Baumberger treffen sich im Erzählcafé Monheim

Monheim : Baumberger treffen sich im Erzählcafé

In der Friedenskirche ging es diesmal um das Thema Geborgenheit – hinter dicken Mauern, aber besonders auch unter vertrauten Mitmenschen.

Um den Begriff der Geborgenheit ging es beim vierten Erzählcafé „Unterwegs“, einem gemeinsamen Angebot vom Ulla-Hahn-Haus, der Caritas und dem Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) Monheim. In der Friedenskirche in Baumberg kam ein dutzend Interessierter zusammen, die sich poetisch und nahezu wissenschaftlich zur Bedeutung des Ur-Bedürfnisses austauschte.

Für Klaus-Dieter Schultz hat Geborgenheit mit Schutz zu tun. Dieses Gefühl spürt der Baukirchmeister der Friedenskirche auch in dem bunkerartigen Bau des Baumberger Gotteshauses. Hinter den dicken Betonmauern der Kirche fühle er sich beschützt und geborgen, erzählte er in der intimen Runde, moderiert von WDR-Moderatorin Annette Hager. „Manche mögen bei Geborgenheit vielleicht auch an eine kuschelige Ecke mit vielen Stoffen und runden Formen denken. Aber auch diese Kirche hat viele Ecken, viele Räume, die sich variabel gestalten lassen. Und wenn sich die Räume mit Menschen füllen, dann herrscht Geborgenheit.“

Dass auch die Präsenz anderer einem wohlgesonnenen Menschen Geborgenheit vermitteln, stellte Schultz fest, als er für eine Zeit mit seiner Familie in den USA lebte. „Wir haben in einem großen Haus gewohnt, wo jeder ein eigenes Zimmer hatte, und dennoch haben meine beiden jüngsten Kinder abends immer zusammen geschlafen.“ Sie hätten in der Fremde wohl beieinander Geborgenheit gesucht, glaubt Schultz.

Dieser Logik folgend, bemerkten weitere Anwesende, dass nicht nur Schutz, sondern auch Vertrauen und räumliche Nähe wichtig seien, um Geborgenheit zu spüren. Das Gefühl bedingungslos angenommen zu sein, wie das Neugeborene, das bei der fürsorglichen Mutter, Liebe und Wärme erhält, sei wichtig für die Entwicklung eines jeden Kindes, bemerkte Iris Welter, Diplom-Psychologin und Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Erziehungshilfe. „Es ist ein Ur-Vertrauen, dass wir, wenn wir es mal erhalten haben, mit uns mitführen, sodass wir uns auch alleine geborgen fühlen können.“

Es muss nicht immer eine Personengruppe oder ein bestimmter Mensch sein, bei dem man sich geborgen fühlt, bemerkten andere Anwesende. Manchmal ist es ein Ort oder eine Landschaft, der man sich verbunden fühle, ein Geruch, der Erinnerungen wecke und das Gefühl von Schutz, Liebe und Wohlbefinden auslöse. Ob auch Flüchtlinge in der Fremde das Gefühl von Geborgenheit erfahren, fragten sich die Teilnehmer des Erzählcafés. SKFM-Psychologe Johannes Anderski bemerkte, dass es ein spürbares Defizit sei. Doch allein die Sicherheit in einem Land sei nicht mit Geborgenheit vergleichbar. „Dazu benötigt es auch Begegnung.“ Wer sich Netzwerke schaffe, einen Freundeskreis aufbaue, der könne auch in der Fremde Geborgenheit spüren.

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