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Aufräumen nach der Flut in Langenfeld

Nach der Flut im Juli : Flutopfer in Langenfeld renovieren immer noch

Ohne Nachbarschaftshilfe wären die Bewohner am Rietherbach aufgeschmissen. Handwerker sind kaum zu bekommen. So gegen die Aufräumarbeiten nur langsam voran.

Wie vor der schrecklichen Flutkatastrophe im Juli sieht es noch lange nicht wieder aus. Mit den Folgen von überschwemmten Kellern und Parterrewohnungen kämpfen viele Langenfelder weiterhin. Bei Sven Lucht, stellvertretender Bürgermeister (BGL) und Anwohner der Straße Rietherbach, sind vorige Woche erst die Industrietrockner abgeholt worden. Der Keller ist weiterhin nicht nutzbar. „Vor Februar/März wird das auch nichts“, sagt er. Zum Glück wird in der nächsten Woche die neue Heizung installiert – eine umweltfreundliche Wärmepumpe. „Es ist schon ein bisschen kalt zurzeit“, sagt Lucht.

Während die Soforthilfe aus den Spenden Langenfelder Bürger zügig gekommen ist und auch die Versicherungen schnell gezahlt haben, lässt die Landeshilfe immer noch auf sich warten, sagen Lucht und seine Nachbarin Sonja Klostermann, die für ihre Eltern das komplizierte Ausfüllen der Anträge übernommen hat. „Viele haben noch gar nichts aus dem Landesfond bekommen“, sagt Lucht. Dagegen seien die Gelder aus Spenden über die Stadt drei Tage nach den Zusagen von Bürgermeister Frank Schneider und der Beigeordneten Marion Prell eingetroffen.

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Vor allem dank der hervorragenden Nachbarschaftshilfe schreiten die Renovierungen langsam voran, sagen Lucht und Klostermann. Wo die Handwerker bisher nicht hingekommen sind, weil sie zu viel zu tun haben, haben die Eigentümer von Häusern und Wohnungen selbst begonnen, den Putz abzuklopfen, neu aufzubringen und zu streichen, erzählt Lucht. „Und wer bei sich selbst fertig ist, geht dem Nachbarn zur Hand.“

„Es geht eben alles ein bisschen schleppend“, sagt Sonja Klostermann. Sie hätte nichts gegen ein aktuelles Foto ihrer Baustelle in der RP. „Aber sehr viel verändert hat sich seit August nicht“, sagt sie. Auch bei ihr wurden die Trockner im Keller erst letzte Woche abgebaut. „Einfach, weil da ganz schlecht dranzukommen war, immer nur über Beziehungen und dann immer nur über ein paar Wochen mit Abständen dazwischen“, sagt sie. Dabei braucht sie den Keller dringend, weil dort ein Büro und Arbeitsplätze untergebracht sind. Dafür hat sie schon eine funktionierende Heizung im Haus.

Schlimmer als sie selbst, sind jedoch ihre Eltern in ihrem Einfamilienhaus dran. „Die haben keine Elementarversicherung und müssen alles vorfinanzieren“, sagt Sonja Klostermann. „Neue Fliesen, Tapeten, Küchenmöbel. Das gesamte Erdgeschoss war überflutet“, erzählt sie.

„Nach über drei Monaten renovieren wir immer noch“, sagt Darko Travcer. „Aber es läuft.“ Er hat zwei Häuser: ein Zwei-Familienhaus und einen Bungalow. Beiden hat der über die Ufer getretene Rietherbach ordentlich zugesetzt. Erste Möbel wurden jetzt neu angeschafft. Und zum Glück hat Travcer die Heizung schon ganz früh von einem Installateur reparieren lassen.

Er ist immer noch beeindruckt, was die anhaltenden Regenfälle aus dem kleinen Rietherbach gemacht haben – reißende Fluten. „Da weiß man, gegen die Natur hat man keine Chance“, sagt er. „Gegen die Permanentflut im Keller haben wir mit unseren Eimerchen nichts ausgerichtet. Wir haben geschöpft und geschöpft.“ Pumpen konnte man nicht anschließen, weil der Strom ausgefallen war. Die Versicherung habe zwar sofort bezahlt, aber Handwerker zu bekommen, sei sehr sehr schwierig gewesen. „Ich bin einfach beharrlich geblieben, obwohl ich immer wieder abgewiesen wurde“, sagt Travcer. „Ich habe pausenlos angeklingelt.“ Bautrockner habe er nur durch Beziehungen gekriegt.

Mittlerweile ist in seinem Haus fast alles neu: Küche, Esszimmer, Wohnzimmer, Gäste WC und Wintergarten. Sämtliche Möbel im Parterre waren vom Wasser beschädigt und unbrauchbar. Auch hier hat die Versicherung sehr schnell das Nötigste bezahlt.

Ein Haus in der Straße Rietherbach ist immer noch unbewohnbar, sagen die Nachbarn. Es muss für viel Geld kernsaniert werden. „Die Bewohner hat es ganz schlimm getroffen“, so Lucht. Sie seien immer noch traumatisiert vom Verlust ihres Zuhauses durch die Fluten und hätten viel geweint. „Es geht ja um Existenzen. So ein Haus erfährt unter Umständen durch die Schäden eine Wertminderung“, sagt Klostermann.

Wo es gut läuft ist bei Dr. Joachim Seel am Rietherbach 80.  Zu seinen Immobilien gehören auch die Mühle und das Fachwerkhaus. „Das ist Familienbesitz“, sagt er. Er wird bei der Unteren Denkmalbehörde finanzielle Unterstützung für das Fachwerkhaus beantragen.   „Die Versicherungen haben bereits gezahlt“, sagt er und zeigt sich zufrieden mit dem Fortschritt der Reparatur- und Renovierungsarbeiten. „Es läuft  entsprechend gut“, sagt er.