Monheim: Am Silvesterabend 1947 hat es gefunkt

Monheim : Am Silvesterabend 1947 hat es gefunkt

Katharina und Hans Derendorf feiern heute in Monheim ihre Diamanthochzeit. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg lernten sie sich kennen und lieben.

Hans Derendorf weiß immer noch ganz genau, wie er die große Liebe seines Lebens kennen lernte: Bei einer Tanzveranstaltung in Zons auf der anderen Rheinseite. "Es war der Silvesterabend 1947 in der Gaststätte Schmitz", erinnert sich der 85-Jährige. "Dort habe ich sie zum ersten Mal gesehen. Für mich war es Liebe auf den ersten Blick - und zum Glück beruhte das auf Gegenseitigkeit." Gemeint ist seine Frau Katharina, die inzwischen seit 60 Jahren an seiner Seite ist. Heute feiert das Paar Diamanthochzeit. "Wir haben erst 1954 geheiratet, weil es vorab wichtigere Dinge für uns gab."

Das junge Paar hat es zunächst nicht leicht. Sie führen zunächst eine Art Fernbeziehung über die Ufer des Rheins hinweg. Treffen waren nur mit dem damals noch originalen Piwpipper Böötchen möglich. Umso erfreuter war Hans Derendorf, als die Fährverbindung zwischen Dormagen und Monheim vor gut zwei Jahren wieder ihren Betrieb aufnahm. Er widmet sich zunächst seiner Ausbildung. Der gelernte Metzger macht nach der Lehre zunächst seinen Meister und 1954 eröffnet er sein eigenes Geschäft in Dormagen. "In diesem Jahr haben wir uns auch das Jawort gegeben, weil es eine wirtschaftliche Grundlage für ein eigenständiges Leben gab", meint der Jubilar. Zuvor habe das Paar sieben Jahre lang in "wilder Ehe" gelebt. 1962 verlegt er seine Metzgerei nach Monheim - genauer gesagt: an die Krummstraße. Dort lernt er auch Emil Drösser und Karl König kennen, die bis heute als Urgesteine des lokalen Brauchtums gelten. Kein Wunder also, dass der Karneval auch ein wichtiger Teil im Leben der Derendorfs wird.

1974 sind die beiden das Prinzenpaar der Gromoka. Im selben Jahr etablierten die Monheimer Jecke einen Brauch, der bis heute besteht: Die Altweiber-Feier an der "Doll Eck´". Darüber hinaus ist Derendorf bei den Alstadtfunken und der Prinzengarde aktiv. 2005 erhält er für seine Verdienste um den Fastelovend den Goldenen Schelm der Gromoka und die Goldene Kanone der Alstadtfunken. Außerdem ist er Mitbegründer der Werbegemeinschaft Treffpunkt Monheim. Der Metzgermeister war schon immer Feuer und Flamme für seinen Beruf. Seine Frau arbeitete bis zum Ruhestand im Geschäft mit. 1976 eröffne er eine zweite Filiale am Ernst-Reuter-Platz. Sein letztes Schwein, sagt er, habe er mit 80 Jahren geschlachtet. "aber dann war auch irgendwann Schluss", findet der Monheimer. "Das Alter fordert einfach seinen Tribut." Viele Jahre ist er unter anderem als Prüfer der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in der Lebensmittelkontrolle.

1990 schließt die Metzgerei Derendorf endgültig ihre Pforten. Insgesamt 14 Meister und einige Gesellen haben bei dem gebürtigen Baumberger ihre Ausbildung gemacht. Eigene Kinder hat das Paar nicht. "Das hat sich nicht ergeben", sagt die 83-Jährige Jubliarin. Langweilig war den Derendorfs trotzdem nie.

Auf ihren gemeinsamen Reisen entdeckten sie die Welt. Unter anderem war das Ehepaar in den USA, Kenia, Thailand und der Karibik unterwegs. Auch an die vielen Kreuzfahrten erinnern sie sich bis heute gerne.

Die diamantene Hochzeit feiern die beiden im kleinen Kreis nach einer kurzes Messe in der Marienkapelle folgt ein gemeinsames Essen im festlichen Rahmen. Ein Geheimnis, wie man es rund 70 Jahre miteinander aushält, haben die beiden nicht. "Streit gab es nur selten - und wenn es gekracht hat, dann haben wir uns schnell wieder vertragen."

(arod)
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