Monheim: Baumberger Chorkonzerte sind bedroht

Monheim : Baumberger Chorkonzerte sind bedroht

Nach der Sonderbauverordnung dürften die Konzerte der beiden Baumberger Chöre in der nicht zur Versammlungsstätte bestimmten Turnhalle der Armin-Maiwald-Schule eigentlich nicht stattfinden.

Unabsichtlich trat Markus Gronauer (CDU) mit einer Anfrage kürzlich im Haupt- und Finanzausschuss die Lawine los. Die Verwaltung hat offenbar jahrelang die Nutzung der Armin-Maiwald-Turnhalle als Konzertsaal stillschweigend geduldet, obwohl hier die Regeln der Sonderbauverordnung hätten angewandt werden müssen.

Als der Tagesordnungspunkt "Vereinbarung mit der Nachbarschaft des Bürgerhauses Baumberg" aufgerufen wurde, erkundigte sich Gronauer, warum eine Erweiterung des Bürgerhauses auf die benachbarte Turnhalle untersagt werde und was dies für die Konzerte des Baumberger Männer- und des Frauenchores bedeute. "Die Turnhalle ist nicht zur Versammlungsstätte ertüchtigt. Deshalb darf diese nicht für andere als sportliche Zwecke genutzt werden", erklärte daraufhin Michael Lobe vom Gebäudemanagement. Der für Sicherheit zuständige Fachbereichsleiter Uwe Trost milderte diese Aussage dahingehend ab, dass ja die bisherigen Konzerte in Absprache mit der Schule und dem Bürgerhaus reibungslos verlaufen seien. Dass also die Verwaltung diese zweckentfremdende Nutzung der Halle "nicht kategorisch ausschließt", solle ins Protokoll aufgenommen werden, forderte die CDU. Bürgermeister Daniel Zimmermann jedoch wollte lediglich eine Einzelfallprüfung zusagen.

"Ich habe von diesen Konzerten in der Turnhalle nichts gewusst", sagt Michael Kraus von der Bauaufsicht. Ansonsten hätte er eingreifen müssen. Denn wenn sich in einer Turnhalle mehr als 200 Personen aufhalten, nimmt sie den Charakter einer Versammlungsstätte an, dann muss sie nach der Sonderbauverordnung baulich und technisch ertüchtigt werden. Er verweist auf das Beispiel der Sandberghalle, in der die Schwalbenjecke wiederkehrend eine Karnevalssitzung mit mehr als 1000 Besuchern abhalten. Da dies nur einmal jährlich der Fall ist, wurde die Halle zwar nicht komplett umgebaut; Aber die Jecken müssen eine Reihe von Auflagen erfüllen: eine Brandwache installieren, einen Fluchtwegeplan ausarbeiten, Sicherheitsbeauftragte benennen und zu Anfang der Sitzung bekanntmachen, ein striktes Rauchverbot einhalten. Außerdem wurde eine Notbeleuchtung installiert.

Eigentlich galten diese rechtlichen Voraussetzungen auch schon vor dem Duisburger Loveparade-Unglück 2010. "Aber wer weiß schon genau, wo sich mehr als 200 Personen in den Turnhallen aufhalten", so Kraus. Nachdem dies mit den Chorkonzerten allerdings jetzt "ruchbar geworden ist", müsse gehandelt werden, sagt er. Er ist aber zuversichtlich, dass es auch für dieses Problem eine rechtsverbindliche Lösung geben werde.

Geprobt werde zwar stets im Bürgerhaus, aber der besseren Akustik und der räumlichen Kapazitäten wegen halte der Baumberger Männerchor seine Konzerte immer in der Turnhalle ab, sagt dessen Geschäftsführer Arnold Prehn. "Das Bürgerhaus fasst nur 250 Personen, zu unseren Konzerten kommen aber 450." Eine andere Versammlungsstätte gebe es in dem Ortsteil nicht. "Die Monheimer haben ja die Aula, wir aber sind die Stiefkinder." Er sei immer davon ausgegangen, dass die Turnhalle als Versammlungsstätte genutzt werden dürfe, weil vor zehn Jahren dort eine Bühne installiert wurde und zusätzliche Notausgänge geschaffen wurden.

Neben der miserablen Akustik sei auch die Bühne im Bürgerhaus zu klein, bemängelt Dorothea Heymann vom Frauenchor. Eine Ausweichmöglichkeit gebe es nicht. "Unser Publikum geht nicht nach Monheim." Sie versteht nicht, warum eine seit 30 Jahren geübte Praxis jetzt plötzlich nicht mehr rechtens sein soll. "Die Veranstaltungen waren doch immer genehmigt." So habe man diverse Auflagen erfüllen müssen, durfte etwa für die Dekoration nur schwer entflammbare Stoffe nehmen. In diesem Jahr allerdings werde der Frauenchor sein Konzert ohnehin in die evangelische Kirche verlegen, weil der Konzertwunschtermin im Dezember bereits durch einen anderen Baumberger Verein belegt war.

(RP/rl)
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