Langenfeld/Hilden: Altersarmut nimmt in allen Städten zu

Langenfeld/Hilden : Altersarmut nimmt in allen Städten zu

Das Sozialamt des Kreises Mettmann erwartet weiter steigende Zahlen der Grundsicherungsempfänger.

Renate ten Hompel ist überzeugt, dass Rentner es heute finanziell schwerer haben als vor einigen Jahren. "Meine Mutter ist 2001 gestorben", erzählt die 69-Jährige. "Damals hat sie 1300 D-Mark für ein Ein-Raum-Apartment in einer Hildener Altenresidenz bezahlt." Bei einer Pension von 2500 Mark sei sie damit gut hingekommen. "Jetzt habe ich eine Bekannte besucht, die 1400 Euro für ein ähnliches Zimmer zahlt. Das hätte sich meine Mutter nicht leisten können, ohne dass ich etwas hätte dazuzahlen müssen." Schließlich sei die Rente in den vergangenen zehn Jahren nur minimal gestiegen. "Auch ich überlege mir genau, was ich kaufe", sagt die ehemalige Lehrerin.

Ten Hompel sieht die Einführung des Euro als eine Hauptursache für das zunehmend knappe Auskommen mit der Pension. "Wenn ich mit einer Freundin Kaffee trinken gehe, zahle ich zwischen 10 und 15 Euro für Kaffee, Kuchen und vielleicht noch eine Apfelschorle. Früher hätte doch keiner 30 Mark dafür ausgegeben. Da ist es kein Wunder, dass die Altersarmut steigt."

Beim Kreis Mettmann bestätigt man die Zunahme von Armut im Alter. Gemessen wird sie an der Zahl der Menschen über 65, deren Rente nicht ausreicht, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten, und die deshalb die "Grundsicherung" beim Staat beantragen müssen. Der Eckregelsatz für den allernötigsten Bedarf liegt zurzeit bei 382 Euro plus Kosten der Unterkunft, Heizung und eventuellen Mehrbedarf.

"In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Grundsicherungsempfänger in allen Städten des Kreises Jahr für Jahr zugenommen", berichtet Thomas Müller, der beim Kreis Mettmann die Abteilung Integration und soziale Planung leitet. Zurzeit liege sie bei rund 3600 Frauen und Männer im ganzen Kreis, was in etwa einem Bevölkerungsanteil von drei Prozent entspreche.

"Dass die Lebenshaltungskosten für Nahrung oder Strom gestiegen sind, liegt nicht am Euro", sagt er und sieht den Hauptgrund für Altersarmut vielmehr, dass Frauen früher zu Hause bei ihren Kindern geblieben sind und deshalb weniger erwerbstätig waren als Männer. "Das schlägt sich in der Rente nieder." Dasselbe gelte für Menschen, die wegen Krankheit oder aus anderen Gründen länger arbeitslos waren. Müller geht davon aus, dass die Zahl armer Rentner auch künftig steigen wird. "Zwar gehen jetzt mehr Frauen — auch mit Kindern — arbeiten. Aber viele Menschen arbeiten nur im Niedriglohnbereich oder leben von Hartz IV. Da bleibt nichts übrig für eine private Altersvorsorge." Die Städte müssten sich deshalb auf steigende Sozialleistungen im Grundsicherungsbereich einstellen. Denn viele könnten sich auch den Heimplatz nicht mehr leisten. Allerdings hätten sich hier die Preise seit der Euro-Einführung nicht verdoppelt. "Die Pflegesätze der Heime werden durch den Landschaftsverband mit den Pflegekassen festgelegt. Da gibt es sehr enge Grenzen für Personal und Verpflegung", erklärt Manfred Vollmer, Vize-Chef des Kreissozialamtes. Sie lägen bei etwa 3000 bis 5000 Euro. "Auch vor zehn Jahren bekam man keinen Heimplatz für 1400 Mark."

Das sei bei Einrichtungen mit nur Betreutem Wohnen anders. "Hier können die Anbieter ihre Preise unabhängig vom Sozialhilfeträger frei gestalten", sagt Vollmer. Die Höhe variiere in der Regel mit dem Angebot. Die Preise würden jedoch von niemandem kontrolliert. "Es gibt Luxuswohnanlagen mit Bibliothek und regelmäßigen Konzerten im Haus." Andere Wohnanlagen würden nur das Nötigste bieten. "Der Kreis Mettmann hat alle ihm bekannten Einrichtungen angeschrieben, nach Preisen und Angeboten gefragt, und die Liste im Internet veröffentlicht." Sie ist zu finden unter www.kreis-mettmann.de (Rubriken "Soziales" / "Pflege und Senioren" /"Wohnen mit Service").

(RP)
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