Langenfeld: Regenwasserkanäle zu klein für Starkregen Bürger wehren sich gegen Neubaupläne

Langenfeld · Der rechtsgültige Bebauungsplan aus dem Jahr 2000 erlaubt die Errichtung von Häusern an der Niederstraße.

 Die Wiese unterhalb der Rheindorfer Straße (rechts) wird bebaut ebenso wie das gegenüberliegende Areal (links) nach dem Abriss einiger alter Gebäude.

Die Wiese unterhalb der Rheindorfer Straße (rechts) wird bebaut ebenso wie das gegenüberliegende Areal (links) nach dem Abriss einiger alter Gebäude.

Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Die Bürger an der Niederstraße im kleinen Ortsteil Mehlbruch, an der gerade 33 Haushalte liegen, wehren sich gegen die Pläne der Stadt Langenfeld. Die hat vor 20 Jahren einen Bebauungsplan aufgestellt, der Wohnbebauung zulässt. Inzwischen hat ein Investor das Areal eines ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebes sowie eine gegenüberliegende Wiese gekauft. Dort sollen nun an beiden Standorten zwischen 38 bis zu 42 neue Wohnungen an der Straße entstehen.

2021 sind viele Bewohner der Niederstraße im wahrsten Sinne des Wortes abgesoffen. Von der Grünewaldstraße und den angrenzenden höher gelegenen Felder schossen die Wassermassen über die Rheindorfer Straße ungebremst in die Senke: Die Niederstraße wurde zum „Kanal“.

„In vielen Häusern standen die Keller voll Wasser“, erinnert sich Andreas Leicher. „Und nun will die Stadt hier zusätzliche Flächen versiegeln“, empört er sich. „Wir sind 2000 an das Trennsystem der Stadt angeschlossen worden und schon damals warnten langjährige Bewohner, dass die Größe des Regenwasserkanals für die Wassermassen nicht ausreichen. Die schon damals unterdimensionierten Kanäle sind auf die heutigen Starkregenfälle gar nicht ausgelegt“, ist sich Leicher sicher. Ein Video zeigt, wie die bestehenden Regenkanäle bereits nach einem siebenminütigem Gewitter das Regenwasser nicht mehr aufnehmen können. „Und jetzt sollen weitere Flächen versiegelt werden.“ Das passe nicht zusammen, zumal die vorgelegten Pläne des Investors zusätzlich zwei Stichstraßen und eine Tiefgarage vorsehen.

Leicher legt die Ergebnisse des Ingenieurbüro Reinhard Beck vor, das für die Stadt Langenfeld eine Starkregengefahrenkarte entworfen hat. Die Karte zeige, dass die Niederstraße zu den am meisten von Starkregen gefährdeten Gebieten von Langenfeld gehört.

„Wir Bürger versuchen nach den Erfahrungen von 2021 auf unseren Grundstücken so viel Versickerungsflächen wie möglich zu schaffen. Einige Anwohner haben ihre versiegelten Flächen wieder entsiegelt“, sagt Leicher. Er selbst, der Regenwasser in seine Zisterne ableitet, hat seine Scheune abgerisssen, um eine zusätzliche Versickerungsfläche zu schaffen. „Und nun wird nebenan eine Straße gebaut, die zur Tiegrage und weiteren Wohnungen führt. „Grundsätzlich haben wir nichts gegen eine weitere Bebauung, aber sie muss sich den Gegebenheiten anpassen.“

Hinzu komme die Planung eines Kinderspielplatzes direkt an der rund 370 Meter langen Niederstraße. Doch die verfügt nicht einmal über einen Gehweg. An der engsten Stelle ist sie gerade einmal 3,90 Meter breit - auf dem Rest der Straße können allenfalls zwei Kleinwagen ohne Ausweichen aneinandervorbeifahren. Andere Fahrzeuge müssen auf den zum Teil unbefestigten Seitenstreifen ausweichen. Die Anwohner bezweifeln auch, dass die Belange des Vogelschutzes ausreichend gewürdigt worden sind. Rings um die Straße gebe es auf dem nun zu bebauenden Gelände eine Sperlingpopulation und auch eine Schleiereule sei gesichtet worden. 

