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Langenfeld: Arbeitgeber sollen Wehrleute freistellen

Langenfeld : Arbeitgeber sollen Wehrleute freistellen

Im Redaktionsgespräch ging es um das Pilotprojekt "Runder Tisch: Arbeitgeber" der Kampagne Feuerwehrensache.

"Bis wir einen voll einsatzfähigen Feuerwehrmann haben, braucht es sehr viel Input", sagt Heinz-Josef Brand, Referatsleiter Feuer und Rettungsdienst. Erst mit 18 Jahren beginne die fünfjährige Ausbildung. In dieser Lebensphase werden aber oft auch andere Weichen neu gestellt, so dass der Feuerwehr durch Familiengründung oder Studium oft Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr verloren gehen. "Aus diesem Grund versuchen wir uns mit der Jugendfeuerwehr einen möglichst großen Unterbau zu schaffen. Mit 41 Mitgliedern sind wir aber am Limit unserer Ausbildungskapazität angelangt", betont der neue Feuerwehrchef Marcus Jagieniak. Früher reichten 25 Jungwehrleute aus, um die Zahl der Ehrenamtler konstant zu halten. Heute führe man dank der guten Jugendwarte sogar eine Warteliste. Neben den Sportangeboten und der Technik spreche die jungen Leute vor allem das Gemeinschaftsgefühl an. Ein wachsendes Problem sei aber die mangelnde Fitness der Kinder und Jugendlichen. "Gerade der Einsatz unter Atemschutz stellt hohe körperliche Anforderungen", so Jagieniak. Eine entsprechende Tauglichkeit werde beim Sprung in die aktive Einsatzabteilung vom Arbeitsmediziner untersucht.

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Mit 92 aktiven Mitgliedern in der Freiwilligen Feuerwehr ist die Feuerwehr Langenfeld zwar gut gerüstet, "aber nach oben ist immer Platz", fügt Jagieniak an. Das Problem sei zudem ihre unsichere Verfügbarkeit für Einsätze tagsüber. "Wir fahren die Einsätze mit den Hauptamtlichen und alarmieren nur die wenigen Ehrenamtler, die im Umfeld der Wache wohnen. Ob sie dann aber ihren Arbeitsplatz sofort verlassen können, ist die Frage".

Als eine seiner Hauptaufgaben sieht der neue Feuerwehrchef daher das Ehrenamt an: "Wie können wir es voranbringen?" Die Stadt Langenfeld nimmt an dem Pilotprojekt "Runder Tisch Arbeitgeber" der Kampagne "Feuerwehrensache" des Landes-Innenministeriums und des Verbandes der kommunalen Feuerwehren teil. "Wir wollen Langenfelder Unternehmen zu Veranstaltungen einladen, um sie darüber zu informieren, warum sie im Interesse der Stadt ihre Mitarbeiter im Alarmierungsfall sofort und unbedingt freistellen müssen." Zusätzliche hauptamtliche Kräfte würden die Stadt sehr viel Geld kosten. Zu deren Finanzierung müsste diese dann versuchen, verstärkt Einnahmequellen wie die Gewerbesteuer heranzuziehen. Ob die in Arbeit befindliche Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans eine personelle Aufstockung erforderlich machen wird, ist noch offen. "Derzeit werden Ist- und Soll-Zustand unserer Leistungsfähigkeit verglichen", sagt Referatsleiter Brand. "An technischem Gerät fehlt uns nichts." Für die Löschgruppe Richrath wird gerade ein neues Löschgruppenfahrzeug LF20 aufgebaut, für die Hauptwache ein Pulvertanklöschfahrzeug PTLF, das neben Wasser und Schaum auch Sonderlöschmittel wie Pulver mitführen kann. Auslieferung: 2015. "Bei den Fahrzeugen sind wir mit der Ersatzbeschaffung voll im Plan", so Brand.

Dass dieser Beruf mit hohen Risiken für Leib und Leben verbunden ist, hat den Wehrleuten zuletzt der Einsatz bei einem Lagerhallenbrand in Hilden vor Augen geführt, bei dem der Hildener Feuerwehrchef schwer verletzt wurde. "Das hat auch bei uns für Gesprächsstoff gesorgt", versichert Jagieniak. "Ob wir daraus Konsequenzen für die eigene Sicherheit ziehen müssen, werden die Ermittlungen ergeben." Das Problem bei nächtlichen Einsätzen sei ohnehin, dass dann selten das Fachpersonal des betroffenen Betriebs zur Verfügung stehe, um vor möglichen Gefahren, wie Elektrizität, Atemgiften oder Explosionen zu warnen, so Brand.

(RP)