Langenfeld: Bauverein: Heizkosten ständig im Blick

Langenfeld : Bauverein: Heizkosten ständig im Blick

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Leipziger Firma Ennovatis setzt der Bauverein Langenfeld auf moderne Technik.

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Leipziger Firma Ennovatis setzt der Bauverein Langenfeld auf moderne Technik.

Heizen, Strom und Wasser werden von Jahr zu Jahr teurer. So warb Umweltminister Peter Altmaier (CDU) in diesem zu Ende gehenden Winter dafür, Innenräume nur auf 18 Grad zu erwärmen, um Kosten zu sparen. Da sich aber nicht jeder Bundesbürger bei solchen Temperaturen wohlfühlt, ist der "bewusste" Verbrauch von Energie gefragt.

Die Leipziger Firma Ennovatis hat sich dieses Thema zu Herzen genommen und arbeitet schon seit 2008 mit dem Bauverein Langenfeld (BVL) zusammen. Seit Herbst 2012 betreiben die beiden Instanzen nun ein Forschungsprojekt, das durch eine Veranschaulichung des Energieverbrauchs ein neues energetisches Bewusstsein beim Endverbraucher wecken soll.

Das Projekt, das noch bis Ende Mai laufen wird, betrifft in Langenfeld 37 BVL-Haushalte, verteilt auf zehn Häuser. Die Projektteilnehmer erhielten kostenfrei elektrische Thermostatventile und Raumtemperaturfühler. Von diesen Geräten werden Informationen an das Herzstück des Systems, die sogenannte Smartbox, weitergeleitet. Außerdem erhielten die Mieter einen kostenfreien Tablet-PC, auf dem die Infos aus der Smartbox zusammengefasst und veranschaulicht werden. "Auf diese Weise haben die Mieter ihren Verbrauch gleich mit den verbundenen Kosten vorliegen", sagt Dan Hildebrandt, Vertreter der Ennovatis GmbH. "Der Vorteil ist also, dass man nicht erst eine Rechnung abwarten muss, um gegebenenfalls sein Verbrauchsverhalten zu ändern. Auf dem Tablet-PC wird der Wärme-, Strom- und Wasserverbrauch täglich aktualisiert."

Die Maßnahmen zur Energieeffizienz basieren auf einem europaweiten Forschungsprojekt, dessen Ziel es ist, EU-Richtlinien in Bezug auf Pflichtbenutzung von Energiemanagementsystemen zu erstellen. Partner des Projekts sind Bauvereine aus England, Spanien und Bulgarien. "Eine grundlegende Frage ist jedoch, ob die moderne Technik in Form von Tablet-PCs überhaupt Einfluss auf den Verbrauch nehmen kann", sagt Hildebrandt. "Außerdem muss genau überprüft werden, ob genormte europaweite Richtlinien sinnvoll sind." Unterschiede in Klima und Einkommen haben direkten Einfluss auf den Energiehaushalt. So sei der Verbrauch im britischen Bristol anders als im spanischen Barcelona (beide Städte sind Partner des Projekts), auch aus dem Grund, dass sich die britische Technik von der spanischen unterscheide.

Beim Bauverein Langenfeld ist die Nutzung moderner Technik längst Normalität. "Mieter können schon seit Jahren ihren Verbrauch und die damit verbundenen Kosten auf unserem Internetportal einsehen", erklärt BVL-Sachbearbeiter Michael Spieth. So wurden 2009 die ersten 45 Smartboxen von Ennovatis geliefert; mittlerweile hat jedes BVL-Gebäude ein Gerät. Ziel der Partner auf lokaler Ebene ist nicht nur die Weiterentwicklung des Mieterserviceportals, sondern auch die Optimierung von Zentralheizungen und natürlich die Vermeidung von Verschwendung. "Je nach Möglichkeit wollen wir alle unserer Gebäude mit der nötigen Technik ausstatten", sagt Spieth.

Die Ennovatis GmbH betreute in einem Pilotprojekt bereits ein Haus in Leipzig und zwei Häuser in Bitterfeld. "Da generell im Osten des Landes tendenziell eher wenig Energie verbraucht wird, wollten wir den Versuch in einer anderen Region wiederholen", erklärt Hildebrandt. "Da deutschlandweit der Energieverbrauch in Nordrhein-Westfalen am höchsten ist, fiel unsere Wahl auf Langenfeld. Dort haben wir im BVL einen langjährigen Partner, der ständig an effizienten Neuerungen interessiert ist."

Bevor Ende Mai Bilanz gezogen werden kann, steht schon jetzt eines fest: Der Verbrauch ist individuell abhängig und kann dadurch auch individuell reguliert werden. Es muss also nicht jeder bei konstant 18 Grad wohnen.

(RP)
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