Langenfeld: Atemberaubende Flugkünste

Langenfeld : Atemberaubende Flugkünste

Am stahlblauen Himmel zogen zahlreiche Flieger am Wochenende beim Flugplatzfest der Luftsportgruppe Erbslöh ihre Kreise. Es ging beinah zu wie auf einem "richtigen" Flughafen- eine Sondererlaubnis machte es möglich.

Lisa Neumann sieht glücklich aus, sehr glücklich sogar: Die Düsseldorferin strahlt über das ganze Gesicht, ihre Wangen sind gerötet. Sie hat ihren ersten Tandem-Fallschirmsprung erlebt.

Schon im vergangenen Jahr hätte sie sich getraut, doch hatte die Flugleitung da keine Freigabe mehr erteilt. Beim diesjährigen Flugplatzfest der Luftsportgruppe (LSG) Erbslöh war sie jetzt eine der ersten Teilnehmer. Angst? "Ging eigentlich", sagt die blonde Frau, während sie sich aus der schwarzen Montur schält.

Petrus meinte es gut mit den Fliegern. Bereits um kurz nach zehn brannte die Sonne. Und am stahlblauen Himmel über dem Flugfeld zogen zahlreiche Fluggeräte ihre Kreise. Für gewöhnlich starten und landen hier Segelflieger, an diesem Wochenende aber ging es beinahe zu, wie auf einem "richtigen" Flughafen — eine Sondererlaubnis der Bezirksregierung hatte es möglich gemacht. Mit einem improvisierten Tower, Fluglotsen und Pflichtmeldepunkten.

Sicherheit hat Priorität

Joel Wagner, Pressesprecher der Luftsportgruppe, sagte: "Bei allem Spaß, den wir hier haben, steht doch die Sicherheit an erster Stelle." Neben Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz (DRK), die im Stand-by-Modus mit Einsatzfahrzeugen und Personal direkt vor Ort waren, ist es vor allem ein runderneuertes Sicherheitskonzept, das Risiken minimieren und im Fall der Fälle ein möglichst geordnetes Vorgehen gewährleisten sollte.

So wurde der Personenverkehr auf dem Vorfeld drastisch reduziert, Absperrgitter und hohe Zäune trennten es von der Feiermeile, auf der an rund 20 Ständen von Bonbons bis zu Modell-Fliegern so ziemlich alles feilgeboten wurde. Sicherheit hatte oberste Priorität.

Das Programm in der Luft sei im Grunde ein Querschnitt der privaten Fliegerei sagte Wagner, während er über das vollgeparkte Vorfeld schlenderte. Vorbei an dem antik anmutenden hölzernen Schulgleiter SG 38, der mit einem gespannten Gummiseil am Hang gestartet wurde und aussieht, wie ein Stuhl mit Flügeln.

Hiermit in die Lüfte zu steigen, erfordert nicht zuletzt eine gehörige Portion Mut. Vorbei auch an der tarnfarbenen Siai Marchetti Ralf Niebergalls, der am Nachmittag mit seinem Sohn Niko (17) einen weltweit einmaligen Synchronflug zeigte. Der Vater im ehemaligen italienischen Jagdflieger-Schulgerät, der Sohn mit seinem Modellflugzeug. Als Laie, sagte Wagner, mache man sich kein Bild davon, wie schwierig das sei.

Triebwerk brennt

Reinhold Wonnemann hatte drei Modelle dabei. Darunter auch einen turbinenbefeurten Kampfjet, der noch warmlief. Zu warm, das rechte Triebwerk schlug plötzlich Flammen, die der Ostwestfale sogleich mit einem Feuerlöscher erstickte. Zu beunruhigen schien ihn das Feuer jedenfalls nicht. Oder er ließ es sich nicht anmerken.

Schließlich ist er sogar schon in Israel bei der Arava-Air-Show gewesen. Generell trugen die Aktiven beim Flugplatzfest ein bisschen Lässigkeit zur Schau. Mike Rottland, mit seiner wendigen Extra 300 schon ein Stammgast ist, sprach nach den ersten atemberaubenden Einlagen am Mikrofon von Moderator Uli Müller ganz unaufgeregt von "sechs g positiv und acht g negativ", und das man dafür eben fit sein müsse.

(maxl)
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