Langenfeld: Auch eine Flöte findet sich im Fundbüro

Langenfeld : Auch eine Flöte findet sich im Fundbüro

"Omma" Mathilde aus dem Sauerland stapft, wenn sie etwas verlegt hat, hinauf zum Kreuzberg, um eine Kerze beim Antonius aufzustellen, dem Schutzheiligen all derer, die was wiederfinden wollen. Nicht ganz so glaubensfeste Zeitgenossen müssen einen anderen Weg einschlagen.

Wo sind meine Schlüssel? Wo das Portemonnaie? Wo der schöne Schirm, ein Erbstück von Tante Kruse? Oft bleibt als letzte Hoffnung nur der Gang ins städtische Fundbüro — in Langenfeld im Bürgerbüro des Rathauses.

Auch die etwa 300 ehrlichen Finder, die durchschnittlich im Jahresverlauf Fundstücke abgegeben, finden dort Ansprechpartner. "Schlüssel sind der Renner, gefolgt von Fahrrädern", weiß Nina Oberfranc, die die Einrichtung leitet. Fahrräder sind erkennbar ein Saisongeschäft; im Jahresverlauf fast 200, bei Schnee und Kälte wurde im vorigen Monat nur ein Rad gemeldet.

Natürlich gibt es auch ungewöhnliche Fundstücke: Hörgeräte, Blutdruckmesser, ein Rollator oder in Einkaufstüten vergessene Mode. Fast so viele Finder wie Suchende kommen ins Bürgerbüro, um nach Verlorenem zu fragen. "Leider sind die Schnittmengen nicht besonders hoch", bedauert Oberfranc. Normale Schlüssel liegen in einem großen Kasten. Manche Verzweifelte kommen sogar nach mehreren Monaten immer wieder, um darin zu suchen.

Die Mitarbeiter im Bürgerbüro legen Kreativität an den Tag, um Fundstücke an den Eigentümer zu bringen. Beim Ehering wird über das Heiratsdatum ermittelt, auch die Terminkarte für einen Arzttermin führte bei einer Geldbörse zum Erfolg. Alle Fundstücke erfordern Verwaltungsarbeit. Die "Fundanzeige" mit den wichtigsten Daten dient dabei gleichzeitig als Basis für die über die Homepage der Stadt mögliche bundesweite Online-Fundsuche (siehe Info). Die Angaben dort sind allerdings so vage gehalten, dass der echte Eigentümer besondere Merkmale des Fundstücks kennen und nennen muss, um sein Recht geltend zu machen.

Wenn sich nach sechs Monaten kein Eigentümer gefunden hat, kann der Finder den Gegenstand für sich beanspruchen. Wenn er trotz Hinweis der Verwaltung davon keinen Gebrauch macht, verwertet die Stadt die Fundstücke. Etwa bei der halbjährlichen Versteigerung der Fundräder. Vorweg muss Nina Oberfranc allerdings unterscheiden, ob es sich um echte Fundstücke handelt oder ob jemand den Weg zur Deponie sparen wollte. "Wir sind noch jedes Rad los geworden", sagt sie lachend. "Im Zweifel haben wir noch ein Bündel Gelbe Säcke dazugegeben". Für andere Gegenstände, die verwertet werden müssen, probiert man Neues: Die Teile sind im Bürgerbüro ausgestellt und werden verkauft, zum Festpreis. Eine Hanna-Montana- oder Diddl-Tasche kostet fünf Euro, eine Damenarmbanduhr zehn Euro, "natürlich ohne Garantie".

(mmo)
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