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Langenfeld/Mönchengladbach: Anleger geprellt: Ex-Anwalt vor Gericht

Langenfeld/Mönchengladbach : Anleger geprellt: Ex-Anwalt vor Gericht

Ehemaliger Langenfelder Rechtsanwalt und zwei weitere Männer sind angeklagt - auch wegen Untreue in 149 Fällen.

Ein ehemaliger Rechtsanwalt aus Langenfeld soll Immobilien-Anleger mit falschen Renditeversprechen um ihr Erspartes gebracht haben. Ab kommenden Montag muss er sich gemeinsam mit zwei weiteren Angeklagten vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Mönchengladbach verantworten. Die drei Männer werden beschuldigt, in einem Firmengeflecht Beträge in Millionenhöhe für sich abgezweigt zu haben. Angeklagt sind sie laut Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Untreue in 149 Fällen, zudem sollen sie in 94 Fällen Sozialversicherungsbeiträge einbehalten haben.

Nach Angaben von Gerichtssprecher Jan-Philip Schreiber handelt es sich um ein umfangreiches und kompliziertes Verfahren. "Die Anklageschrift umfasst mehr als 600 Seiten und es sind bis März 21 Verhandlungstage angesetzt."

Seit gut sieben Jahren laufen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf in dem Verfahren, das laut Oberstaatsanwalt Ralf Möllmann "selbst für unsere Schwerpunktabteilung Wirtschaft ungewöhnlich aufwändig ist". 1010 Anleger sollen geprellt worden sein, die Schadenssumme liege bei 10,9 Millionen Euro. 2009 seien bei einer Durchsuchung von Kanzleien, Wohnungen und Call Centern rund 1500 Aktenordner ("davon mehrere hundert bei dem Langenfelder Rechtsanwalt") sowie Unmengen von Computerdateien beschlagnahmt worden.

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Der ehemalige Rechtsanwalt, der bis Ende 2009 in Langenfeld eine Kanzlei betrieb und dann seine Zulassung bei der Rechtsanwaltskammer zurückgab, soll seinerzeit mit einem weiteren in der Region ansässigen Rechtsanwalt mehrere Beteiligungsgesellschaften gegründet haben. Die Masche funktionierte dem Vernehmen nach so: Eine der Firmen hatte sich auf den Erwerb von Immobilien in der Zwangsversteigerung spezialisiert. Da sie selbst nicht über genügend Eigenkapital verfügte, um die Objekte erwerben zu können, warb sie über Inhaberschuldverschreibungen Geld am grauen Kapitalmarkt ein. Telefonverkäufer versprachen Anlegern Renditen um die sieben Prozent, die mit Immobiliengeschäften vor allem nach Zwangsversteigerungen erwirtschaftet werden sollten. Tatsächlich seien Gelder aber anderweitig verwendet worden, die gegründeten Firmen pleite.

Gegen den Langenfelder Ex-Rechtsanwalt richten sich in dem am Montag startenden Prozess laut Schreiber die "mit Abstand größte Zahl an Tatvorwürfen". Der Hauptangeklagte hatte übrigens 2009 eidesstattlich versichert, dass er kein Vermögen mehr besitzt. In einem weiteren Verfahren vor dem Langenfelder Amtsgericht hatte er eingeräumt, sich im Immobiliengeschäft übernommen zu haben. "Ich dachte seit 2000, dass ich in der Lage sei, mich dort unternehmerisch zu betätigen. Doch Anfang 2008 begannen diese Firmen auseinanderzubrechen."

(mei)