosender Sturm oder nur kalter Kaffee - der Ausleiher muss das versiffte Medium ersetzen. Im Badewannen-Fall ging es um 16,99 Euro.

Selbst ohne Malheur - irgendwann sind auch die robustesten Medien hinüber. "Manche Taschenbücher halten keine 20 Ausleihen, bestimmte gebundene Werke kommen auf 150 und mehr", weiß Seuser und schätzt den Durchschnitt auf "30 bis 50 Ausleihen". Danach wird ein Buch ersetzt. Ähnliches gilt für andere Medien. Voriges Jahr hat die Stadtbibliothek fast 6000 Medien neu angeschafft: 1393 Romane für Erwachsene, 1367 Kinder- und Jugendbücher, 903 Sachbücher, 1200 Zeitschriften, 1065 CDs und DVDs, 41 Konsol- und Computerspiele sowie 20 Brettspiele.

(RP)