Aufzug für das Deusserhaus in Monheim

Monheim : Umbau des Heimatmuseums sorgt für Streit

Der Vorstand des Heimatbundes möchte den Charakter des Deusser-Hauses wahren und wehrt sich gegen eine zu oberflächliche Darstellung der Stadtgeschichte.

Seit fünf Monaten dauert nun schon der Stillstand bei der Modernisierung der heimatkundlichen Ausstellung Deusser Haus an. Ausgelöst durch ein Bauwerk, das alte Menschen mobilisieren soll: den Aufzug. Im städtischen Auftrag hatte ein Architekt eine Planungsskizze für einen an die Gartenseite angebauten Aufzugturm erstellt. „Für uns ist der Standort gut. Wir hatten nämlich gefürchtet, er kommt an die Giebelseite, dann würden wir unsere längste Ausstellungswand im Erdgeschoss verlieren“, sagt Dieter Sturm vom Vorstand des Heimatbundes.

Da aber das Deusser Haus unter Denkmalschutz steht, musste das Rheinische Amt für Denkmalpflege beratend herangezogen werden. Der zuständige Sachbearbeiter empfindet diese Lösung als Fremdkörper. „Man könnte den Eingriff für das Baudenkmal kleiner halten, indem man den Aufzug in das vorhandene Nebengebäude integrierte und die Dachterrasse zur 1.Etage öffnet“, sagt Thorsten Schrolle.

„So würde aber unsere Küche  wegfallen“, entgegnet Sturm. Diese könnte man in einem Extragebäude auf dem Gelände unterbringen, so Schrolle. Er habe deutlich gemacht, dass er durch die städtische Variante die Belange des Denkmalschutzes beeinträchtigt sieht, jetzt sei es an der Unteren Denkmalbehörde zu entscheiden, wie sie mit seinem Vorschlag umgeht. Seine Stellungnahme habe keinen Weisungscharakter.

Bisher ist dem Vorstand auch noch kein  Fördervertrag über die städtischen Fördermittel von 150.000 Euro vorgelegt worden. Auch dieser birgt Konfliktpotenzial, denn offenbar klaffen die Vorstellung von Tourismusförderung und Heimatbund über die Integration der Ausstellung in die MonChronik weit auseinander. In einem Brief vom 15. Oktober hatte Wirtschaftsförderin Estelle Dageroth gefordert, dass darin die Stadtgeschichte mit Bezug auf die jüngste Geschichte erweitert werden sollte.

„Unsere Ausstellung endet 1974 mit der wieder errungenen Selbstständigkeit“, so Sturm. Ferner solle ein „stimmiges zeitgemäßes Gesamtkonzept erstellt werden, das nicht nur einzelne Räume sondern ganze Erzählstränge betrifft“. Der Heimatbund hatte aber längst ein Konzept von dem Hildener Büro „Stein und Bein“ anfertigen lassen, das Dageroth im RP-Gespräch als „attraktiv“ bezeichnet, wobei sie sich aber betont auf Layout und Design bezieht.

Der Vorstand des Heimatbundes hat sich gegenüber den eher nebulösen Forderungen der Stadt mittels einer zum Tag des Denkmals eröffneten Ausstellung positioniert: Das Museum biete ein Stück Heimatgeschichte zum Anschauen und Anfassen, es wolle „ein Wohnzimmer der Monheimer“ sein, das „Vertrautheit und Behaglichkeit“ ausstrahle.  Es lebe auch vom Gespräch, der mündlichen Weitergabe von Geschichte mittels der Führungen, sagt Bodo Esser. Dies stehe im Gegensatz zu einer rein digitalen Vermittlung mittels Touchscreens. Man wolle auch vermeiden, dass die Sammlung allein auf alte Berufe reduziert werde, wie es der Stadt vorschwebe. Man wolle keine Vereinheitlichung der Museumslandschaft. Wobei man sich gar nicht gegen eine Einbeziehung in die  MonChronik wehre. „Mit dem ,lebendigen Manuskript‘ könnte man gut die 200-jährige Geschichte des Deusser Hauses darstellen“, so Sturm.

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