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Langenfeld: Alte und neue Langenfelder treffen sich

Langenfeld : Alte und neue Langenfelder treffen sich

Die KAB St. Joseph und Martin reichte am Samstag Flüchtlingen die Hand. Mehr als 150 Menschen kamen.

Einen Moment lang wirkt Elsbeth Löken ein wenig nervös, als sie mit dem Mikrofon in der Hand vor den rund 150 Gästen steht. "Aller Anfang ist schwer", sagt die Vorsitzende der Katholischen Arbeitnehmerschaft (KAB) St. Josef und Martin. "Aber dieser Nachmittag ist etwas Besonderes. Wir wollen uns gegenseitig Kennenlernen." Das haben auch die verstanden, die nicht so gut Deutsch können. Schon bald sitzen sie da und reden miteinander. Ein Stimmengewirr füllt den Raum. Draußen in der Sonne spielen die Kinder miteinander, auf der Gemeindewiese ist für die älteren Jugendlichen eine Slack-Line, ein Gurt zum Balancieren, zwischen zwei Bäumen gespannt. Die KAB hatte am Samstag alle 380 in Langenfeld untergebrachten Flüchtlinge zu einem Begegnungsnachmittag eingeladen. Deutlich mehr als ein Drittel kamen.

Ein klares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit wollte die katholische Arbeitnehmerbewegung setzen, sagt der hauptamtlich arbeitende KAB-Sekretär Rainer Pfuhl. Viele Flüchtlinge seien schon lange in der Stadt und hätten noch keine Kontakte zu den alten Langenfelder Nachbarn aufbauen können. Ob Fahrradtour oder Gemeindefest - nach dem Auftakt am vergangenen Samstag sollen die Neu-Langenfelder immer wieder in die Gemeinde eingeladen werden.

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Die erste Beigeordnete Marion Prell nahm am Samstag ebenfalls teil. Sie erinnerte daran, dass sich die Stadt vor zwei Jahren um 90 Flüchtlinge kümmerte - jetzt sind es 380, schon bald möglicherweise um die 500 Menschen. Man habe die Zahl der Honorarkräfte in den drei Unterkünften Am Winkelsweg, Kölner Straße und Alt Langenfeld sowie der Turnhalle Am Hang als Provisorium von vier auf sechs Personen erhöht, die Zahl der Hausmeister von zwei auf vier aufgestockt. Prell machte der KAB, aber auch allen anderen ehrenamtlichen Helfern und Spendern ein Kompliment: "Meinen Respekt und ganz großen Dank an die Langenfelder Bevölkerung, die sich so tatkräftig einsetzt."

Ohne den ehrenamtlichen Einsatz ginge gar nichts. Denn Langenfeld verzichtet im Unterschied zu Nachbarstädten auf den Einsatz hauptamtlicher Sozialarbeiter für die Flüchtlinge. Die Honorarkräfte bekommen drei, einige vier Stunden pro Woche entgolten. Tatsächlich sind sie ein Vielfaches dieser Zeit im Einsatz. "Als ich vor einem Jahr angefangen habe, habe ich nicht gedacht, wie zeitintensiv diese Aufgabe sein würde", sagte eine von ihnen. Mittlerweile habe sie im Umgang mit Ämtern und der Politik viel gelernt. Sie will weitermachen - keine Frage.

"Aber wenn ein Flüchtling einem etwas erzählt, dann muss man zuhören - und nicht auf die Uhr schauen." Und da sind viele Geschichten. Ein Syrer fürchtet, nach Bulgarien abgeschoben werden, weil er dort in die EU eingereist ist. In Bulgarien gibt es gravierende Hygienemängel und Seuchen in Flüchtlingsunterkünften. Ein Mann aus Ägypten wartet seit 18 Monaten auf sein erstes Gespräch mit der Ausländerbehörde.

Die Honorarkräfte sagen: "Wir sind Seelsorger, manchmal auch Therapeuten und Mittler gegenüber Behörden."

(RP)