Monheim: Anhörung über Mängel im Alloheim

Monheim: Anhörung über Mängel im Alloheim

Eine ehemalige Pflegedienstleiterin des Monheimer Alloheims hat ihre feste Stelle in der Senioreneinrichtung am Ernst-Reuter-Platz vor zwei Jahren gekündigt. "Ich konnte dort einfach nicht mehr arbeiten", äußert sich die 50-Jährige über die Umstände.

Jetzt ist sie als gesetzliche Betreuerin beschäftigt. Grund für ihre Unzufriedenheit seien gravierende Pflegemängel gewesen, die sowohl der Heimleitung als auch der Verwaltung in Düsseldorf gemeldet worden waren — und ein Klima der Angst. Mit Druck und Drohungen seien die Mitarbeiter eingeschüchtert worden. Die RP berichtete bereits über ähnliche Klagen von Zeitarbeitskräften. Im Monheimer Alloheim kam außerdem kurz vor Weihnachten 2012 ein 52-jähriger Patient zu Tode, weil ihm Nahrung in den zentralen Venenkatheter eingespeist worden war.

Die ehemalige Pflegedienstleiterin sagt weiter, sie habe mit Johannes Knake, Regionalleiter West der Alloheim Senioren-Residenzen, telefoniert und anschließend zwei Kollegen aus dem Leitungsteam die Situation geschildert. "Die pflegerischen Mängel und die Unzufriedenheit im Haus hängen eng mit der Heimleitung zusammen", ergänzt ihre 54-jährige Kollegin, die als Qualitätsbeauftragte im Alloheim gearbeitet hat und ebenfalls Mitte 2011 frustriert das Handtuch warf. "Wir hoffen seit zwei Jahren, dass jemand genauer hinguckt."

  • Monheim : Sohn des Toten wirft Monheimer Pflegeheim "Inkompetenz" vor

So seien damals die Dienstpläne manipuliert worden: Mitarbeiter hätten Doppelschichten fahren müssen. Krankgemeldete Kollegen seien stattdessen in die Tabellen eingetragen worden. Außerdem sei die Dokumentation für den laufenden Tag schon oft morgens von der Fachkraft abgezeichnet worden. Die Gehaltsabrechnungen hätten teilweise nicht gestimmt, Feiertagszuschläge seien nicht immer abgerechnet worden. Außerdem seien Wunden mangelhaft oder gar nicht versorgt und die Patienten teilweise zum Essen und Laufen gezwungen worden. "Die Probleme wurden der Heimleiterin direkt gemeldet — und von ihr geduldet", sagen die Frauen. Sogar die Heimaufsicht des Kreises habe man damals eingeschaltet. Die Kontrollgremien drückten wohl die Augen zu, weil Fachpersonal fehle und man nicht wisse, wo die pflegebedürftigen Menschen sonst untergebracht werden können, glauben die ehemaligen Kolleginnen. Von Augen zudrücken könne keine Rede sein, weist Daniela Hitzemann, Sprecherin der Kreisverwaltung, die Vermutung zurück. Die Situation im Alloheim habe die Pflegekasse im Blick. Fakt ist, die Residenz sei in der Vergangenheit häufiger kontrolliert worden als andere Einrichtungen — weil es immer wieder Beschwerden gab. So müsse die Pflegeresidenz inzwischen sogar monatlich ihre Dienstpläne an die Heimaufsicht schicken. Erst im August habe die letzte Anlassprüfung aufgrund einer Beschwerde stattgefunden. Und im November stehe eine Anhörung ins Haus. Die Pflegekasse habe eingeladen, um mit den Verantwortlichen über die Missstände und darüber, wie sie abgestellt werden können, zu sprechen, erläutert Hitzemann. Regionalleiter Johannes Knake geht davon aus, dass zumindest die von den beiden Mitarbeiterinnen beschriebenen Probleme nicht in die Zeit nach der Übernahme durch die Alloheim-Gruppe fallen. Man habe die Einrichtung Mitte Mai übernommen, so dass die vorherigen Betreiber zuständig gewesen seien. Im Sommer nach der Übernahme habe im Zuge der Übergabe die Pflegedienstleiterin berichtet, ihr seien unter dem vorherigen Betreiber Mängel aufgefallen.

(RP)