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Langenfeld/Monheim: Arzneien hinterlassen Spuren im Trinkwasser

Langenfeld/Monheim : Arzneien hinterlassen Spuren im Trinkwasser

In Grundwasser lassen sich Pharmastoffe nachweisen, die die Langenfelder ausscheiden. Laut Wasserwerk besteht aber kein Risiko.

"Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker", der Klassiker der Arzneimittelwerbung sollte um den Zusatz "Fragen Sie einen Ökologen" ergänzt werden. Denn Medikamente können nicht nur Risiken für den menschlichen Organismus beinhalten, sondern auch die Umwelt schädigen, konkret unser Wasser. "Unser Körper speichert nicht alles dauerhaft, was er aufnimmt", weiß Geschäftsführer Hans-Bernd Schumacher vom Bergisch Rheinischen Wasserverband (BRW), der in Monheim und Langenfeld für Beseitigung und Reinigung der Abwässer zuständig ist. Zwar werden in den BRW-Kläranlagen 97 Prozent der organischen Stoffe und 80 Prozent der Stickstoffe und Phosphate im Abwasser abgebaut, aber geringe Spuren von Duschgel, Haushaltsreinigern und eben auch Arzneimittelresten sind im Ablauf noch nachweisbar.

Internationale Studien belegen, dass derartige Spurenstoffe über Oberflächen- und Grundwasser in den Nahrungskreislauf gelangten, so dass Spuren von Antibiotika und Röntgenkontrastmitteln im Trinkwasser nachweisbar waren. Ein aktuelles Beispiel: Die von Menschen ausgeschiedenen Reste des Grippemittels Tamiflu überwinden Kläranlagen fast vollständig und landen in den Gewässern.

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Das Problem für die Wasserreiniger und -förderer sind fehlende Vorgaben. Was ist – soweit messbar – noch zulässig und mit welchem wirtschaftlichen Aufwand wäre der Reinigungsgrad zu steigern? Es gibt EU-Untersuchungsprogramme und auch in NRW erste Tests in Kläranlagen. Das Bundesumweltamt diskutiert "Vorsorgewerte" für Arzneimittelreste und Abbaureste im Trinkwasser. Es gibt jedoch in der ganzen Welt noch keine Trinkwasserverordnung, die Medikamentenrückstände berücksichtigt. Die Pharmaforschung ist bislang auf die therapeutische Wirksamkeit gegen Erkrankungen fokussiert – und Ärzte können bei der Verschreibung schwerlich auch noch auf die Öko-Bilanz eines Medikaments achten.

Hans-Bernd Schumacher räumt ein, dass mit zusätzlichen Aktivkohlefiltern oder Ozonbehandlungen Abwasser noch gründlicher gereinigt werden könnte, aber selbst die Kombination beider Verfahren sei kein Allheilmittel für alle Spurenstoffe, so der Diplom-Ingenieur. Für den BRW-Geschäftsführer bleibt die Frage, "ob die Bürger bereit wären, die erheblichen Mehrkosten zu tragen". Zu bedenken sei auch die Ökobilanz im Allgemeinen, zum Beispiel durch den erforderlichen vermehrten Einsatz von Energie.

Laut Kersten Kerl, Chef des Verbandswasserwerks Langenfeld/Monheim, wird bei den regelmäßigen Kontrollen des Trinkwassers auch auf Arzneimittelspuren geachtet. Er sieht aktuell für die örtlichen Grundwasserbrunnen kein Risiko, "weil kein oberflächennahes Wasser gefördert wird, wie zum Beispiel Uferfiltrat". Auch diese Diskussion bestätige ihn indes in seiner "Skepsis gegen alle Beschädigungen der Deckschicht der Erde, etwa durch Erdwärmespieße".

(mmo)