Langenfeld: Baupläne und Bewerber gezeigt

Langenfeld : Baupläne und Bewerber gezeigt

In einer Evangelischen Gemeindeversammlung stellten sich gestern Kandidaten zur Presbyteriumswahl vor, bei der Erich Jacobi nicht mehr antreten wird. Gemeindezentrum Stettiner Straße wird erweitert.

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Pfarrerin Margret Overhoff arbeitete sich in ihrer Predigt gestern vor der Evangelischen Gemeindeversammlung an der als Aufruf zur tätigen Nächstenliebe gelesenen Stelle des Lukasevangeliums ab. Weil der Samariter "ein Stück der Zukunft Gottes gelebt habe". Bei der auf den Gottesdienst folgenden Versammlung ging es nämlich um die Zukunft der Gemeinde. Und wer die im Blick habe, so Overhoff, müsse eben die richtigen Prioritäten setzen: "Euros sind nicht alles." Und doch hängt vom schnöden Mammon eine ganz wichtige Weichenstellung ab: die Erweiterung des Gemeindezentrums an der Stettiner Straße.

Wahl am 5. Februar

Dass manchmal erst investiert werden müsse, um sparen zu können, sei zwar nicht für jeden einsichtig, bei einer 60 Jahre alten Immobilie aber nun mal so, sagt Erich Jacobi, Vorsitzender des Presbyteriums. Das Leitungsgremium wird am 5. Februar neu gewählt werden. Insgesamt 25 Kandidaten aus den drei Gemeindebezirken Erlöser- und Johanneskirche, Lukaskirche, sowie Martin-Luther-Kirche stellten sich gestern in von Pfarrer Andreas Pasquay moderierten "Talk-Runden" vor. Jacobi, der nach 24 Jahren Presbyteriumsarbeit nicht mehr wieder gewählt werden kann, weil er die Altersgrenze erreicht hat, wurde verabschiedet.

Im Gemeindesaal waren zudem die eingereichten Entwürfe des Architektenwettbewerbs zu sehen. Als Sieger wurde von einer Jury der Entwurf des Kölner Büros Kastner Pichler gekürt - einstimmig. Pfarrer Christof Bleckmann indes weist darauf hin, dass ein Baubeschluss erst noch gefasst werden müsse. Wie sie aussehen soll, "die neue Mitte" der Gemeinde, das zeigen Entwurf und Modell also schon mal: Kirche, Verwaltung, Familienbildungsstätte und Jugendarbeit unter einem Dach. Die "Seele" des neuen Hauses wird das zentrale Foyer. Der Altarbereich im Kirchenraum soll durch ein Oberlicht heller werden, "die homogene Holzvertäfelung unterstützt die kontemplative Stimmung", so die Architekten.

Pfarrer Pasquay stellte Fragen

Bei der Kandidatenvorstellung geht es naturgemäß stark personenbezogen zu. Je eine Frage stellt Pasquay den Kandidatinnen und Kandidaten zu deren "Wahlvorhaben". Jeder Presbyter, so Jacobi, setze ja andere Themen-Schwerpunkte. Die Jüngeren, wie Karoline Schütz (20) oder Katrin Schreiber (24) wollen sich besonders für die Belange von Kindern und Jugendlichen einsetzen. Susanne Neusser (55) wirft ihre Erfahrung in die Waagschale, bereits vor 16 Jahren wurde sie zur Presbyterin gewählt. Es sei doch "toll, dass uns nie etwas aufgedrückt wurde, sondern dass wir immer selbst entscheiden konnten." Das solle auch künftig so bleiben, dafür wolle sie sich stark machen.

Wenn er dürfte, sagt Erich Jacobi, würde er ja weiter machen. Fit und frisch genug wenigstens fühlte er sich. Sein Schwerpunkt seien stets Struktur- und Personalfragen gewesen. "So eine Gemeinde ist vergleichbar mit einem respektablen mittelständischen Unternehmen", das Kunststück bestehe deshalb darin, das Wesentliche nicht aus dem Auge zu verlieren - das christliche Menschenbild. Und: Wer auch immer ihm nachfolge, müsse erkennen, dass er alleine nichts bewirken könne, denn auch der Präses sei bloß "primus inter pares".

Vielleicht habe er mit seiner emotionslosen, sachlich-nüchternen Art manchmal genervt, sagte Jacobi. "Aber überlegen sie doch mal, wie viele Bagatellen, ja Petitessen sich sonst zum ausgewachsenen Streit entwickeln." Zufrieden ist er damit, wie sich die Außendarstellung der Gemeinde im Laufe der Jahre gewandelt hat: "Wir waren mal bloß Appendix. Jetzt werden wir ernst genommen."

(maxl)
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