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Langenfeld: Auf Langfort treffen sich Spitzen-Reiter

Langenfeld : Auf Langfort treffen sich Spitzen-Reiter

Pferdesportverbandschef Rolf-Peter Fuß äußert sich im RP-Redaktionsgespräch über die bevorstehenden Rheinischen Meisterschaften und die Gründe, warum sich so wenige Jungen für Pferde begeistern lassen.

Die besten Reiter aus dem Rheinland reisen am Wochenende auf Gut Langfort an, um ihren Meister zu suchen. In Spring- und Dressurprüfungen der Spitzenklasse sind Höchstleistungen gefordert, um sich im starken Starterfeld durchzusetzen und am Sonntag die Siegerschärpe zu erringen. "Der Titel bei den Rheinischen Meisterschaften hat einen sehr hohen Stellenwert, denn wir sind eine Reitsportregion", sagt Rolf-Peter Fuß. Als Vorstand des Rheinischen Pferdesportverbandes trägt er die Verantwortung für die viertägige Großveranstaltung auf dem Gelände der Landes Reit- und Fahrschule.

"Die Anlage bietet optimale Bedingungen für ein solches Turnier, aber auch für das Training und die Ausbildung in den verschiedenen Disziplinen", betont Rolf-Peter Fuß. Für die Zukunft des Sportes frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen, betrachtet er als Schwerpunkt seiner Arbeit. "Das ist nicht immer einfach. Besonders der Ganztagsunterricht an den Schulen macht die Nachwuchsförderung zunehmend schwierig."

Eine weitere Herausforderung ist, mehr Jungen für den Sport zu begeistern. Denn derzeit ist die große Mehrheit der 70 000 organisierten Reiter im Rheinland weiblich. Sie füllen die rund 600 Vereine mit Leben und steigen in mehr als 550 Betrieben regelmäßig in den Sattel. Bei den 600 Turnieren, die jedes Jahr in der Region stattfinden, sind die Amazonen allerdings keineswegs unter sich. Dort ist auch die männliche Konkurrenz zahlreich vertreten und häufig hocherfolgreich. "Jungs, die dabei bleiben, zeigen meist auch Biss und den entsprechenden Ehrgeiz, um weit zu kommen", sagt Rolf-Peter Fuß.

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Das beste Beispiel dafür sei der Vorjahressieger des Hamburger Springderbys Gilbert Tillmann. "Er ist lange fast verzweifelt, weil es ihm nicht gelungen ist, einmal Rheinischer Meister zu werden. Er hat sich dann ganz auf dieses Ziel fokussiert und es erreicht. Mit der gleichen Akribie hat er anschließend das Derby-Projekt in Angriff genommen." Die Schwierigkeit liege in der Basisarbeit. "Jungen wünschen sich beim Sport eine gewisse Rasanz. Doch um die spektakulären Momente im Reitsport zu erleben, vergeht erst einmal einige Zeit. Da haben die Mädels mehr Geduld", sagt Rolf-Peter Fuß. Es gibt inzwischen zwar verschiedene Projekte und spezielle Prüfungen nur für Jungen, doch den Vergleich mit dem Fußball muss das Pferd noch scheuen.

Fast noch schwieriger ist es, Sponsoren für Großveranstaltungen wie die Rheinischen Meisterschaften zu finden. "Menschen nicht nur für diesen Sport zu begeistern, sondern sie auch zu motivieren, sich finanziell zu engagieren, erfordert sehr viel Überzeugungsarbeit", bestätigt Rolf-Peter Fuß. Werbung für das faszinierende Zusammenspiel von Mensch und Tier zu machen, fällt ihm dagegen nicht schwer. "Die Schönheit und Eleganz unserer Pferde sowie die Partnerschaft mit diesen Kreaturen ist mit nichts anderem vergleichbar." Gerade bei der Ausbildung von Jugendlichen zählt für den 59-Jährigen jedoch auch der soziale Aspekt. "Sie lernen im Umgang mit dem Pferd ganz selbstverständlich Disziplin und ein Verantwortungsbewusstsein." Rund 30 vierbeinige Lehrer übernehmen in der Landesreit- und Fahrschule die Aufgabe, Anfängern die Angst zu nehmen und ihnen das richtige Taktgefühl zu vermitteln. "Wir mussten den Bestand aus Kostengründen zwar etwas reduzieren, doch wir achten besonders darauf, gute Sportpferde für die Ausbildung zur Verfügung zu stellen", sagt Rolf-Peter Fuß.

Er ist stolz darauf, dass beim Bundesvierkampf eines der Schulpferde spontan für das Rheinische Team "eingesprungen" ist und mit zwei fehlerfreien Runden im Parcours einen guten Eindruck hinterlassen hat. Die Schule hat längst überregional, aber auch international einen guten Ruf. "Wir hatten auch schon Reiter aus Australien zum Lehrgang hier." Neben Reitern und Pferden bekommen hier auch Trainer und angehende Profis das entsprechende Fachwissen vermittelt. "Wir bieten ein sehr breites Spektrum an, das von der Basis bis zur Spitze reicht", betont Rolf-Peter Fuß. Sein Blick richtet sich an diesem Wochenende allerdings zur Spitze, wo es um den Kampf um die Meistertitel geht.

(domi)