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Monheim: Altstadt gibt's bald auch in Bronze

Monheim : Altstadt gibt's bald auch in Bronze

Der Bildhauer Egbert Broerken soll den Auftrag für ein Stadtmodell erhalten, das auf dem Alten Markt aufgestellt wird.

"Es sind bisher keine zeitgenössischen Stiche oder Skizzen von Monheim aus dem Mittelalter gefunden worden. Heimatkundlich interessierte Zeichner und Maler haben jedoch [...] wiederholt versucht, Ausdehnung und Anlage des befestigten Dorfes [..] darzustellen", wie in dem 1993 im Jean König Verlag erschienen Buch über Monheim zu lesen ist.

Diese im Deusser Haus ausgestellten Zeichnungen und ein Modell werden damit sicherlich auch als planerische Grundlage für das bronzene Stadtmodell herangezogen, das die Stadt Monheim bei dem Künstler Egbert Broerken in Auftrag geben will. "Das Modell soll Monheim vor etwa 800 Jahren zeigen, als der Rhein an den Ufermauern von St. Gereon vorbeifloss", erklärt die Tourismusbeauftragte Maximiliane Richtzenhain. Der Rhein bewegte sich damals in zwei Armen an Monheim vorbei, ein östlicher nahm das Gelände der heutigen Kapellen- bis zur Bleer Straße ein. "Da es keine Pläne aus dem Mittelalter gibt, müssen wir die Anordnung des Dorfes mit Hilfe eines Historikers erst noch recherchieren", so Richtzenhain.

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Das Stadtmodell ist ein Baustein der sogenannten MonChronik, bei der historisch bedeutsame Orte in zwei Rundwegen als dezentrale Ausstellungsmodule miteinander vernetzt werden sollen. "In anderen Städten hat sich solch ein Modell vor allem als Ausgangspunkt für Stadtführungen bewährt", sagt Richtzenhain.

Der im Raum Soest ansässige Bildhauer Egbert Broerken hatte die Modelle ursprünglich für blinde Menschen entwickelt, die durch seine maßstabsgetreue Wiedergabe von Häusern, Plätzen und Straßen in die Lage versetzt werden, ihre Stadt zu ertasten, die Höhenunterschiede von Häusern und Kirchen zu erfühlen, auf Fingerkuppen durch die Gassen zu spazieren. Kleine Punkte in Brailleschrift geben Erläuterungen zu den Gebäuden und Plätzen. "Lehrer an der Westfälischen Blindenschule in Soest, die damals mit mir zur Volksschule gegangen sind, haben mich auf die Idee gebracht. Ich habe damals angefangen, Spiele für die Kinder zu entwickeln", sagt Broerken.

Seine Modelle stehen schon in vielen Städten, wie Halberstadt, Celle, Braunschweig, Stralsund, Münster, Lübeck, Hamburg und München. "Gerade die historischen Ansichten sind eine besondere Herausforderung. Oft sind aber Stiche und Radierungen, sogar von schräg oben vorhanden, die reichen mir als Grundlage", sagt der Bildhauer. Noch vorhandene Gebäudesubstanz fotografiert er, um einen historischen Straßenzug um bereits untergegangene Bauwerke zu komplettieren, bemüht er auch mal seine Fantasie. "Aktuelle Stadtansichten fotografiere ich einfach von allen Seiten ab", sagt er.

Für den Bronzeguss verwendet er das Wachsausschmelzverfahren, dieses Verfahren erlaubt eine hohe Detailtreue und Oberflächenqualität. "Damit kommt jeder einzelne Punkt der Blindenschrift 100-prozentig rüber", sagt Broerken. Wachs erlaube eine sehr filigrane Darstellung, die Benutzer seiner Modelle sollen ja auch die Oberflächenstruktur von Dächern, Straßen und Fassaden ertasten können.

Der Bildhauer fertigt zunächst maßstabsgetreue architektonische Modelle an und modelliert sie in Wachs. Dieses Wachsmodell ist das Positiv, das dann mit Schamott, einer Mischung als Ziegelmehl und Gips, der feuerfesten Grünform, umgossen wird. Über zehn Tage wird die Form dann im Ofen bei bis zu 640 Grad Celsius gebrannt. Bei diesem Prozess schmilzt das Wachs, in den entstandenen Hohlraum wird dann die flüssige Bronze gegossen. Der Gips wird nach dem Aushärten abgeschlagen und die Oberfläche des Gusswerkstücks nachbearbeitet. Am Ende wird das metallene Stadtmodell auf einen bildhauerisch bearbeiteten Natursteinsockel montiert. Insgesamt dauert dieser Prozess ein Dreivierteljahr.

Aufgestellt werden soll die Bronze-Plastik auf dem dann neu gestalteten Alten Markt (RP berichtete). "Aber der Platz muss natürlich erst fertiggestellt sein", betont Richtzenhain. Broerken bestätigt, dass die Stadt mit ihm Kontakt aufgenommen hat. "Das mache ich gern, Monheim ist ein schönes Städtchen." Er müsse jetzt aber erst einmal ein Angebot ausarbeiten. Wesentlich für die Preisgestaltung sei natürlich das Material des Sockels, am liebsten verwendet er dafür einen Stein aus der Region.

(RP)