Besonders sauer sind die Anwohner auf die Stadtverwaltung, die sich bislang weigert, mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten. „Selbst ein Einschreibebrief an den Bürgermeister hat nicht genutzt, das Schweigen aus dem Rathaus zu brechen. „Die ignorieren uns“, sind die Anwohner erbost. Denn auch Fragen zum Schutz der Anwohner würden so ignoriert. Niemand wisse, was während eines Starkregens passiere, wenn die Hebeanlage an der Niederstraße durch einen Stromausfall nicht mehr arbeiten könne. Und dass die Stromversorgung nicht optimal sei, zeige sich häufiger mal bei der Straßenbeleuchtung.

Noch vor kurzem hatte die Verwaltung gegenüber der Politik erklärt, dass alle Bebauungspläne auf Hochwasserschutz überprüft werden. „Wir haben den entsprechenden Bebauungsplan auf Hochwasserprobleme überprüft“, sagt Thomas Küppers, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung. Daraus ergäben sich keine hochwasserrelevanten Gründe, dort eine Bebauung abzulehnen, so Küppers. „Die uns vorgelegte Planung ist überdimensioniert“, bestätigt er die Kritik der Anwohner. Es gebe Überbauungen, die die Stadt nicht genehmige. Nun sei es an dem Investor, neue Pläne vorzulegen. Die Verwaltung sei mit den Planern im Gespräch.

Grundsätzlich hätten Bauherren bei genehmigten Bauplänen, das Recht, dort Gebäude zu errichten. Die Planungen müssten sich in die bestehenden Baustrukturen einfügen. Es könne dort beispielsweise kein Hochhaus gebaut werden, was in den Plänen auch nicht vorgesehen sei..

„Nein, wir werden an der Struktur der Straße nichts ändern. Eine Erweiterung der Straße um Geh- oder Radwege ist nicht geplant“, erklärt Küppers auf Nachfrage. Zu dem geplanten Kinderspielplatz könne er sich noch nicht äußern.

Thema - Neubauvorhaben in Langenfeld Mehlbruch an der Niederstrasse. © Fotografie RALPH MATZERATH, Sandstraße 7, 42781 HAAN - Veröffentlichung gegen Honorar und Namensnennung.  »»»»» HINWEIS: Bei Weitergabe oder Verwendung des Fotos zu anderen Zwecken als der vereinbarten redaktionellen Berichterstattung in Form des ERSTDRUCKES innerhalb der Mediengruppe Rheinische Post erlischt jeglicher Haftungsanspruch an den Bildautor. ««««

Thema - Neubauvorhaben in Langenfeld Mehlbruch an der Niederstrasse. © Fotografie RALPH MATZERATH, Sandstraße 7, 42781 HAAN - Veröffentlichung gegen Honorar und Namensnennung. »»»»» HINWEIS: Bei Weitergabe oder Verwendung des Fotos zu anderen Zwecken als der vereinbarten redaktionellen Berichterstattung in Form des ERSTDRUCKES innerhalb der Mediengruppe Rheinische Post erlischt jeglicher Haftungsanspruch an den Bildautor. ««««

Foto: Matzerath, Ralph (rm-)
 Andreas Leicher vor seiner neuen Versickerungsfläche. Viele Anwohner wollen den B-Plan überprüfen lassen. 

Andreas Leicher vor seiner neuen Versickerungsfläche. Viele Anwohner wollen den B-Plan überprüfen lassen. 

Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Die Anwohner selbst wundern sich inzwischen über den Abriss eines der alten Gebäude. Dort rückten in der vergangenen Woche Bauarbeiter an, gingen auf das Dach und entfernten die Ziegel. Doch dabei habe der Abrisstrupp vergessen, ein Sicherheitsgerüst aufzustellen. Ein Nachbar fragte nach, doch die Männer verstanden ihn nicht. Der anwesende Mitarbeiter eines Bauunternehmens aus Bergisch Gladbach verstand allerdings, dass da etwas nicht in Ordnung ist. Aber erst, als der Anwohner mitteilte, dass die Berufsgenossenschaft sehr große Ohren bekommen habe. Kurz darauf hätten die Männer mit ihren zwei Kleintransportern die Baustelle verlassen.

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