Monheim: Alte Fotos vom Alltagsleben am Rhein

Monheim : Alte Fotos vom Alltagsleben am Rhein

Ein neuer Bildband dokumentiert, wie der Strom den Alltag der Monheimer und anderer Rheinanlieger in der Region beeinflusste.

Dass "Monheim am Rhein" liegt, davon nimmt manch ein Monheimer eher durch die gelben Ortsschilder Kenntnis als durch persönlichen Rheinblick. Denn trotz des offiziellen Ortsnamens hat sich das Verhältnis zwischen Stadt und Strom zu einem mehr beiläufigen entwickelt. Zwar suchen viele Monheimer Erholung am Rhein, eine existientielle Beziehung aber unterhalten zu dem Fluss und seinen Ufern nur wenige. Das war mal anders. "Früheren Generationen bot der Rhein weit mehr Aspekte, im guten wie im schlechten", weiß Stadtarchivar Michael Hohmeier und erinnert an Hochwassergefahren und Eisgänge, aber auch an Rheinfischerei und Fähren.

Einen aufschlussreichen Blick in diese Vergangenheit ermöglicht jetzt ein neuer Bildband. "Das Leben am Rhein in frühen Fotografien" heißt das Werk, das der Landschaftsverband Rheinland (LVR) zusammen mit dem Regionalia Verlag aus Rheinbach konzipiert hat. Herausgeber ist Dr. Alois Döring vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn.

Unter den rund 160 Fotografien zeigt eine aus den 1930er Jahren zum Beispiel zwei Baumberger Fischer beim Heben von Aalreusen auf den vom Hochwasser überfluteten Wiesen. "Die Fischer fuhren jeden Morgen mit dem Nachen hinaus, um die zwischen Buschwerk und Bäumen ausgelegten Netze zu entleeren", heißt es in dem Buch.

Nachen, das waren flache Boote für wenige Personen, wie sie auch im Fährbetrieb zum Einsatz kamen. Auf einem weiteren Bild (1920) sind acht Herren zu sehen, allesamt mit Hut, bei einem Ausflug mit der Stürzelberger Personenfähre, quasi die nördliche Nachbarlinie der Baumberger Fährverbindung. Der Kahn ähnelt dem historischen Piwipper Bötchen, das bis 1977 zwischen dem Monheimer und dem Dormagener Rheinufer verkehrte und um dessen Andenken es seit der Wiederbelebung der Fährverbindung in diesem September wieder deutlich besser bestellt ist. "Die Bedeutung dieser Fähren für die Menschen damals ist nicht zu unterschätzen", sagt Stadtarchivar Hohmeier: "Es gab ja in unserer Region von der Römerzeit bis ins 19. Jahrhundert hinein keine Rheinbrücken."

Die meisten Fotografien in dem neuen Bildband werden laut Herausgeber Döring erstmals veröffentlicht. "Das facettenreiche Alltagsleben der Menschen am Rheinufer von Koblenz bis Kleve steht dabei im Mittelpunkt in der Zeit vom Jahre 1875 bis 1940", informiert der Volkskundler. Gezeigt werden etwa arbeitende Handwerker und Bauern. Lebendig wirken die Aufnahmen von Kindern, die am Fluss spielen oder die ersten Rheinbadeanstalten als Freizeitvergnügen nutzten. Auch dass Kinderarbeit damals üblich war, bleibt nicht undokumentiert. Und: Bevor Waschmaschinen die Hausarbeit erleichterten, wurde sogar die Wäsche im Rheinstrom gewaschen.

"Die Wucht der Natur" überschrieb Döring Fotos, die Orte nach extremen Regenfällen oder Hochwasser mit überfluteten Straßen zeigen. Manchmal brachte die Natur den Strom auch zum Erliegen: Im Winter 1928 legten Fuhrleute einen Pfad über den vereisten Rhein an, beim Überqueren musste ein Obolus entrichtet werden.

Zu den "schönen Seiten des Lebens" zählten Ausflüge mit Passagierdampfern: der Rhein als Basis für romantisch-touristische Reisen. "Alte Fotos können Einsichten über frühere Lebenswelten eindrucksvoll vermitteln", ist Döring überzeugt.

(RP)
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